Reich an Geld, aber auch reich an Sorgen: Jürgen Naß hat seine Konten leergeräumt, sämtliche Fonds verkauft, jedwede Lebensversicherung gekündigt. Er fürchtet die Inflation - wie so viele Reiche.
Sein Anlageberater hielt alles zunächst für einen Witz und seinen Versicherungsvertreter musste er fünfmal anrufen, ehe der endlich tat, was Jürgen Naß von ihm verlangte. Dabei ist der 43-Jährige eigentlich einer jener Typen, denen man von Haus aus zugesteht, dass sie wissen, was sie tun. Vor allem, wenn es um Geld geht. Jürgen Naß ist ein stattliches Mannsbild, Familienvater, erfolgreicher Unternehmer, Vielarbeiter, ein zupackender Typ.
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Die sicherste Geldanlage? Wer die Inflation fürchtet, legt sich Gold zu. (© ddp)
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Als gäbe es keine latente Baukrise in diesem Land, hat er seine vor Jahren vom Vater übernommene Baufirma zur mit Abstand größten weit und breit gemacht. Die Konkurrenten gingen reihenweise pleite, der Familienbetrieb Naß wuchs. Eine Erfolgsgeschichte aus der fränkischen Provinz. Die Firma zählt mehrere Dutzend Beschäftigte und der Familie Naß geht es gut. Ihr gehören mehrere Häuser, Grundstücke, Wald und in der Garage stehen ein stattliches Motorrad und ein schmucker Oldtimer neben anderen Autos.
Vor ein paar Monaten aber hat Jürgen Naß seine Konten abgeräumt, alle Fondsanteile verkauft und sämtliche Lebensversicherungen gekündigt, die er zur Altersvorsorge abgeschlossen hatte. Er ließ sich alles bar auszahlen und trug das Geld nach Hause. "Man muss doch nur normal denken", sagt Naß, der sich ausbedungen hat, nur dann von alledem offen zu erzählen, wenn weder sein richtiger Name in der Zeitung steht, noch sein Wohnort. "Wer also normal denkt," sagt Naß, "der weiß, dass das alles nicht mehr lange gut gehen wird."
Ihn plagt, was der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser einmal als "die archaische Angst vor der Inflation" diagnostiziert hat. Sie wurde in den vergangenen zwei Jahren gewaltig angestachelt. Das begann mit dem rasanten Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, in deren Sog weltweit große und renommierte Banken bedrohlich zu wackeln begannen. Die Weltwirtschaft geriet ins Taumeln, der Euro in die Krise, Staaten wie Irland und Griechenland trudelten an den Rand der Pleite.
Vieles von alldem konnte durch die Politik nur mühsam verhindert oder abgefedert werden. Mit immer dickeren, auf Pump finanzierten Milliardenpaketen, welche die Staatsschulden in kaum vorstellbare Sphären treiben. Jürgen Naß sagt, all dies habe ihm "viele schlaflose Nächte bereitet". Eine diffuse Gefühlslage aus Zukunftsangst, Verbitterung und Vertrauensverlust ergriff ihn. Schließlich hat viel zu verlieren, wer viel hat.
Wobei Reichtum naturgemäß eine Definitionssache ist. Vor allem aber ist es eine Frage der eigenen Perspektive. Wenn Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz durch den Untergang des Arcandor-Konzerns Milliarden verliert und ihr nur noch ein paar Dutzend Millionen Euro übrig bleiben, ist das für sie schlimm; für Otto Normalverdiener hingegen ein Luxusproblem. Ökonomen und wirtschaftliche Organisationen tun sich schwer mit allgemeingültigen Abgrenzungen; die Grenzen zwischen gut situiert, wohlhabend, vermögend, reich und superreich sind verwaschen.
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Schuldenkrise in Griechenland
Unterm Strich wird Jürgen Nass trotz der Panik sogar ein sattes Plus gemacht haben.
Der Goldpreis ist seit der Lehmann Pleite um den Faktor 1,6 gestiegen. Die 20% Verlust bei den Lebensversicherungen hätte er damit locker ausgeglichen.
Fazit: Die Lebensversicherung ist von der Anlageklasse wie Bargeld. Die Renditen sind von den Rentenpapieren abhängig und laufen parallel zu den Zinsen für Tagesgeld. Rechnet man die offizielle M3 Geldmengenangabe der EZB, so hat sich die Geldmenge von 2000 bis 2005 jährlich um 6% erhöht und ab 2006 um 7%. Dies spiegelt auch die gefühlte Inflation bei Nahrungsmitteln und Energie wieder.
Bei der klassischen Inflation trifft ein Geldüberangebot auf knappe Ware. Das ist, zumindest für unseren Warenkorb, schwer vorstellbar. Solange die Wirtschaft jederzeit ihr Angebot einer gestiegenen Nachfrage anpassen kann, wird kein Druck auf die Verkaufspreise der meisten Güter ausgeübt.
Die 100 Billionen Geldvermögen, die stündlich um den Erdball kreisen werden eben nicht in Immobilien oder Nobelkarossen umgesetzt und treiben die Preise hoch, sondern werden verzweifelt nach Rendite über 4% suchend im internationalen Spielcasino eingesetzt.
Und alle paar Jahre platzt eine Blase und 10 oder 20 Billionen verschwinden im Nirvana. Außer den Betreibern des Casinos, die haben ihr Schäfchen bereits im Trocknen.
Das Absurde an der Sache: Jahrzehntelang wehren sich die Erwerber von großen Vermögen vehement dagegen, einen sozial angemessenen Teil ihres Profites dem Staat, also der Gemeinschaft zurückzugeben. Dagegen müssen sie hilflos zusehen, wie Teile ihres Vermögens regelmäßig im Schlund der Finanzmafia verschwinden.
wer kurz drüber nachdenkt, kommt zu dem schluss, das gold keine gute anlage ist. schließlich liegt der größte anteil an gold wo? ach ja, bei den banken :-)
Wer an Inflation glaubt, der wird sich dadurch nicht von seinem Glauben abbringen lassen. Im Gegenteil, solche inhaltsfreien "Beruhigungspillen" werden die eher im Glauben bestärken. Wer nicht an massive Inflation glaubt, für den ist dieser Artikel auch sinnlos.