Rettungspaket für Griechenland Banken drücken sich vor substantiellen Hilfen

Und der Gewinner sind - die Banken: Zwar verkündet Finanzminister Wolfgang Schäuble, dass sich die Geldhäuser mit 3,2 Milliarden Euro am Hilfspaket für Griechenland beteiligen. Doch der Beitrag klingt großzügiger als er ist. Am Ende dürften die Banken davon sogar profitieren - und zahlen müssen wieder die Bürger.

Von Claus Hulverscheidt und Harald Freiberger

Die Summen, um die es geht, klingen gewaltig. Wer sich jedoch intensiver mit ihnen befasst, den beschleicht rasch das Gefühl, im Märchen von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, gelandet zu sein. Die beiden Freunde begegnen auf dem Weg in die Stadt der tausend Drachen dem Scheinriesen Herr Tur Tur, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt.

Exakt so steht es um die Zusage der deutschen Banken, sich am neuen Rettungspaket für Griechenland zu beteiligen: Da ist zunächst von zehn Milliarden Euro die Rede, von denen bei näherem Betrachten zwei Milliarden und am Ende womöglich keine 2,50 Euro übrig bleiben. Zu guter Letzt könnte sich die Vereinbarung, die Finanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag mit der Finanzbranche geschlossen hat, sogar als gutes Geschäft für die Banken erweisen - und als neue schwere Hypothek für die Griechen.

Schäuble zufolge haben die beteiligten deutschen Finanzinstitute insgesamt knapp zehn Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Bis 2014, also dem Laufzeitende des neuen Hilfspakets, muss Athen davon allerdings nur zwei Milliarden Euro zurückzahlen, der Rest wird erst später fällig. Statt das Geld anschließend anderweitig zu investieren, wollen es die Geldhäuser nach der jetzt getroffenen Vereinbarung erneut Griechenland zur Verfügung stellen. Weitere 1,2 Milliarden Euro sollen von den Abwicklungsanstalten der HRE und der WestLB kommen. Die Branche sei sich, sagt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, ihrer Verantwortung bewusst.

Sämtliche Details der Vereinbarung zwischen Schäuble, Ackermann und den übrigen Branchenvertretern sind jedoch noch offen. Ackermann erklärte lediglich, dass man auf Basis des sogenannten "französischen Modells" verhandle. Dieses von der Großbank BNP Paribas ersonnene Konzept sieht vor, dass Banken, Versicherungen und Investmentfonds einen Teil ihrer griechischen Anleihe-Investments verlängern - nämlich jene Titel, die bis zum Ende des neuen Hilfsprogramms im Jahr 2014 auslaufen.

Konkret sollen die Finanzhäuser Griechenland 70 Prozent des zurückerhaltenen Geldes wieder zur Verfügung stellen. Dabei investieren sie allerdings nur 50 Prozent erneut in Staatsanleihen, die zunächst mit 5,5 Prozent verzinst werden. Dieser Satz steigt jedoch auf bis zu acht Prozent, wenn die griechische Wirtschaft wieder in Fahrt kommt. Damit würde die Athener Staatskasse künftig fast doppelt so hoch belastet wie derzeit, da das Land auf die bis 2014 auslaufenden Anleihen im Schnitt nur 4,3 Prozent Zinsen zahlt.

Hinzu kommt: Die übrigen 20 Prozent, die die Banken bereitstellen, dürfen die Griechen nicht etwa zur Deckung ihrer Ausgaben verwenden, sondern müssen dafür selbst Anleihen mit der höchsten Bonitätsnote AAA kaufen - etwa deutsche Schuldverschreibungen oder solche des EU-Rettungsfonds' EFSF.

Diese Anleihen würden bis zu 30 Jahre lang in einer sogenannten Zweckgesellschaft geparkt und den Banken überschrieben, sollte sich Griechenland eines Tages doch noch für zahlungsunfähig erklären. Statt griechische Ramschpapiere erhielten die Institute dann sichere Titel.

Vertreter der Finanzbranche räumten unter der Hand ein, dass der Beitrag der Banken zum Griechenland-Paket wohl sehr dürftig ausfallen werde. "Das französische Modell ist sehr kompliziert, aber das ist vielleicht durchaus Absicht: Keiner soll es richtig verstehen", hieß es in Bankenkreisen. Das mache es leichter, den Parlamenten den Beschluss zu "verkaufen".

Ähnlich äußerte sich Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck. "Es ist eher ein Placebo als eine ernsthafte Belastung für die Finanzbranche", sagt er. Schließlich solle das Modell den Banken einen ökonomischen Anreiz zu bieten, ihre Anleihen freiwillig zu tauschen. "Da dürften die Banken nichts verlieren", erklärte Becker.

Zuschuss fürs Nasswerden

mehr...