Neubau Viele Freunde

Die künftigen Bewohner der "Friends"-Türme am Hirschgarten in München teilen sich die Dachterrassen und andere Flächen. Das Konzept scheint anzukommen.

Von Andreas Remien

Mehr als 50 Meter hoch, direkt an der Bahnachse zum Münchner Hauptbahnhof, eher kleinere Wohnungen und die Quadratmeterpreise im gehobenen Segment: Das Projekt "Friends" am S-Bahn-Halt Hirschgarten galt in der Branche durchaus als ambitioniert. Mutig im tendenziell konservativen Münchner Markt ist auch das geplante Sharing-Konzept der beiden Wohntürme: Die Bewohner teilen sich unter anderem die Dachterrassen. Doch die Rechnung der Projektentwickler scheint aufzugehen.

"Wir realisieren ein Konzept des Teilens", sagt Roderick Rauert, Geschäftsführer des Investors LBBW Immobilien Capital. Für die Bewohner habe dies den Vorteil, dass sie ihre eigenen Flächen effizienter nutzen könnten. Herd und Spüle zum Beispiel sind in den offenen Grundriss integriert - eine große, separate Küche gibt es nicht. "Einen Tisch für zehn Leute braucht man vielleicht zwei Mal im Jahr", sagt Rauert. Damit müsse man nicht die Wohnung vollstellen. Wer viele Gäste erwartet, kann in den Türmen daher eine 84 Quadratmeter große "Kitchen-Lounge" buchen. Auch Stauräume und ein Fitnessbereich sind außerhalb der Wohnungen untergebracht. Zwei der vier Dachterrassen können von den Bewohnern exklusiv reserviert werden. Das Sharing-Konzept sei einerseits Ausdruck eines Wertewandels, sagt Rauert. Andererseits ist es auch eine Antwort auf den angespannten Münchner Immobilienmarkt. Bei den steigenden Quadratmeterpreisen lässt sich nur mit einer kleineren Wohnfläche der Gesamtpreis der Wohnung im Rahmen halten. Die kleinste angebotene Wohnung ist daher nur 45 Quadratmeter groß, die größte 145 Quadratmeter. Die Preise pro Objekt reichen von circa 450 000 bis circa 900 000 Euro.

Etwa 200 der 260 Wohnungen der Wohntürme "Friends" sind verkauft. Das Projekt in der Nähe des Hirschgartens in München soll im Sommer fertig werden.

(Foto: LBBW)

Bei den Käufern scheint das Konzept anzukommen. Ein gutes halbes Jahr vor Fertigstellung der beiden Wohntürme sind gut 200 der 260 Wohnungen verkauft. "Die Nachfrage ist enorm", sagt Jürgen Schorn, geschäftsführender Gesellschafter des Vermarkters Bauwerk Capital. "Wir hätten uns sogar noch mehr Gemeinschaftsangebote wie einen Waschsalon oder ein kleines Kino vorstellen können", sagt Schorn. Eine Analyse im Vorfeld hatte jedoch gezeigt, dass dies für die meisten Käufer dann doch etwas zu viel gewesen wäre. Geblieben von den ursprünglichen Ideen ist der "Keeper", der etwa die Post entgegennimmt oder Handwerker betreut.

Mehr als die Hälfte der Käufer sind laut Bauwerk Capital Eigennutzer. Bei der Himmelsrichtung und Etage gibt es bei den Käufern keine eindeutigen Vorlieben. "Die Wohnungen sind gleichmäßig verkauft", sagt Schorn. Im internationalen Vergleich sind die Gebäudehöhen von je 53 Metern eher klein. Im Münchener Maßstab gehen die Türme jedoch als Hochhäuser durch. Durch die bodentiefen Fenster kann man ab der vierten Etage über die umliegende Bebauung blicken. Die markante Fassade hat das verantwortliche Architekturbüro Allmann Sattler Wappner entworfen.

Neubau

Tausende Wohnungen und Häuser werden jedes Jahr in München und Umgebung gebaut. Das Angebot ist vielfältig. Unter der Rubrik Neubau stellen wir vor, was wo entsteht.

Ursprünglich sollten an dieser Stelle Bürotürme entstehen. Wegen der hohen Nachfrage wurden die Flächen für die Wohnbebauung umgewidmet. Mit der Umwandlung in Wohnflächen, den kleineren Einheiten, größeren Höhen und dem Sharing-Konzept lassen sich an den Türmen mehrere aktuelle Entwicklungen der Immobilienmärkte ablesen.