Nachtspeicheröfen Die teuerste Art zu heizen

Nachtspeicheröfen werden mit Strom aufgeheizt. Früher hat sich das gelohnt, heute gilt die Technik als überholt.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa)

In Deutschland sind immer noch 1,6 Millionen dieser Heizgeräte in Betrieb. Warum eigentlich? Die Technik gilt längst als überholt, zudem belastet sie die Umwelt.

Von Katja Fischer/dpa

Sie sind ein Relikt aus alten Zeiten: Nachtspeicheröfen. Das sind elektrisch betriebene Heizungen, deren Wärmespeicher sich mit Strom aufheizen, der nachts eingespeist und tagsüber genutzt wird - eine Idee aus den 1960er- und 1970er-Jahren, als Kraftwerke in Schwachlastzeiten ihren Strom zu einem deutlich günstigeren Nachttarif verkauften. Und heute? "Die Nachtspeicheröfen wurden eingebaut, als Strom noch günstig und CO2 noch kein Thema war", sagt Jürgen Stefan Kukuk von der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE) in Berlin. Vor allem in der Nähe großer Kraftwerke waren die Öfen verbreitet. Ihr Komfort sei "eigentlich gar nicht mal schlecht", erklärt er. Sie können die Wärme bis zu 36 Stunden speichern. "Aber die Technik hat sich überholt. Und Heizen mit Strom ist auch aus Umweltgründen nicht akzeptabel."

Auch ökonomisch ist diese Art zu heizen heute in der Regel nicht. Denn die günstigen Nachtstromtarife gibt es nicht mehr. Die Energieversorger können ihre Kraftwerkskapazitäten besser anpassen und ein Überangebot an Nachtstrom vermeiden. "Nachtspeicheröfen sind inzwischen die umweltbelastendste und teuerste Art zu heizen", fasst Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima in Sankt Augustin bei Bonn zusammen. "Umweltbewusste und wirtschaftlich denkende Hausbesitzer werden ihre alten Geräte sukzessive durch effizientere und umweltfreundliche Heizungen ersetzen." Eigentlich sollten Nachtspeicheröfen bis 2020 sogar per Gesetz aus den Häusern verschwunden sein. Aber die 2009 beschlossene Regelung wurde vier Jahre später wieder gekippt. So heizen noch heute viele Menschen mit Nachtspeicheröfen. 2,4 Millionen Anlagen gab es im Jahr 2000. 2017 waren noch 1,6 Millionen in Betrieb, hat das Verbraucherportal Finanztip in Berlin ermittelt. "Viele Nutzer haben keine Wahl", sagt Stefan Materne von der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Vor allem Mieter haben keinen Einfluss auf die Art der Heizung. Sie können nicht mehr tun, als ihre Nachtspeicheröfen herunterzudrehen, um zu sparen. "Und zahlen dann trotzdem das Zwei- oder Dreifache gegenüber den Nutzern moderner Heizungssysteme", so Materne. "Denn der günstigste Arbeitspreis für Strom liegt gegenwärtig bei 18 bis 19 Cent pro Kilowatt. Gas kostet 6 Cent oder sogar weniger."

Mit einem Wärmestromtarif kommen Mieter etwas besser weg

Es gibt immerhin etwas Abhilfe. Finanztip empfiehlt Mietern, einen Wärmestromtarif abzuschließen. Diese Tarife liegen durch niedrigere Entgelte für die Kilowattstunde und geringere Netzentgelte circa 30 Prozent unter denen für Haushaltsstrom. Bei Nachtspeicherheizungen zahlen Verbraucher rund 9 Cent pro Kilowattstunde weniger als für Haushaltsstrom.

Haus- und Wohnungsbesitzer, die noch Nachtspeicheröfen betreiben, sind gut beraten, diese auszutauschen. Allerdings ist es eine Frage des Einzelfalls, ob der Ersatz durch ein modernes Heizsystem überhaupt wirtschaftlich ist und welches System geeignet ist. "Das hängt stark von der Dämmung des Gebäudes und dem Heizverhalten der Bewohner ab", sagt Wagnitz.

Prinzipiell ist vieles möglich, von der Direktheizung, Fernwärme, Wärmepumpe, Pelletheizung bis zur Brennwertheizung. Allerdings kann der bauliche Aufwand erheblich sein. "Bei Nachtspeicheröfen fehlt das wasserführende Leitungssystem im Haus", erläutert Materne. Die Nachtspeicheröfen werden an Stromleitungen angeschlossen und mit elektrischer Energie aufgeladen. Soll nun zum Beispiel eine neue Brennwertheizung eingebaut werden, müssen Heizungsrohre verlegt und Heizkörper installiert werden. Außerdem braucht man Platz für einen Heizkessel, einen Schornstein und eventuell einen Öltank. "Angesichts der Einsparung der hohen Stromkosten Jahr für Jahr kann sich der Aufwand aber lohnen", so Maternes Urteil. Bei Systemen mit einem Wärmespeicher ist das Heizwasser-Verteilsystem schon vorhanden. Hier braucht lediglich der Wärmeerzeuger ausgetauscht zu werden.

Die Hoffnung mancher Experten, die Geräte noch anderweitig weiter nutzen zu können, zum Beispiel als Speicher für ein Überangebot an erneuerbaren Energien, hat sich weitgehend zerschlagen. "Die alten Nachtspeicheröfen sind nicht flexibel genug, um erneuerbare Energien aufzunehmen, wenn sie entstehen, und abzugeben, wenn sie gebraucht werden", erklärt Energieexperte Kukuk. Daher rät auch er: "Besser ist es, sie - wo es baulich irgendwie möglich ist - abzuschaffen." Zumal etliche Modelle mit Asbest belastet sind, vor allem Geräte, die vor 1984 gebaut wurden. Über die Nummer am Gerät können Elektriker herausfinden, ob es ein Asbestrisiko gibt.