Berlin Ab ins Museum

Blick ins Gaslaternen-Freilichtmuseum im Berliner Tiergarten.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Die Bundeshauptstadt ersetzt Gaslaternen durch LED-Leuchten. Das hilft dem Klima, meint die Senatsverwaltung. Auch die Polizei findet die Umstellung gut.

Von Dirk Engelhardt

Berlin mag geschichtsträchtig sein, für historische Straßenbeleuchtung hat die Hauptstadt aber wenig übrig. Dabei sind die alten Berliner Gaslaternen ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern könnte. "Aktuell gibt es noch 31 300 Gaslaternen, übrigens mehr als die Hälfte aller weltweit noch funktionierenden Gaslaternen", sagt Bertold Kujath vom Verein zur Förderung des Kulturgutes Berliner Gas-Straßenbeleuchtung. In Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt ist es seinem Verein vor zwei Jahren gelungen, 3300 Gaslaternen unter Denkmalschutz zu stellen. Der World Monuments Fund (WMF) in New York hat das Gaslicht und die Gasleuchten Berlins auf seine Watch List gesetzt. Damit soll von Untergang oder Vernichtung bedrohtes kulturelles Welterbe in das öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Die Gasleuchten sind übrigens der einzige Punkt der Liste, der aus Deutschland stammt.

Kujath hat außerdem ein Gutachten eines britischen Welterbe-Experten in der Schublade, wonach die Gesamtheit der Berliner Gas-Straßenbeleuchtung ein hohes Potenzial hat, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Doch das rührt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wenig: "Alle Gasleuchten außer denen, die unter Denkmalschutz stehen, werden durch LED-Leuchten ersetzt. Dabei werden die kompletten Gasleuchten demontiert und elektrische Leuchten errichtet", teilt Dorothee Winden von der Senatsverwaltung mit. Und betont, dass die LED eine dem Gaslicht nahezu identische Lichtfarbe habe. Die Umbaukosten betragen zwischen 4400 und 5250 Euro pro Gasleuchte. Laut Senatsverwaltung haben sich diese Kosten durch die niedrigeren Betriebskosten innerhalb von neun Jahren amortisiert. Außerdem seien LED-Lichter besser fürs Klima: Durch die Umrüstung werde Berlin 24 600 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Auch für die Polizei haben die neuen elektrischen Leuchten Vorteile: Ihr Licht sei heller und könne in Problemkiezen helfen, die Kriminalität zu bekämpfen.

Wer sich übrigens wundert, warum viele alte Gasleuchten in Berlin nicht nur nachts, sondern auch tagsüber brennen: Bei denen sind die sogenannten Dämmerungsschalter kaputt, die die Leuchten abends einschalten.