Der Euro-Rettungsschirm fällt deutlich kleiner aus als zunächst gedacht. Doch eine katastrophale Entwicklung bleibt: Die Ratingagenturen schreiben die Konditionen der Euro-Rettung vor.
Was ergibt sich, wenn man von einer unvorstellbar hohen Summe einen zwar kleineren, aber immer noch unvorstellbaren Betrag abzieht? Rein mathematisch betrachtet ist eine solche Aufgabe leicht lösbar, erfassen aber wird man das Ergebnis nicht, denn die Differenz der beiden Zahlen wird ebenso jenseits aller Vorstellungskraft liegen wie die Ursprungswerte. Insofern könnte es den Abgeordneten des Bundestags schlicht wurscht sein, ob das Kreditprogramm der Euro-Staaten zur Verteidigung der gemeinsamen Währung nun 440 Milliarden Euro umfasst oder 366 Milliarden.
Bild vergrößern
Der Rettungsschirm fällt kleiner aus als gedacht. Aber: Bei den Beratungen über den Euro-Rettungsschirm ging es ohnehin vor allem darum, die Finanzmärkte mit einer möglichst monströsen Zahl zu beeindrucken. (© dpa)
Anzeige
Das gilt umso mehr, als beide Beträge keinerlei ökonomische Fundierung haben. Bei den Beratungen über den Euro-Rettungsschirm ging es seinerzeit vielmehr allein darum, die Finanzmärkte mit einer möglichst monströsen Zahl zu beeindrucken. Sie hätte am Ende genauso gut 100 Milliarden Euro höher oder niedriger liegen können.
Und doch ist es von Bedeutung, wenn jetzt bekannt wird, dass statt 440 Milliarden nur 366 Milliarden Euro bereit stehen. Zum einen zeigt sich, was passiert, wenn die Regierung Gesetze im Eiltempo durch das Parlament peitscht: Die Abgeordneten müssen über Dinge entscheiden, die sie nicht verstehen, die aber die Steuerzahler teuer zu stehen kommen könnten.
Zum zweiten wird deutlich, wie sehr selbst reiche Länder von der Gnade der großen Ratingagenturen abhängig sind. Die Bonitätsprüfer fordern von den Staaten eine "Übersicherung" der Darlehen, weshalb am Ende weniger Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung steht als gedacht.
Man hat den Eindruck, dass die Ratingagenturen die Regierungen regulieren. Eigentlich hatte es nach den Erfahrungen der globalen Finanzkrise umgekehrt kommen sollen.
- Thema
- Rettungsschirm RSS
- Euro-Rettungsschirm Ein hässliches Missverständnis 14.07.2010
- Griechenland Zuckerbrot und Spardose 13.07.2010
- Missbrauch von EU-Hilfen Griechische Bank unterschlägt 700 Millionen Euro 17.11.2011
- Investitionen in EFSF-Rettungsschirm Euro-Länder erbetteln frisches Kapital 31.10.2011
- Bundesverfassungsgericht zu Euro-Rettungsschirm Neun Hansel sind nicht das Parlament 28.10.2011
- Euro-Rettungsschirm Merkel wirbt um Parlamentsmehrheit 26.10.2011
- Erweiterung des Euro-Rettungsschirms Ein Hebel, viele Fragen 26.10.2011
(SZ vom 14.07.2010/mel)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Die Schulden der Bürger und hier der EU-Staaten - sind die Gewinne der Finanzwirtschaft ...
Das "EU-Rettungspaket" sichert also allein die Zinszahlungen an die Finanzwirtschaft und rettet der Finanzwirtschaft die Zinsgewinne ...
Dem "EU-Rettungspaket" geschuldet, geht Griechenland erst in drei Jahren in Konkurs und die Finanzwirtschaft kassiert bis dahin garantierte Zinszahlungen ...
Im Volksmund nennt man so etwas "Konkursverschleppung" ...
Dass die Anteilseigner und Betreiber der Ratingagenturen namhafte Spekulanten und Akteure aus der Finanzwirtschaft sind, kann überall nachgelesen werden ...
decken auf, was doch unter der Decke bleiben soll.
Schulden, Schulden, Schulden!
Das ist nicht nur ein gefühlter Eindruck - das ist schlicht die traurige Realität ...
Die Ratingagenturen sind Instrumente und Werkzeuge der Finanzwirtschaft, nachdem die privatwirtschaftlichen und börsennotierten Ratingagenturen mehrheitlich im Besitz namhafter Spekulanten und Akteure aus der Finanzwirtschaft sind ...
Die Finanzwirtschaft kontrolliert, reguliert und steuert - auch über Ratingagenturen - die Regierungen ...
"Brave New World (Order)" ...