Ratgeber Effizienter Wechsel

Viele Hauskäufer stecken nur wenig Geld in die energetische Sanierung der Immobilie. Ein neuer Leitfaden informiert die neuen Eigentümer über die unterschiedlichen Möglichkeiten, Kosten und Handwerker.

Von Lars Klaaßen

Pro Jahr wechseln in Deutschland derzeit 150 000 Ein- und Zweifamilienhäuser den Eigentümer. Etwa drei Viertel der Käufer von Wohneigentum sanieren anschließend das erworbene Gebäude. "In vielen Fällen wird energetisch aber nichts oder nur teilweise etwas getan, sodass das Gelegenheitsfenster, das sich mit der Eigentumsübertragung öffnet, häufig ungenutzt bleibt", sagt Immanuel Stieß, Energieexperte des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE). "Erhebliche Potenziale für den Klimaschutz im Gebäudebereich können daher nicht gehoben werden." Deshalb haben das ISOE und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit Klima- und Verbraucherschutzexperten die Kommunikationsstrategie "Wegweiser Hauskauf - Energetisches Modernisieren zahlt sich aus" sowie einen Leitfaden für die Umsetzung entwickelt (www.isoe.de/publikationen/downloads/energieeffizienz/).

Über 80 Prozent der Wohnungen sind errichtet worden, als Wärmeschutz kein Thema war

"Häufig sind den neuen Besitzern die bautechnischen Möglichkeiten gar nicht bekannt", sagt Stieß, der das Projekt leitet. "Zudem ändern sich regelmäßig die finanziellen Fördermöglichkeiten und gesetzliche Anforderungen, sodass es für Laien schwierig ist, den Überblick zu behalten." Der Wegweiser weist Hausbesitzer zunächst darauf hin, dass ältere Häuser zwar günstig erscheinen können, in der Regel aber mit höheren Energiekosten und Modernisierungsbedarf gerechnet werden sollte. "Über 80 Prozent des Wohnungsbestandes in Deutschland ist errichtet worden, als Wärmeschutz noch kein Thema war", sagt Stieß. "Deshalb beschreibt der Wegweiser erst einmal energetische und technische Eckpunkte, auf die man schon vor dem Kauf achten sollte." Das sei wichtig, weil beim Hauskauf der Finanzierungsrahmen meist schon frühzeitig abgesteckt werde. Ein zweiter Teil des Wegweisers verweist auf Fachleute, die angehende Eigenheimbesitzer konsultieren können. Denn ohne Experten sollte man sein Haus lieber nicht energetisch sanieren, betont Stieß: "Es gibt dabei kein Standardkonzept, den Ausschlag geben individuelle Wünsche, Vorstellungen und finanzielle Möglichkeiten." Für eine erste Orientierung stehen Institutionen wie Klimaschutzagenturen und Verbraucherzentralen zur Seite. Sie können im zweiten Schritt dabei helfen, Fachleute zu finden.

Bislang wird die Informationsmappe in den Pilotregionen Hannover samt Umland, Bremen und Bremerhaven, Aachen und Siegburg eingesetzt, jeweils mit eigenem Adressteil für die Region. "Unsere Evaluation ergab, dass zahlreiche Neueigentümer durch die Mappe motiviert wurden," sagt Stieß. "Viele Interessenten haben dann sogar weiterreichende und anspruchsvollere Maßnahmen umgesetzt, als ursprünglich geplant." Nach eingehender Beratung stellte sich nämlich oft heraus, dass man mit ein wenig mehr Investition die künftigen Energiekosten deutlich senken kann. "Die Kommunikationsstrategie kann auf alle anderen Regionen in Deutschland übertragen werden", betont Stieß. Dazu habe man neben dem Wegweiser noch einen Leitfaden veröffentlicht. Energie- und Klimaschutzagenturen, Verbraucherzentralen, kommunale Klimaschutzmanager und auch nichtkommerzielle Einrichtungen können sich mithilfe des Leitfadens zunächst einen Überblick über alle notwendigen Schritte verschaffen, um dann eigene Kampagnen für die Zielgruppe der Eigenheimerwerber umzusetzen. "Wir haben dazu im Leitfaden aufgeführt, wer geeignete Multiplikatoren sind, welche Angebote kommuniziert werden sollen und welche Materialien sinnvoll sind", sagt Stieß. Außerdem wird gezeigt, wie ein regionales Expertennetzwerk aufgebaut werden kann.