Bargeld Was uns ohne Bargeld fehlen würde

Scheine und Münzen erzählen vom politischen und kulturellen Selbstverständnis einer Gesellschaft. Für die Menschen sind sie noch mehr: treue Begleiter.

Die höchsten Gebäude des Landes dürfen nicht fehlen, aber sie stehen eher im Hintergrund. Auf der neuen 50-Dollar-Banknote des Inselstaats Trinidad und Tobago, der Banknote des Jahres 2014, strahlen die Zwillingstürme des Finanzministeriums und der Notenbank Stabilität aus, sie signalisieren Vertrauen: Hinter diesem Geld stehen eine funktionierende Zentralbank und Finanzverwaltung. Dazu, fein gezeichnet, das Landeswappen, eine Frau im prachtvollen Karnevalskostüm, ein roter Hibiskus und ein Rotkardinal, der Nationalvogel - Symbole der kulturellen Identität.

Banknoten waren immer schon Kunstwerke. Anders als Münzen bieten sie Raum für Kupferstiche, kunstvolle Schriftzüge und heute etwa für moderne Designsprache. In ihnen spiegelt sich gleichwohl der politische Geist einer Epoche, das kulturelle Selbstverständnis von Nationen und der Machtanspruch der Herrschenden. Der US-Dollar sieht schon lange gleich aus, er ist eine Konstante im Wandel der Geschichte des modernen Geldsystems. Im Slang heißen Geldscheine in den USA "dead presidents", tote Präsidenten.

Die Deutschen zeigten nach der Währungsreform 1948 ihre Dichter und Denker, denn mit ihnen wollten sie sich sehen und gesehen werden. Heute erinnert die Gestaltung der Euro-Noten wiederum an das gemeinsame kulturelle Erbe der Europäer, die Brücken auf der Rückseite symbolisieren die europäische Einigung. Das mag alles auch oft ein wenig pathetisch sein. Aber die Menschen, die diese Scheine und Münzen täglich in die Hände nehmen, haben sich mit den Motiven und ihrer Bedeutung angefreundet, ja sie vielleicht sogar lieb gewonnen.

Mehr Freiheit für die Bürger - was für Bargeld spricht

Wer Münzen und Scheine abschaffen möchte, muss sich im Klaren sein: Er ermöglicht damit die totale Kontrolle durch Firmen und den Staat. Von Nora Kolhoff und Aloysius Widmann mehr ...

Zugesteckt

Kinder kennen das: Sie bekommen von ihren Großeltern Geld zu Weihnachten, zum Geburtstag oder einfach so. Keine großen Beträge, vielleicht fünfzig Euro. Aber für die Beschenkten ist es etwas Besonderes, so große Scheine gibt's selten. Stolz präsentiert man als Kind den neuen Reichtum Eltern und Geschwistern, ehe man ihn sorgsam in einer Spardose verstaut - und monatelang nicht anrührt. Er wird gehütet, anders als die Fünfer und Zehner, die für Kleinigkeiten ausgegeben werden. Oma hat ihn in einem Buch versteckt, in eine Weihnachtskarte eingelegt oder zusammengerollt an den Christbaum gehängt. Sicher, sie hätte auch überweisen können, auf der Bank oder mit dem Smartphone. Vielleicht hinge dann eine Überweisungsbestätigung am Baum, mit einer netten Betreffzeile. Aber wo sind dann genau diese 50 Euro, die ja eigentlich genauso aussehen wie alle anderen 50 Euro, aber doch ganz anders, ganz besonders sind?

Eingeweckt

Schnellkochtöpfe waren besonders beliebt, weil sie sich besser eignen als beispielsweise Blumenkästen, um Geldscheine sicher aufzubewahren, wobei man den Topf freilich am besten noch im Garten vergräbt. Um 1,5 Milliarden Euro in Scheinen erleichterten die Griechen an einem einzigen Freitag im Juni 2015 ihre Bankkonten - aus Angst vor Kapitalkontrollen - die dann auch kamen. Nach dem Motto: Was ich in der Hand habe, kann mir keiner nehmen, und wenn Griechenland aus der Euro-Zone fällt, dann reicht mein Vorrat in Kopfkissen und Einweckgläsern zumindest noch für eine Weile. Selbst Bankangestellte glaubten nicht mehr an das virtuelle Vermögen, das sie hüten sollen: Sie empfahlen, Geld von den Konten zu nehmen und es in physisch-realer Form in einen Banksafe zu legen. Bis die Zeiten besser werden.