Der Landstrich ist im Sommer malerisch, das fürstliche Schloss mit den vielen Fensterläden herausgeputzt. Von den Anhöhen um Castell schweift der Blick teilweise weit ins Maintal. Wein und Wald dominieren das Bild der Region. "Den Casteller Wald könnten wir fast täglich verkaufen", sagt Wolfgang Graf zu Castell. Dabei galt Wald doch jahrzehntelang als out. Eine Liebhaberei, aber nichts für die Renditejagd. "Inzwischen ist Wald als Anlageobjekt wieder gefragt", sagt der Graf. Mehr als Absicherung nach unten, anstatt als lukratives Investment. Ein bis drei Prozent Rendite seien mit Forstgeschäften in Europa drin, in Nordamerika etwas mehr. Im Herbst will die Castell'sche Bank eine spezielle Anlageform mit Wald anbieten.
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Kein Vertrauen mehr in die Finanzwelt: Wer Geld hat, sorgt sich um dessen Absicherung. (© Reuters)
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Auch Jürgen Naß will Wald kaufen. Unlängst hat er ein Seminar besucht. Die wichtigsten Erkenntnisse sind in einem hellblauen Ordner zusammengefasst. Er enthält seriöse Informationen und fundierte Zeitungsartikel, aber auch fragwürdige Papiere. Zu allen schwierigen Zeiten zogen zweifelhafte Anlageberater durch die Lande und nutzten Krisen und Ängste wohlhabender Menschen gewinnbringend. Es scheint, als hätten sie seit dem Crash im September 2008 wieder Hochkonjunktur.
Nicht nur viel bedrucktes Papier kursiert, sondern auch das Internet ist voll mit obskuren Botschaften zur Sache. Ein trübes Gebräu aus apokalyptisch getränktem Angstvokabular und nicht selten esoterischen Prophezeiungen des kommenden Weltenendes. In einem der Manuskripte des Seminars, das Jürgen Naß in seinem blauen Ordner aufbewahrt, wird der Untergang des Finanzsystems in inflationär häufigen Endzeitwarnungen vorhergesagt.
Es ist mit solchen Texten wie mit der kruden Weltsicht politischer Extremisten: Korrekte Informationen werden vermischt mit aus den Zusammenhang gerissenen Zitaten prominenter Zeitgenossen. Man hantiert mit tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, mischt sie mit Halbwahrheiten, philosophischen Ergüssen, Lügen und, vor allem, Verschwörungstheorien. Alles zusammen wird verkauft als die eigentliche Wahrheit, die unerwünscht ist, weshalb dunkle Mächte dafür sorgen, dass niemand sie erfährt. So lässt sich gut Geld verdienen. Zwielichtige Berater machen mit der Angst inzwischen ein großes Geschäft, denn am Ende sind es natürlich nur ihre Anlagen, die Vermögen retten.
Über zehn Jahre zahlten Jürgen und Cordula Naß in Lebensversicherungen als Altersvorsorge ein. Gut eine halbe Million Euro. Jürgen Naß hat nicht mehr geglaubt, dass er sein Geld jemals bekommen wird, nach allem, was er gehört und gelesen hatte, wie und wo Versicherungen das Geld ihrer Kunden anlegen. 20 Prozent Verlust hat Naß gemacht, indem er seinen Versicherungsvertreter anrief und alle Verträge kündigte. "Lieber so als am Ende gar nichts", sagt seine Frau.
Naß hob seine Spareinlagen ab und zog Geld aus Fonds zurück. "Wenn auf dem Girokonto am Monatsende etwas übrig bleibt, heben wir es ab", sagt der Unternehmer. Das ganze Geld hat er bar mit nach Hause genommen. Er hat damit private Schulden getilgt, Reparaturen an seinem Haus gezahlt und von dem, was übrig ist, will er sich Wald kaufen, vielleicht noch das ein oder andere Grundstück, Gold oder Platin.
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(SZ vom 04./05.09.2010/holz)
Debatte über Urheberrecht
Unterm Strich wird Jürgen Nass trotz der Panik sogar ein sattes Plus gemacht haben.
Der Goldpreis ist seit der Lehmann Pleite um den Faktor 1,6 gestiegen. Die 20% Verlust bei den Lebensversicherungen hätte er damit locker ausgeglichen.
Fazit: Die Lebensversicherung ist von der Anlageklasse wie Bargeld. Die Renditen sind von den Rentenpapieren abhängig und laufen parallel zu den Zinsen für Tagesgeld. Rechnet man die offizielle M3 Geldmengenangabe der EZB, so hat sich die Geldmenge von 2000 bis 2005 jährlich um 6% erhöht und ab 2006 um 7%. Dies spiegelt auch die gefühlte Inflation bei Nahrungsmitteln und Energie wieder.
Bei der klassischen Inflation trifft ein Geldüberangebot auf knappe Ware. Das ist, zumindest für unseren Warenkorb, schwer vorstellbar. Solange die Wirtschaft jederzeit ihr Angebot einer gestiegenen Nachfrage anpassen kann, wird kein Druck auf die Verkaufspreise der meisten Güter ausgeübt.
Die 100 Billionen Geldvermögen, die stündlich um den Erdball kreisen werden eben nicht in Immobilien oder Nobelkarossen umgesetzt und treiben die Preise hoch, sondern werden verzweifelt nach Rendite über 4% suchend im internationalen Spielcasino eingesetzt.
Und alle paar Jahre platzt eine Blase und 10 oder 20 Billionen verschwinden im Nirvana. Außer den Betreibern des Casinos, die haben ihr Schäfchen bereits im Trocknen.
Das Absurde an der Sache: Jahrzehntelang wehren sich die Erwerber von großen Vermögen vehement dagegen, einen sozial angemessenen Teil ihres Profites dem Staat, also der Gemeinschaft zurückzugeben. Dagegen müssen sie hilflos zusehen, wie Teile ihres Vermögens regelmäßig im Schlund der Finanzmafia verschwinden.
wer kurz drüber nachdenkt, kommt zu dem schluss, das gold keine gute anlage ist. schließlich liegt der größte anteil an gold wo? ach ja, bei den banken :-)
Wer an Inflation glaubt, der wird sich dadurch nicht von seinem Glauben abbringen lassen. Im Gegenteil, solche inhaltsfreien "Beruhigungspillen" werden die eher im Glauben bestärken. Wer nicht an massive Inflation glaubt, für den ist dieser Artikel auch sinnlos.