Der Mönch und Bestsellerautor Anselm Grün über moderne Ängste, schlechte Vorgesetzte - und warum er von seinen Millioneneinnahmen keinen Cent behält.
Chefzimmer sehen anders aus. Das Büro von Pater Anselm Grün im Kloster Münsterschwarzach ist weder groß noch aufgeräumt. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papiere. In der Ecke stapeln sich seine millionenfach verkauften Lebensratgeber. Grün scheint tiefen inneren Frieden gefunden zu haben. Gelassen beantwortet er Fragen zu Aggressionen, Sexualität und seinen riskanten Spekulationen.
Anselm Grün, geb. am 14. Januar 1945, ist Benediktinermönch. Er trat der Abtei Münsterschwarzach nach dem Abitur bei. Seit 1977 führt er das Kloster als Wirtschaftschef. Daneben schrieb er hunderte spirituelle Bücher zur Lebenshilfe. (© Foto: dpa)
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Süddeutsche Zeitung: Pater Grün, reden wir über Geld. Wissen Sie, wie viel Umsatz Sie in Ihrem Leben gemacht haben?
Anselm Grün: Oh, schwer zu sagen. Ich habe bis heute so um die 15 Millionen Bücher verkauft ...
SZ: Dann haben Sie weit mehr als 100 Millionen Euro umgesetzt.
Grün: Ja, wahrscheinlich.
SZ: Sie verkaufen in Deutschland mehr Bücher als Günter Grass oder der Papst. Sie müssten Multimillionär sein.
Grün: Ich besitze nichts. Ich habe als Benediktinermönch Armut gelobt. Das Geld gehört der Abtei.
SZ: Gibt es nicht mal Taschengeld?
Grün: Doch, wie die anderen Mönche bekomme ich ein wenig Urlaubsgeld. Wenn ich unterwegs zu meinen Vorträgen bin, genehmige ich mir manchmal einen Cappuccino in der Raststätte. Das ist mein Luxus. Aber ich gebe keine 50 Euro Bargeld im Monat aus.
SZ: Geld reizt Sie nicht?
Grün: Geld, das mir gehört? Überhaupt nicht. Ich sehe, wie das Geld viele Menschen hart macht. So will ich nicht werden. Geld gefährdet die innere Freiheit. Eigentlich könnten Menschen mit viel Geld sorglos und frei sein. Aber oft kreisen gerade reiche Leute mit ihren Gedanken immer nur ums Geld. Es gibt Reiche, die glücklich sind, natürlich. Aber das sind die, die innerlich frei von diesem Reichtum sind.
SZ: Wie kaufen Sie Kleider oder Möbel?
Grün: Wenn ich eine Kutte oder Wäsche brauche, gehe ich in die Kleiderkammer. Als ich neulich meinen alten Kulturbeutel am Flughafen vergessen hatte, haben mir meine Geschwister einen neuen geschenkt. Und Möbel passen in meine Zelle ohnehin kaum. Die hat weniger als 20 Quadratmeter. Das ist manchmal ein Nachteil. Vor allem, wenn ich ein Buch schreibe. Da stapelt sich überall Papier.
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Debatte über Urheberrecht
Die meisten von uns machen Jobs, die sie hassen, um sich Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen.
Der Pater macht einen Job, den er liebt, und kauft sich kaum etwas, bis auf das Nötigste.
Warum ist er nur zufrieden?
WIR WOLLEN DICH, NICHT DEIN GELD!
schon nett.
...ist meines Erachtens die folgende:
"Die Globalisierung bringt Konkurrenz mit sich, natürlich. Aber sie bietet auch Chancen. Insgesamt gehen die Firmen nicht kreativ genug mit ihr um. Sie schauen nicht nach Stärken, sie reagieren mit Angst, entlassen Mitarbeiter, starren nur auf die Kosten."
Richtig. Es werden Mitarbeiter entlassen, obwohl die Unternehmen Gewinne ohne Ende einfahren! Aber das ist keine Schikane von Seiten der Unternehmen. Denn die Globalisierung hat durch schlagartig verstärkte Konkurrenz einen ungemeinen Expansionsdruck auf die Unternehmen gesetzt. Wenn eine Firma keine gigantischen jährlichen Wachstumsraten vorweisen kann, stürzen z.B. die Aktienkurse in den Keller... Es gibt nicht einmal die Möglichkeit für auch nur ein kurzes Verweilen auf dem Status Quo, es muss immer, weiter, weiter, vorwärts, los, los, gehen...
Dann ist es auch kein Wunder, wenn die derartig "gehetzten" (ok, aber bitte kein Mitleid an dieser Stelle) Manager sich nicht mehr die Zeit für die Ausarbeitung einer vernünftigen langfristigen Strategie nehmen, sondern einfach planlos in alle möglichen Richtungen hin expandiert und viel Geld in den Sand gesetzt wird, von dem man tausende zusätzliche Mitarbeiter hätte bezahlen können...
Vielleicht mal zwischendurch für den einen oder anderen Monat ins Kloster, sich besinnen, neue Ideen zu Wort kommen lassen, das wäre doch mal ein "Managerseminar"...
Könnte ja sein daß er ihn schon ein paar Jahre fährt und das meiste von den 240.000km seitdem dazugekommen ist. Bei ständigen Vortragsreisen quer durch die Republik kommt man locker auf 50.000 pro Jahr und mehr.
Was mich reizt, ist die Kreativität. Viele Klöster haben einfach keine guten Ideen. Erst wirtschaften sie schlecht, dann jammern sie. Aber sie strengen nie den Kopf an. Wie sagte der große Theologe Karl Rahner: Denkfaulheit ist keine Gabe des Heiligen Geistes.
Ich halte den vorgenannten Satz für einen Schlüsselsatz des Interviews, weil er leider auf eine Vielzahl von Unternehmen zutrift. Gefangen in reines Zahlendenken verlieren die Menschen ihre Identität, zum Teil ohne es zu merken.
Es würde sehr interessieren, in wieweit die Vorträge von Anselm Grün sich auf die Vorgehensweise seiner Teilnehmer auswirken.
Aber, einen kleinen Widerspruch muss ich mir erlauben: Wenn Grün im Zusammenhang von Angst und Depression davon spricht, dass die Betroffenen innerlich hart und unfrei geworden sind und daher diese Verhärtung spüren, so bitte ich zu bedenken, dass die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Zerstörung der eigenen Lebensplanung in weit stärkerem Maße zutreffen. Dei Zahlen der Krankenkassen sprechen eine allzu deutliche Sprache.
Ansonsten halte ich das Interview für sehr lesen - und bedenkenkenswert!!
Paging