Großbritannien: RBS Die bizarre Rache des gierigen Sir Fred

Es ist ein kurioses Urteil: Keiner darf den Ex-Chef der Großbank RBS, Fred Goodwin, mehr als Banker bezeichnen: Er hält das für ein Schimpfwort. Goodwin ist einer der hochbezahltesten Frührentner Großbritanniens.

Von Andreas Oldag, London

Was ist ein Banker? Ein Mensch, der professionell Geldgeschäfte betreibt. Der ehemalige Chef der britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS), Sir Fred Goodwin, darf in der Öffentlichkeit nicht mehr als Banker bezeichnet werden. Der 52-Jährige hat sich dies nun offiziell durch einen höchstrichterlichen Spruch bestätigen lassen.

Herausgekommen ist die Sache allerdings nur, weil sich der liberale Unterhausabgeordnete John Hemmings darüber empörte und im Parlament die Einschränkung der Pressefreiheit kritisierte. Nach den strengen britischen Gesetzen zum Schutz der Privatsphäre, insbesondere bei Prominenten, dürfen Medien noch nicht einmal darüber berichten, dass eine solche einstweilige Verfügung existiert. Der Vorteil für Hemmings: Er genießt als Abgeordneter Immunität und konnte deshalb unbeschadet über Goodwins Verfügung berichten. Diese drakonische Rechtsprechung ist allerdings höchst umstritten, gerade in einem Land, wo ansonsten die Meinungsfreiheit als sakrosankt gilt.

Ramponiertes Image

Für Goodwin ging es offenbar darum, sein schlechtes Image per Richterbeschluss los zu werden. Immerhin ist er seit Anfang vergangenen Jahres kein Banker mehr. Er heuerte als Berater bei der britischen Architekturfirma RMJM an. "Vielleicht berät er das Unternehmen auch in Finanzsachen. Dann sollte man Sir Fred als Banker-Berater oder Berater-Banker bezeichnen", witzelt ein Londoner Analyst. Bei so viel Haarspalterei um die Berufsbezeichnung ist eines aber unumstritten: Kaum ein Top-Geldmanager zog mehr den Zorn der britischen Öffentlichkeit auf sich als Sir Fred.

Der Schotte galt als Prototyp des gierigen Bankers, der an der hochexplosiven Mischung riskanter Spekulationsgeschäfte mitzündelte. In einem Anflug von Größenwahn trieb der gelernte Rechnungsprüfer und Sohn eines Elektrikers das einst verschlafene Regionalinstitut zu immer neuen Übernahmen. Er selbst residierte in einer prachtvollen Unternehmenszentrale in Edinburgh. Ein Firmenjet stand startbereit am Flughafen, um dem Chef den anstrengenden Job in seinem Firmenimperium zu erleichtern. In der Branche machte sich Goodwin einen Namen als "Fred der Reißwolf", da er kompromisslos Kosten und Personal in seinem Konzern zusammenstrich.

Ende 2007 wurde Goodwin allerdings der milliardenschwere Kauf der niederländischen Bank ABN Amro zum Verhängnis. Er hielt an der Akquisition fest, obgleich sich bereits die ersten Anzeichen der Finanzkrise bemerkbar machten. Rasch wurde klar, dass sich die RBS überhoben hatte. Das Geldhaus stand vor der Pleite. Die britische Regierung sprang schließlich ein und übernahm die Mehrheit an der Bank.

Ende 2008 nahm Goodwin seinen Hut. Nach seinem Aus begann der zweite Akt im Drama des gierigen Sir Fred: Der geschasste Top-Manager avancierte zu einem der hochbezahltesten Frührentner auf der Insel. Er hatte sich Medienberichten zufolge einen Pensionstopf von 16,6 Millionen Pfund (etwa 19 Millionen Euro) bei der RBS gesichert. "Wir entschuldigen uns für Fehler", erklärte er später vor einem Untersuchungsausschuss im Parlament. Aber erst der massive Druck der damaligen Labour-Regierung führte dazu, dass Goodwin auf ein paar Hunderttausend Pfund aus seiner Pensionszahlung verzichtete.

Die Aufräumarbeiten bei der RBS, die immer noch zu 83 Prozent dem Staat gehört, hat der neue Chef Stephen Hester übernommen. Nach dem größten Verlust in der britischen Unternehmensgeschichte in Höhe von 24,3 Milliarden Pfund im Jahr 2008 ist es Hester immerhin gelungen, das Minus auf 1,13 Milliarden Pfund im vergangenen Jahr zu reduzieren.

Radikales Sparprogramm

Hester setzt auf ein radikales Sparprogramm. Zusätzlich zu den bereits 16.000 gestrichenen Jobs sollen britischen Medienberichten zufolge nochmals 3500 Arbeitsplätze wegfallen. Nur bei den Boni für das Topmanagement wird offenbar nicht gespart: So hat die Bank Prämienzahlungen in Millionenhöhe angekündigt.

Die Investmentbanker sollen insgesamt 950 Millionen Pfund für 2010 bekommen, was allerdings unter den 2009 gezahlten 1,3 Milliarden Pfund liegt. Hester soll 2,04 Millionen Pfund bekommen. Im Jahr davor hatte er seinen Millionenbonus abgelehnt.

Und Sir Fred? Von seiner Beratertätigkeit ist nicht viel bekannt. Gewiss darf man ihn aber als Hobby-Autoschrauber bezeichnen, ohne mit dem britischen Gesetz in Konflikt zu geraten. Der Ex-Banker ist Oldtimer-Fan. Jahrelang bastelte er an einem Sportwagen Triumph Stag, um damit über die schottischen Highlands zu fahren. Zeit dafür hat er ja.