Berlin und Paris ziehen Konsequenzen aus dem Griechenland-Desaster und nehmen Spekulanten in die Zange. Viele riskante Finanzgeschäfte sollen beschränkt oder verboten werden.
Deutschland und Frankreich wollen Spekulationsgeschäfte gegen Staaten und große Unternehmen mit einer gemeinsamen Initiative eindämmen. Dazu soll der Handel mit bestimmten Wertpapieren beschränkt oder sogar komplett verboten werden. Der Aufbau eines Europäischen Währungsfonds nach dem Vorbild des IWF ist dagegen nicht Teil des Konzepts, da Kanzlerin Angela Merkel - anders als Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) - wenig von der Idee hält.
Deutschland und Frankreich ziehen die Konsequenzen aus der Griechenland-Misere: Sie wollen die Spekulanten bremsen. Die Aufnahme zeigt die Börse in Tokio. (© Foto: dpa)
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Regierungsvertreter in Berlin und Paris kündigten an, dass Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy einen Brief an EU-Kommissionschef José Manuel Barroso schreiben wollten, in dem dieser zum Handeln aufgefordert wird. Zu den Verfassern der Erklärung gehören auch der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, und der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou.
Ziel ist eine Richtlinie, die ungedeckte Leerverkäufe von Aktien untersagt, den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) eingrenzt und Finanzgeschäfte ohne Einschaltung einer Börse beschränkt. Bei ungedeckten Leerverkäufen veräußern Banken oder Investmentfonds Aktien, die sie gar nicht besitzen, mit dem Ziel, den Börsenkurs zu drücken und die Papiere dann günstig einzukaufen. Mit einem CDS können sich Käufer einer Staats- oder Firmenanleihe gegen einen Bankrott des Gläubigers versichern. Die Papiere werden aber immer häufiger eingesetzt, um losgelöst von ihrem eigenen Zweck auf die Pleite eines Staates oder Unternehmens zu wetten. Aktuelles Beispiel ist Griechenland.
Notfalls auch alleine
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sind Merkel, Sarkozy, Juncker und Papandreou zur Not auch zu einem europäischen Alleingang bereit, sollten wichtige G-20-Partner wie die USA und China nicht mitziehen. "Wir können nicht immer warten, bis der Letzte an Bord ist", hieß es in Verhandlungskreisen. Gänzlich verboten werden sollen die CDS allerdings nicht, da die Wirtschaft sie zur Absicherung benötigt. Darauf hatten Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie gegenüber dem Kanzleramt hingewiesen.
EU-intern umstritten ist die Frage, ob zur Vermeidung von Krisen wie der griechischen ein Europäischer Währungsfonds (EWF) geschaffen werden soll. Dabei verlaufen die Fronten in Frankreich anders als in Deutschland: Sarkozy ist für den EWF, Finanzministerin Christine Lagarde dagegen. Sie will - wie Merkel - im Notfall lieber auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen, der zur Bewältigung von Haushaltskrisen geschaffen wurde und über entsprechende Hilfsmittel verfügt. Dagegen wehren sich wiederum die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB): Sie fürchten einen Verlust an Einfluss und an Unabhängigkeit sowie die Einmischung des IWF-Großaktionärs USA in die europäische Finanzpolitik. Ein Kommissionssprecher zeigte am Montag entsprechend Sympathie für den Aufbau eines EWF. Man werde sich rasch mit der Frage befassen, sagte er.
Die Bundesregierung arbeitet darüber hinaus an einem Konzept, mit dessen Hilfe die deutschen Großbanken an den Kosten der Finanzkrise beteiligt und künftige Turbulenzen verhindert werden sollen. Dazu sollen die Geldhäuser in einen Krisenfonds einzahlen, der bei Schieflage eines Instituts Eigenkapital gewährt. Parallel dazu will die Koalition ein eigenes Restrukturierungs- und Insolvenzrecht für Banken schaffen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte aber davor, Institute zu bestrafen, die erfolgreich durch die Krise gekommen seien.
Im Video: Bundeskanzlerin Merkel sieht in einem etwaigen Europäischen Währungsfonds zur Unterstützung kriselnder Euro-Länder keine Schwächung des Stabilitätspaktes
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(SZ vom 09.03.2010/mel)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
"Das mit den Bierdeckeln überlass ich Stammtischstrategen."
Was mich beschäftigt, ist die Tatsache, daß wie erwähnt grob geschätzt durch die Bankster 100 Mio. Arbeitsplätze weltweit vernichtet wurden.
Sie gehen vor dem Hintergrund hin und reden den abenteuerlichsten Stoiber-Hirngespinsten das Wort, wo eigentlich die Schadensbehebung auf dem Arbeitsmarkt und dem sozialen Sektor ganz obenan stehen müßte.
In dem Zusammenhang vom Denkradius eines Bierdeckels zu sprechen, ist ja noch geprahlt.
Das mit den Bierdeckeln überlass ich Stammtischstrategen.
@Pasquino
Ich weiss wie Leerverkäufe funktionieren. Das blöde ist, der eigentliche Halter will die Aktien eigentlich nicht verkaufen. Wenn Sie mit einigen Millionen in der Hinterhand Massen an Aktien zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt werfen können Sie den Markt in die gewünschte Richtung manipulieren. Die Methode funktioniert mit allen handelbaren Waren, auch Nahrungsmittel und Rohstoffe.
Aktienfonds und vor allem Banken sind so Kandidaten. Haben große Mengen an Aktien, verleihen die ggf. an Zocker, gemessen werden die bestenfalls an obskuren Indizes. Die Anleger selbst haben ganz sicher kein Interesse dass die Kurse fallen, dem Fondsmanager bzw. der Depotbank kanns egal sein. Seinen "Management Fee" haben die sicher.
@Trader
Ihnen würden Spekulationen gegen Griechenland schwer fallen, wenn Sie bei Erwerb einer Kreditausfallversicherung über eine Versicherungssumme von 10 Mio Euro parallel Griechenland-Anleihen von 10 Mio Euro im Depot nachweisen müssten. Einfach nen CDS kaufen und hoffen, dass Griechenland finanziell abbrennt und die CDS steigt ist dann nicht mehr.
wenn nicht JEDER staat der börsengeschäfte erlaubt bei so einem gesetz mitzieht, dann ändert ein alleingang in einer globalisierten und mit internet bestens vernetzen welt gar nichts!
ich selbst bin aktiver anleger, man sagt heute auch "trader" (engl. trade = handeln), und es gibt keine schwierigkeiten ein handelskonto bei welchem broker auch immer egal ob in- oder ausland, europa, usa, asien, oder südafrika!!!
"Gänzlich verboten werden sollen die CDS allerdings nicht, da die Wirtschaft sie zur Absicherung benötigt."
da sieht man mal; schon im vorhinein ist klar, dass schlupflöcher exitieren sollen. die begründung dafür ist an den haaren herbei gezogen.
ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendetwas WIRKUNGSVOLLES ändert, denn dann könnte die börse frankfurt dicht machen, das sollte klar sein!
die usa und somit auch china werden in dieser sache nichts unternehmen. die lobby ist einfach zu stark. schauen sie sich doch mal an wer denn im weißen haus sitzt der nichts mit der wall street zu tun hat... ja da muss man lange suchen... sehr lange.
ich selbst habe schon oft auch leerverkauft (ungedeckt) und dabei mit hohen hebeln gearbeitet. ich muss schon sagen, es ist wirklich krank etwas verkaufen zu können, das man gar nicht besitzt. das ist ungefähr so, als verkaufe man ein auto, um es nach ein paar jahren zurückzukaufen und den zeitwertverlust als gewinn einzustreichen.
leerverkäufe hätten nie erlaubt werden dürfen, denn sie destabilisieren den markt so stark, dass uns früher oder später der ganze laden um die ohren fliegt.
wenn die jetzigen finanzhilfen verpuffen sollten, da wars das mit dem wohlstand!
.was gaaanz Feines aus dem Hut gezogen.
Was in der Welt so geschah:
Faule Immobilienkredite wurden zum Spielball der Gier. Kreditranking als Betrugsmöglichkeit ist einfach durchschaubar und trotzdem machbar; man sehe sich nur die Zusammensetzung des Verwaltungsrates der KfW an: Das sitzen/saßen sie; Ackermann's Balljungs unter dem Vorsitz von Glos, der Lafontaine und andere Kanzleramtskostgänger.
...schnell noch ein paar Wettscheine ( Derivate ) abgegeben mit astronomischen Hebeln, ein paar sittenwidrige Bonusvereinbarungen unterschrieben und ab dafür!
Leider hats nicht geklappt! Ist aber auch kein wirliches Problem, solange man den Emittenten des Hauptanteiles der faulen Papiere - Lehman bros - gegen die Wand fährt; und damit Regress der Verursacher im Keim erstickt. Zahlen - über Verluste tun nur die Wettgegner, in der Regel über den Löffel barbierte, kleine und mittlere, private Investoren mit Altersabsicherungsbedarf . Die Verluste der Banken zahlt natürlich, der von einer kriminellen Regierung parasitierte Steuerzahler.
Nur am Rande: Die Korruptionszahlungskompensationsprogramme/Konjunkturprogramme durchliefen nicht den Bundestag und alle Institutionen derer es bedarf/bedürfte um ein solches monumentales (Mach-) Werk durchzuführen. Das ist die schlimmste Form der organisierten Regierungskriminalität, seit dem Riesterbetrug!!!
Die avisierten Maßnahmen dieser Traumquadriga der Inkompentz würden hier überhauptnicht greifen.
Institutionelle Anleger haben sich auf eine ganz andere Art und völlig legal auf den griechischen Euro-Kadaver gestürzt.
Unsere oberste Physikerin, sie bezeichnet ihr eigenes Handeln als Quantensprung ( damit ist sie endweder die erste, ehrliche Politikerin, oder die dümmste Physikerin aller Zeiten) hat nicht den geringsten Schimmer, wie das sinnvolle Hedgen ( Versicherung gegen Preis- und Währungsschwankungen, Ernteausfälle etc. von internationalen Geschäften ) funktioniert.
Ich überlege schon, meinen ersten Wohnsitz nach Griechenland zu verlegen, da ist das Ausmaß der Katastrophe wenigsten grob abzuschätzen, bevor wir hier wirklich spätrömische Verhältnisse haben.
Ackermann als Cäsar, Merkel, von Pierer, Pieäch und Zumwinkel als Senatoren!
Ave Cäsar, morituri te salutant. (*bitte um Nachsicht, habe Latein abgewählt)
@Ankur: "Ungedeckte Leerverkäufe
zu verbieten war überfällig. Wie soll denn dann eine Preisfindung möglich sein wenn man Aktien verkauft, die man gar nicht hat? "
Bei den sogenannten Aktienleerverkäufen hat der Verkäufer die Aktien schon verfügbar. Er hat diese bei einem Aktien-Verleiher gegen Gebühr geliehen und muss diese zu einer vereibarten Frist wieder zurückgeben.
Sein Geschäft ist, wenn der Preis genug gefallen bzw. gedrückt ist, wieder unten einzusteigen und einen Mehrwert (Differenz zwischen Verkauf und Kauf) zu erzielen. Das kann natürlich auch schiefgehen und er realisiert einen Verlust.
Er kann das Geschäft auch (zusätzlich) mit Optionsscheinen begleiten und bedingt durch eine große Hebelwirkung große Gewinne, aber auch Totalverluste produzieren (Siehe Merkle und sein Tod)
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