Wenn die Finanzkrise nicht anständig bewältigt wird, waren die gewaltigen staatlichen Rettungsmaßnahmen vermutlich vergebens. Missmanagement gehört bestraft - notfalls durch öffentliche Ächtung.
Im Kino läuft "Wall Street II". In der Realität ermitteln Staatsanwälte bundesweit gegen Bankmanager und andere Wirtschaftsführer wegen fragwürdiger Geschäfte. HSH Nordbank, Hypo Real Estate, Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), BayernLB, WestLB sind die bekanntesten Fälle. Die neueste Nachricht lautet, dass die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen den früheren BayernLB-Vorstandschef Werner Schmidt und weitere ehemalige Manager der Landesbank erheben will wegen des Milliarden-Desasters beim Kauf der österreichischen Hypo Alpe Adria. Das Verfahren wird für die Staatsanwälte kein Spaziergang werden.
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Etliche Banken haben derzeit juristischen Ärger. (© dpa)
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Ähnlich liegt es bei anderen Landesbankenverfahren. Hochriskante und für Institute mit öffentlichem Auftrag atypische Geschäfte haben die Steuerzahler viele Milliarden Euro gekostet. Aber wird man das wirklich bestrafen können? Auf den ersten Blick stehen die Chancen schlecht. Das aber wäre verhängnisvoll. Wenn die Finanzkrise nicht anständig bewältigt wird, waren die gewaltigen staatlichen Rettungsmaßnahmen vermutlich vergebens.
Viele Banker sind ziemlich unverfroren schon wieder zur Tagesordnung übergegangen, als wäre nichts gewesen. Das ist umso gefährlicher, als die juristische Aufarbeitung noch unfertig ist. Dafür hat die Öffentlichkeit ihr Urteil bereits gesprochen. Die Wut über "die Banker" ist groß, und sie trifft alle Finanzmanager - auch jene, die dank Kompetenz und Sicherungssysteme vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind.
Nicht jeder Missgriff ist kriminell, vielleicht nicht einmal kritikwürdig. Fehler kann allenfalls vermeiden, wer kein Risiko eingeht. Ohne Risiko aber kann es keinen Erfolg geben. In der Marktwirtschaft ist der Erfolg einer Handlung nicht sicher vorauszusehen, die Konkurrenz mag besser sein, der Markt sich drehen. Gewissheit gibt es nur auf dem Papier, und hinterher. Anders als früher können sich Fehler heute im ganzen System auswirken. Wer das noch nicht wusste, hat es im Zuge der Finanzkrise erfahren, die zum Weltflächenbrand wurde. Es geht also darum, gutes und schlechtes Risikoverhalten auseinanderzuhalten.
Angst und bange
Vergleichsweise einfach sind noch die Fälle, in denen es um kriminelles Handeln geht. Der frühere Chef der Industriebank IKB in Düsseldorf, die als erstes deutsches Institut in Schieflage geriet, Stefan Ortsiefen, wurde (noch nicht rechtskräftig) zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, vor allem weil er in einer Presseerklärung die Lage seiner Bank "geschönt" hatte; das war ein Gesetzesverstoß. Nicht von ungefähr aber sind weder Ortsiefen noch seine Vorstandskollegen oder die Aufsichtsräte dafür bestraft worden, überhaupt so riskant und verantwortungslos spekuliert zu haben.
Der am ehesten einschlägige Untreue-Paragraph 266 des Strafgesetzbuchs greift häufig nicht, weil ein schuldhaftes Fehlverhalten nicht nachzuweisen ist: Der Bankchef hat meist nicht bewusst und gegen allen Rat das Falsche getan. Schlimmer, aber entlastend: Er wusste womöglich gar nicht, was er tat. Er habe, bekannte kürzlich ein Spitzenbanker, in seiner Branche in den letzten Jahren so viel Unfähigkeit gesehen, dass ihm angst und bange sei. Diesen Amateuren in Nadelstreifen das Handwerk zu legen ist das aktuell drängende Problem.
Unordnung ist ein Zug der Zeit
Dabei kommt das Strafrecht an seine Grenzen. Namentlich die Strafrechtsprofis, die womöglich auch im Nebenjob in einschlägigen Gerichtsverfahren Verteidiger der Wirtschaftsgrößen sind, warnen heftig. Sie verweisen auf die Unschuldsvermutung und den Grundsatz, dass nur bestraft werden kann, wer eindeutig gegen bestehende Gesetze verstößt. Die an Bedeutung gewinnenden privaten Ermittlungen, wie sie Unternehmen alleine oder in Kooperation mit Staatsanwaltschaften betreiben, sehen sie mit Argwohn. Das Verfahren sei zu ungeordnet, lautete eine Klage. Aber Unordnung ist ein Zug der Zeit, darüber zu lamentieren sinnlos.
Dagegen bemüht sich beispielsweise der Frankfurter Strafrechtsprofessor Klaus Lüderssen um eine Weitung des Rechtsbegriffs. Er sieht eine dezentrale Rechtsordnung wachsen, etwa durch freiwillige Vereinbarungen in der Wirtschaft, die allgemein befolgt werden. Diese Regeln gehen am Staat vorbei, und sie sind dennoch verbindlich. Auf den Bankensektor bezogen, kann man das die Demokratisierung des Finanzsystems nennen. Die Juristen werden nicht umhinkommen, in der Praxis, bei der Strafverfolgung näher an dieses neue Phänomen heranzukommen. Falsche Information ist das eine, falsches Handeln ein anderes. Es wird spannend sein zu sehen, wann Staatsanwaltschaften es wagen, den Kern anzuklagen. Auch das Münchner BayernLB-Verfahren könnte eine Chance sein, hier belastbare Kriterien zu entwickeln.
Solange dies nicht geschehen ist, bleibt als - ebenfalls begrenzt wirksamer - Sanktionsmechanismus das Zivilrecht, wo nicht Vorsatz erforderlich ist, sondern Fahrlässigkeit: Hat der Bankchef sich wirklich umfassend informiert und abgesichert? In letzter Linie sanktioniert die öffentliche Meinung. Angesichts der Größe des Problems völlig zu Recht berichten die Medien ausführlich, personalisieren, prangern Missstände an, die offensichtlich sind, aber eben (noch) nicht ins juristische Regelwerk passen. Manager mögen dies nicht und sprechen mitunter von Spießrutenlauf. Die Marktwirtschaft aber braucht Kontrolle, mindestens durch öffentliche Ächtung.
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(SZ vom 18./1912.2010/mel)
Rekord in Deutschland
Die EZB hatte schon im Jahre 2008 Hunderte von Milliarden Euro an die Banken ausgeliehen, fast zinslos, ohne irgendwelche Sicherheiten, da die Banken außer Klopapier nichts haben, sollten diese Gelder dazu verwendet werden, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen und so einen nachhaltigen Aufschwung einleiten.
Doch die Bankster dachten nicht mal im Traum daran, die Kredite wie vertraglich vereinbart zu verwenden und verzockten die ganzen Milliarden an den Börsen und im Eigenhandel, wie bisher auch schon.
Alles straffrei natürlich!! Da können auch unsere weisungsgebundenen Staatsanwälte nichts machen.
Pirratentussi hatte mal nen vernünftigen Vorschlag: „Es ist wieder an der Zeit, dass die Bürger die Guillotine flott machen“. Sie hat verstanden!!
Sogar die Väter unseres GG haben in weiser Voraussicht im Art.20 Abs.4 dargelegt, was zu tun ist, wenn sich die Rechtssprechung nicht mehr an Recht und Gesetz gebunden fühlt:
Jeder Bürger hat die Pflicht zum Widerstand!!
h.t.t.p://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Geschenke.jpg
Das ist die Realität bei uns in Deutschland!!
Sie überweisen Geld an PayPal, treuhänderisch. Und die Angestellten verfügen über diese Gelder in Baden-Baden, weil sie ja das Geld am nächsten Tag ganz sicher wieder zurückgeben werden. Man könnte den Jungs ja nach den Auslegungen im Artikel nicht mal eine böse Absicht unterstellen und wenn es schief gegangen ist, sie also womöglich gar nicht wussten, was sie taten, nicht mit Vorsatz, sondern nur fahrlässig handelten.
Thema verfehlt, würde ich sagen. Was mit dem Geld gemacht wurde, über das man nicht verfügen durfte, ist doch absolut unerheblich und führt am Thema vorbei. Ob dies strafbar wäre oder nicht, juckt doch überhaupt niemand.
Entscheidend ist doch, dass diese Junkies das Geld der Steuerzahler und Kundengelder sich rechtswidrig aneigneten, um damit Geschäfte zu machen. So wird da ein Schuh daraus. Zumindest theoretisch:
Man blicke zu Ackermann und Konsorten. Ein Heer von Rechtsanwälten, vor denen kein Staatsanwalt sich behaupten kann, belabert die Richter so lange, bis die es selbst glauben und diesen Mafiosos sogar noch Schadensersatz zubilligen, für den Verdienstausfall während der Zeit der Verhandlung.
Und ganz nebenbei ist in den Satzungen einer Landesbank dargelegt, dass die Bänkster mit dem Geld ihrer Kunden wie ein ordentlicher Kaufmann umgehen müssen.
Ein kriminelles Schneeballsystem:
h.t.t.p://www.focus.de/finanzen/news/tid-19161/finanzkrise-ein-kriminelles-schneeballsystem_aid_530768.html
Wie Juristen die Finanzkrise aufarbeiten:
h.t.t.p://www.capital.de/politik/100028777.html
Die kriminelle Energie der herrschenden Kreise - sie ist ungetrübt und unverschämt
h.t.t.p://www.nachdenkseiten.de/?p=4493
Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 genehmigte die Europäische Kommission nach eigenen Angaben Hilfen der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4.589 Milliarden Euro. Das meiste Geld kam aus England.
h.t.t.p://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/EUStaaten-greifen-fuer-krisengeschuettelte-Banken-tief-in-die-Taschen/story/26492176
Kapitulation vor dem Monopoly-Monster
h.t.t.p://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,668324,00.html
Als ich vor ca. 1 Jahr in der SZ behauptete, dass die meisten Banker ohne staatliche Rettungsmaßnahmen schon bankrott wären, wurde ich von Tinus77 mehrmals als Lügner betitelt. Und die Redakteure der SZ stellten sich damals sogar noch hinter ihn und löschten meine Kommentare.
Nicht falsch, was Herr Beise hier schreibt, aber auch nicht originell. Der Umgang der deutschen Regierung mit der Krise in der Eurozone zeigt, neben einem fehlenden Verständnis für makroökonomische Zusammenhänge, politisch vor allem eines: die im Verlauf der Finanzkrise ausgesprochene, aber nie verwirklichte Forderung nach einer stärkeren Regulierung der von Banken, Hedgefonds und anderen Finanzinstituten ausgeübten Spekulation hat sich für die Regierenden erledigt.
“Die Märkte” regieren wieder die Politik. “Die Märkte” müssen wieder “überzeugt”, “beruhigt”, “ihr Vertrauen zurückgewonnen” werden, heißt es allenthalben. Die handfesten Interessen von Finanzinvestoren, Hedgefonds und Banken – verharmlosend “die Märkte” genannt – haben längst wieder die Oberhand über die Politik gewonnen.
Der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater, spricht es aus: “Den Staats-und Regierungschefs geht es trotz Streitereien mit ihren Stabilisierungsbemühungen ja vor allem darum, Vertrauen bei den internationalen Anlegern auf den Finanzmärkten zu schaffen.”
Auch der Journalismus hat die Brille “der Märkte” längst wieder aufgesetzt – wenn er sie denn je wirklich abgesetzt hatte.
Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft
Ach Herr Beise,
öffentliche Ächtung ist doch in den üppigen Boni und Gehältern der Investment- und auch der anderen Spitzenbänker enthalten.
Wie die Römer schon sagten: „Pecunia non olet.“ (Geld stinkt nicht)
Nur wenn wirklich schnell Gefängnis droht, wird sich irgendetwas am „erfolgreichen“ Handeln der Bänker ändern.
Daher werden die gewaltigen staatlichen Rettungsmaßnahmen vermutlich vergebens sein.
Nur einige Investment- und Spitzenbänker werden sich auf Kosten der Allgemeinheit eine goldene Nase verdient haben.
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