Reden wir über Geld (3): Anselm Grün "Geld gefährdet die innere Freiheit"

Der Mönch und Bestsellerautor Anselm Grün über moderne Ängste, schlechte Vorgesetzte - und warum er von seinen Millioneneinnahmen keinen Cent behält.

Interview: Matthias Drobinski und Alexander Hagelüken

Chefzimmer sehen anders aus. Das Büro von Pater Anselm Grün im Kloster Münsterschwarzach ist weder groß noch aufgeräumt. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papiere. In der Ecke stapeln sich seine millionenfach verkauften Lebensratgeber. Grün scheint tiefen inneren Frieden gefunden zu haben. Gelassen beantwortet er Fragen zu Aggressionen, Sexualität und seinen riskanten Spekulationen.

Süddeutsche Zeitung: Pater Grün, reden wir über Geld. Wissen Sie, wie viel Umsatz Sie in Ihrem Leben gemacht haben?

Anselm Grün: Oh, schwer zu sagen. Ich habe bis heute so um die 15 Millionen Bücher verkauft ...

SZ: Dann haben Sie weit mehr als 100 Millionen Euro umgesetzt.

Grün: Ja, wahrscheinlich.

SZ: Sie verkaufen in Deutschland mehr Bücher als Günter Grass oder der Papst. Sie müssten Multimillionär sein.

Grün: Ich besitze nichts. Ich habe als Benediktinermönch Armut gelobt. Das Geld gehört der Abtei.

SZ: Gibt es nicht mal Taschengeld?

Grün: Doch, wie die anderen Mönche bekomme ich ein wenig Urlaubsgeld. Wenn ich unterwegs zu meinen Vorträgen bin, genehmige ich mir manchmal einen Cappuccino in der Raststätte. Das ist mein Luxus. Aber ich gebe keine 50 Euro Bargeld im Monat aus.

SZ: Geld reizt Sie nicht?

Grün: Geld, das mir gehört? Überhaupt nicht. Ich sehe, wie das Geld viele Menschen hart macht. So will ich nicht werden. Geld gefährdet die innere Freiheit. Eigentlich könnten Menschen mit viel Geld sorglos und frei sein. Aber oft kreisen gerade reiche Leute mit ihren Gedanken immer nur ums Geld. Es gibt Reiche, die glücklich sind, natürlich. Aber das sind die, die innerlich frei von diesem Reichtum sind.

SZ: Wie kaufen Sie Kleider oder Möbel?

Grün: Wenn ich eine Kutte oder Wäsche brauche, gehe ich in die Kleiderkammer. Als ich neulich meinen alten Kulturbeutel am Flughafen vergessen hatte, haben mir meine Geschwister einen neuen geschenkt. Und Möbel passen in meine Zelle ohnehin kaum. Die hat weniger als 20 Quadratmeter. Das ist manchmal ein Nachteil. Vor allem, wenn ich ein Buch schreibe. Da stapelt sich überall Papier.

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