Zugang per E-Mail-Konto Hacker will Bitcoin-Gründer enttarnt haben

Ein Mythos, zu kaufen für 25 Bitcoin: Ein Hacker will den E-Mail-Account des unbekannten Bitcoin-Erfinders übernommen haben. Nur: Dessen Enttarnung ist schon einmal schiefgegangen.

  • Eine unbekannte Person behauptet, den E-Mail-Account des bisher unbekannten Bitcoin-Erfinders gehackt zu haben.
  • Der Hacker behauptet, Informationen zu haben, mit denen er den Erfinder enttarnen könne.
  • Statement von GMX: "Wir prüfen derzeit, ob eine missbräuchliche Nutzung des Postfachs stattgefunden hat".

E-Mail des angeblichen Bitcoin-Erfinders Nakamoto gehackt

Viel weiß man nicht über den Erfinder von Bitcoin. Genau genommen weiß man nicht einmal, ob hinter der Digitalwährung eine Person steckt oder eine ganze Gruppe. Doch eine der zentralen Informationen, die man hatte, steht in dem Hauptdokument, in dem geschrieben steht, wie Bitcoins funktionieren: die E-Mail-Adresse des möglichen Ur-Programmierers. Sie lautet satoshin@gmx.com (das N steht angeblich für Nakamoto) - und wurde nun anscheinend gehackt. Nicht nur die Anhänger der Währung, die sie für die künftige Alternative zu traditionellen Geldsystemen halten, interessieren sich dafür, wer der mysteriöse Gründer ist - und ob Satoshi Nakamoto überhaupt sein echter Name ist.

Der Hacker nennt sich dem Wired-Magazin zufolge "Jeffrey". Er will keine Angaben dazu machen, wie er sich Zugang zu dem E-Mail-Konto verschafft hat. Er sagt aber, dass Nakamoto beim Eröffnen seines Hauptkontos seinen echten Namen angegeben und dann mehrere Unterkonten eröffnet habe, die ebenfalls mit diesem Namen in Verbindung stehen.

Bitcoins sollen eine Alternative zur regulären Währung darstellen. Sie werden in komplexen Rechenverfahren "geschürft", sollen ohne dazugehöriges Bankensystem inklusive Notenbanken funktionieren, als dezentrale Währung. Ihre Zahl ist von vornherein künstlich auf 21 Millionen begrenzt. Gegner halten Bitcoin für wenig mehr als ein riskantes Spekulationsobjekt.

"Jeffrey" bietet Daten von Nakamoto zum Verkauf an

Der E-Mail-Account wurde nach Angaben von Jeffrey noch bis ins Jahr 2011 genutzt. Es sei möglich, mit diesen Informationen herauszufinden, wer hinter dem Namen Satoshi Nakamoto steckte. Jeffrey will dieses Wissen nun zu Geld machen: Sollte er eine Zahlung von insgesamt 25 Bitcoin erhalten, werde er die Informationen veröffentlichen. Wie genau das passieren wird, hat er nicht gesagt. 25 Bitcoin entsprechen zum aktuellen Kurs knapp 12 000 US-Dollar.

In der Zwischenzeit aktivierte Jeffrey ein altes Nutzerkonto von Satoshi Nakamoto. Auf der Seite P2P-Foundation, dort wurde Bitcoin 2009 vorgestellt, steht nun ein neuer Forumsbeitrag, dieses Mal geschrieben von Jeffrey. Er wendet sich an Nakamoto und schreibt, dass Informationen über ihn im Darknet verkauft werden, einem Teil des Internets, der nicht zum World Wide Web gehört: "Lieber Satoshi. Du hast Tor (ein Browser mit dem man anonym surfen kann, Anm. d. Red.) nicht richtig eingestellt und so deine IP-Adresse verraten, als du deinen E-Mail-Account gecheckt hast, irgendwann im Jahr 2010." Der Autor dankt Nakamoto über den gehackten Account für die Erfindung von Bitcoin und schließt mit einer Warnung: "Du solltest den Ort, an dem du bist, schnellstmöglich verlassen, bevor diese Personen dir Schaden zufügen können." Ob die Informationen stimmen, ist unklar. Beweise dafür habe er nicht geliefert, schreibt Wired.

Rätselraten um Nakamoto gehört zur Bitcoin-Legende

Das Konto, von dem diese neue Nachricht geschrieben wurde, gilt als das des Erfinders. Zuletzt wurde von ihm aus ins Netz gepostet, nachdem in einem Artikel des amerikanischen Newsweek-Magazins behauptet wurde, eine Reporterin habe den Erfinder enttarnt (mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier ...).

Der Artikel wurde intensiv diskutiert - wie viele der Informationen, die über die Gründung von Bitcoin im Umlauf sind. Aber es gab ein Problem: In der Story wurde behauptet, Dorian Nakamoto solle das Gesicht hinter Bitcoin sein. Dieser Nakamoto - der eben nicht Satoshi heißt - lebt in den USA und verfügt tatsächlich über immenses technisches Wissen. Aber er stritt die Geschichte ab. Er sei nicht der Erfinder von Bitcoin. Kurz darauf erschien auch ein Dementi über den Account des vermeintlich echten Erfinders Satoshi Nakamoto: "Ich bin nicht Dorian Nakamoto." Vielleicht bringt der Hack - und die Zahlung von 25 Bitcoin - jetzt die Wahrheit ans Licht.

GMX prüft das Postfach

Auf Anfrage von Süddeutsche.de teilte ein Pressesprecher von GMX mit, dass ein Hack in die internen Systeme von GMX definitiv ausgeschlossen werden könne. Geprüft werde derzeit, ob eine missbräuchliche Nutzung des Postfachs vorliege. Falls ja, wolle man "zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um den Postfachinhaber zu schützen".