Gebühren Banken verabschieden sich vom Gratis-Konto

Schluss mit gratis: Viele Banken führen wieder Gebühren ein.

Rückzug vom Nulltarif: Immer mehr Geldinstitute schaffen still und heimlich Gratis-Konten ab. Sie suchen im Dauerzinstief nach neuen Einnahmequellen. Online-Institute starten eine Großoffensive, um verärgerte Kunden abzufischen. Zum Teil mit frechen Methoden.

Von Berrit Gräber

90 Cent für die Bareinzahlung am Automaten, neun Cent pro Online-Überweisung, 5,99 Euro für die Kontoführung: Immer mehr Geldinstitute verabschieden sich still und heimlich von Gratis-Konten. Etwa 17 Jahre nach Einführung des ersten kostenfreien Kontos durch die BfG-Bank liegt der Rückzug vom Nulltarif klar im Trend, wie eine Untersuchung der Frankfurter Unternehmensberatung Investors Marketing ergab. Dies sei vor allem dem Dauerzinstief geschuldet, sagt ihr Vorstand Oliver Mihm.

Geldinstitute suchen nun verstärkt nach anderen Einnahmequellen. Reine Online-Banken haben bereits eine Großoffensive gestartet, um verärgerte Verbraucher abzufischen. Sie zahlen bis zu 50 Euro Prämie und mehr für jeden Neukunden und bieten nach wie vor Girokonten mit wenig bis null Kosten.

Dass die Tage des Gratis-Girokontos allmählich gezählt sind, bekamen schon vor Monaten unzählige Privatkunden zu spüren, speziell bei Filialbanken. "Den Anfang machte vor etwa einem Jahr die Santander Bank, die Hypo-Vereinsbank zog nach sowie diverse kleinere Sparkassen", wie Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beobachtet hat. Mal wurde das kostenfreie Modell abgeschafft und auf kostenpflichtige Alternativen verwiesen.

Mal war die Kostenfreiheit an neue Guthabengrenzen, Mindesteingänge oder -umsätze gekoppelt. Die spanische Santander, die 2012 als eine der ersten an der Gebührenschraube drehte, verpackte Veränderungen als Marketingaktion: "Glückwunsch. Ab sofort nutzen Sie GiroStar 1 Jahr kostenfrei!" Die Angeschriebenen brauchten "nichts weiter zu unternehmen", außer nach einem Jahr für den Wechsel von "free" zu "Star" monatlich 5,99 Euro zu zahlen.

Dass sich die Banken wieder neue Gebühren einfallen lassen, habe viele Verbraucher auf die Palme gebracht, berichtet Oelmann. Zugleich ist sie überzeugt: Ein Großteil hat noch gar nicht mitgekriegt, dass sie fürs Konto bald wieder zahlen sollen. Ausführliche Schreiben von der Bank würden gern beiseitegelegt. Zum Jahreswechsel werden jetzt auch verstärkt Geschäftskunden zur Kasse gebeten. Die Hypo-Vereinsbank kündigte den Inhabern des Modells HVB Konto4Business Klassik zum Beispiel an, ab 1. Januar 90 Cent für die Bareinzahlung in Rechnung zu stellen, neun Cent pro Online-Lastschrift, einmalig 39 Euro für die Online-Finanz-Software - alles Leistungen, die bisher kostenfrei waren.

"Die Kunden werden sich sukzessive daran gewöhnen müssen, dass sie in Zukunft mehr zahlen", ist Bankenberater Mihm überzeugt. Bei einigen Kontenmodellen legten die Geldinstitute definitiv drauf. "Früher haben die Banken mal viel Geld verdient mit Girokontenguthaben. Die Zeiten sind vorbei", betont auch Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH. "Kleinvieh macht auch Mist", sagt Oelmann.

Wer von seiner Bank neue Gebühren vor die Nase gesetzt bekommt, kann sich kaum dagegen wehren. Die einseitigen Vertragsänderungen müssen spätestens zwei Monate, bevor sie wirksam werden sollen, mitgeteilt werden und treten dann in Kraft - ob der Kunde widerspricht oder nicht. Das Geldhaus muss die Umstellung nur korrekt in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Girovertrag aufgenommen haben.

"Nicht ärgern, sondern wechseln", ermuntert Verbraucherschützerin Oelmann zum Handeln. Ein Bankkunde könne jederzeit kündigen, betont auch Herbst. Beim Wechsel von der klassischen Filialbank zur Direktbank können bis zu 200 Euro Ersparnis pro Jahr drin sein, plus Geldgeschenk und Boni für den Neukunden.

Aber Vorsicht: Nicht alle Online-Angebote sind automatisch günstig oder umsonst. Vor allem die Offerten regionaler Filialbanken können gespickt sein mit verdeckten Kosten, wie eine FMH-Studie ergab. Für Online-Banken sind neue Giro-Kunden sehr wichtig, sagt Mihm: "Das weitgehend kostenlose Girokonto funktioniert nur mit ausreichend Neukunden." Filialbanken müssten generell anders kalkulieren, gibt Oelmann zu bedenken. "Wir gehen davon aus, dass viele sich aus Kostengründen definitiv vom Gratis-Konto verabschieden und auf die Bequemlichkeit ihrer Kunden setzen, doch nicht zu wechseln." Nach dem Motto: Die werden schon zahlen.

Einen Überblick, was Banken in Sachen Girokonto zu bieten haben, was sie dafür verlangen und wer derzeit die höchsten Guthabenzinsen zahlt, gibt es unter www.fmh.de/zinsen-vergleiche/girokonto-dispozinsen. Die Verbraucherschützer halten unter www.vz-nrw.de/girokonto kostenfreie Musterbriefe und Checklisten parat, damit der Wechsel gut klappt.