Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken "Mir macht Geld verdienen Spaß"

Sich nachlässig zu kleiden sei narzisstisch: Die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Warum hat Deutschland weder Kinder noch weibliche Karrieren? Die Literaturprofessorin und Mode-Expertin Barbara Vinken über die Erotik des doppelten Einkommens.

Von Lea Hampel und Hannah Wilhelm

Zum Interview mit der Süddeutschen Zeitung bittet sie ins Schumann's, denn Barbara Vinken mag es nobel: Die 55-Jährige zieht sich gern schick an, und sie isst und trinkt gern gut. Doch für die Universitätsprofessorin hat das legendäre Münchner Lokal noch einen Vorteil: Es ist nah an der Ludwig-Maximilians-Universität. Doch obwohl es hier in der Regel ums Gesehenwerden geht, kommt Vinken auch deshalb her, weil sie hier ungestört sein kann: Studenten verirren sich, nicht zuletzt aufgrund der gehobenen Preise, eher selten hierher.

Das schätzt Vinken. Sie kommt zwar aus einer Zunft, die nicht eben Prominenz bedingt, doch hat sie auch als Literaturwissenschaftlerin in den vergangenen Jahren immer wieder mal für Schlagzeilen gesorgt und ist entsprechend bekannt. Zuletzt hat sie ein Buch über die Bedeutung der Mode veröffentlicht. Berühmt ist sie aber für ein anderes Werk: "Die deutsche Mutter". In dem viel diskutierten Werk dekonstruiert sie die Fixierung der Deutschen auf das Bild der Mutter als Heil bringende Universal-Institution für eine intakte Familie, eine Mischung aus Sachbuch und Streitschrift, mit eindrücklichen Erkenntnissen nicht nur aus der Literaturwissenschaft, sondern auch der Geschichte.

Vinken selbst ist ebenfalls Mutter, aber eine, der die Karriere stets ebenso wichtig war wie die Erziehung ihres mittlerweile 19 Jahre alten Sohnes: Schon früh hat sie sich ein Kindermädchen geleistet, die Betreuung auch mal an eine befreundete ältere Dame abgegeben und sich von Ehemann und Eltern Unterstützung geholt. "Ich hätte auch gar nicht Zuhause bleiben können", sagt sie im Interview. Schon deshalb, weil sie auch ein Faible für Mode hat - und die, so Vinken, möchte sie einerseits selbst bezahlen - andererseits ist sie eben sehr teuer. Eine Investition, die sich dennoch lohnt. Denn Camouflage, so Vinken, sei manchmal nötig für eine Karriere.

Warum Vinken Hosenanzüge ablehnt, wie sie die deutsche Familienpolitik beurteilt, warum sie es für klug hält, dass Französinnen ihre Männer nicht nach dem Gehalt aussuchen und ihre Literaturbegeisterung unter anderem mit der Wette um eine Champagnerflasche begann, lesen Sie hier im gesamten Interview mit SZ Plus:

"Frauen glauben ans Dogma der Mütterlichkeit"

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