Altersvorsorge: Garantiezins Riester-Rente in Gefahr

Wenn der Garantiezins sinken sollte, könnte das teils bizarre Auswirkungen haben: In einigen Fällen dürften Riester-Verträge nicht mehr staatlich gefördert werden.

Von Alina Fichter

Die düstere Nachricht betrifft, statistisch gesehen, jeden Bürger. Der Garantiezins für Lebens- und Rentenversicherungen soll Mitte des Jahres kräftig sinken, so will es die Bundesregierung. Von derzeit 2,25 Prozent möchte Berlin den Zins auf künftig 1,75 Prozent drücken. Hierzulande gibt es mit gut 90 Millionen Verträgen mehr Lebensversicherungen als Einwohner. Die Policen sind das Lieblingsfinanzprodukt der Deutschen. Die Frage ist, wie lange noch, bei diesen Aussichten? "Die bereits jetzt mickrigen Garantien würden bei einer Absenkung des Zinses künftig noch niedriger ausfallen", sagt Thorsten Rudnik, Versicherungsexperte und Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV).

Schlimmstenfalls könnten Verbraucher inflationsbereinigt sogar weniger ausbezahlt bekommen als sie monatlich an Beiträgen in die Lebenspolice einzahlen. Das ist auch deshalb problematisch, weil Lebensversicherungen nicht nur ein wichtiger Baustein für die private, sondern auch für die betriebliche Altersvorsorge und für Pensionskassen sind. Wehren können sich Verbraucher gegen die sinkenden Renditen nicht; denn das Bundesfinanzministerium legt den Garantiezins fest.

Keine staatliche Förderung

Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein hat für die Süddeutsche Zeitung errechnet, was dessen Minderung für einen üblichen Neuvertrag einer 50-jährigen Frau bedeutet, die in 15 Jahren in Rente geht. Bleibt der Mindestzins bei 2,25 Prozent, bekäme sie bei einem monatlichen Beitrag von 100 Euro noch 18.405 Euro garantiert ausbezahlt. Sinkt er auf 1,75 Prozent, wie von der Regierung vorgesehen, erhielte die Frau am Ende ihrer Vertragslaufzeit nur noch 17.658 Euro an garantierten Ablaufleistungen - und damit 342 Euro weniger als sie eingezahlt hat.

Nicht nur, dass sich eine solche Police für Verbraucher nicht lohnt. "Ein Riester-Rente abzuschließen wäre unter diesen Umständen gar nicht mehr möglich", sagt Kleinlein; der erwähnten Kundin bliebe die staatliche Förderung somit verwehrt. Grund dafür ist die gesetzliche Regelung, die vorschreibt, dass der Verbraucher von seiner Versicherung mindestens so viel ausbezahlt bekommen muss, wie er an Beiträgen eingezahlt hat. Besonders ältere Sparer, deren Verträge eine geringere Laufzeit haben, könnten Schwierigkeiten bekommen, Riesterpolicen abzuschließen, weil sie weniger vom Zinseszinseffekt profitieren.

Aber auch junge Sparer bekämen den sinkenden garantierten Mindestzins zu spüren: Eine 30-jährige Frau, die bis zu ihrer Rente im Jahr 2048 einen Beitrag in Höhe von 100 Euro in eine Lebensversicherung einzahlt, bekäme beim aktuellen Garantiezins 58.215 Euro zugesichert, beim gesunkenen nur noch 52.441 Euro - und damit knapp zehn Prozent weniger als bisher, errechnete Mathematiker Kleinlein.