Verkaufsgerüchte um Paypal Zahltag für Ebay

Immerhin die Büros sind noch ein bisschen wie in einem Start-up gestaltet: Ebay-Niederlassung in Irland

(Foto: Bloomberg)

Der Bezahldienst Paypal und das Auktionshaus Ebay gehören zusammen wie ein altes Ehepaar. Nun gibt es Trennungsgerüchte. Warum könnte sich ein Verkauf von Paypal lohnen?

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Wenn am Montag das Kunst- und Freak-Festival Burning Man beginnt, wird auch eine kleine Karawane aus dem Silicon Valley in die Wüste von Nevada ziehen. In ihren vollklimatisierten VIP-Zelten werden Größen der Tech-Branche über das nächste große digitale Ding nachdenken und miteinander über das Geschäft reden. Dass auch der Bezahldienst Paypal und dessen Eigentümer Ebay zu den Gesprächsthemen gehören dürften, wirkt zunächst überraschend. Wäre die Tech-Branche eine Nachbarschaft, beide Marken hätten den Ruf eines durchaus angesehenen, aber auch furchtbar langweiligen Ehepaars.

Nun aber machen Trennungsgerüchte die Runde. Ende vergangener Woche berichtete die gewöhnlich gut informierte Tech-Reporterin Jessica Lessin: Ebay überlege, Paypal im kommenden Jahr aus dem Unternehmen zu lösen. Diese Information sei aus den Gesprächen durchgedrungen, die der Online-Versandhändler derzeit mit Bewerbern für den vakanten Chefposten bei Paypal führte.

Noch im Januar hatte der US-Investor Carl Icahn lautstark, aber erfolglos die gleiche Forderung erhoben. Vorstandschef John Donahoe sah sich genötigt. öffentlich zu reagieren. "Konkurrenzfähiger, agiler und am Ende erfolgreicher" seien die beiden Marken zusammen, schrieb der Chef damals im Unternehmensblog - und stellte Icahn am Ende ruhig, indem er ihn seinen Wunschkandidaten im Verwaltungsrat platzieren ließ.

Vom Start-up zum Anhängsel

Nun also die Kehrtwende? Es ist kein Geheimnis, dass viele Paypal-Mitarbeiter bezweifeln, unter dem Ebay-Dach wirklich agiler zu sein. Anders als der Mutterkonzern gibt sich der Bezahldienst nach innen und außen gern als Start-up, obwohl die Firma bereits seit der Dotcom-Ära existiert. Die einstige Kerntruppe, zu denen der heutige Investor Peter Thiel und der spätere Tesla-Gründer Elon Musk gehören, gilt als legendär und ist wegen ihrer Vernetzung als "Paypal-Mafia" bekannt. Ihr ehemaliges Unternehmen mit seinen inzwischen 13 000 Mitarbeitern agierte jedoch lange wie ein träges Ebay-Anhängsel. Erst seit 2012 hauchte der neue Chef David Marcus der Firma wieder Leben ein, indem er kaum einen Stein auf dem anderen ließ.

Heute bietet Paypal Offline-Bezahlmöglichkeiten an und tritt damit in Konkurrenz mit Firmen wie Square oder seit wenigen Wochen auch Amazon. Durch den Kauf des Start-ups Braintree startete Paypal vor kurzem auch ein Smartphone-Bezahlsystem, das lästiges Einloggen vermeidet und Kaufvorgänge auf einen einzigen Fingerdruck reduziert.

Marcus machte auch öffentlich nie ein Geheimnis daraus, dass Paypal als eigenständiges Unternehmen im äußerst unruhigen Bezahlsystem-Markt deutlich bessere Karten hätte. Im Juni verließ er die Firma deshalb Richtung Facebook, dem Vernehmen nach äußerst frustriert.

Nun ist es eine Sache, einen neuen Chef mit der Aussicht auf größere Freiheiten zu locken, wie es offenbar Ebay gerade macht. Eine andere ist das Geschäft. Und hier hängen Paypal und Ebay in der Tat eng zusammen. Fast die Hälfte des letzten Ebay-Quartalsumsatzes von rund 4,4 Milliarden Dollar wurde über Paypal abgewickelt. Der Zahlungsdienst wiederum profitiert von der perfekten Integration in die Auktionsplattform.

Theoretisch könnte Ebay seine Tochter deshalb an die Börse schicken, selbst aber einen größeren Anteil als Rückversicherung behalten. Der Markt für Tech-Börsengänge ist trotz vieler Rückschläge noch ordentlich. An den Wachstumsmöglichkeiten von Paypals Branche der Bezahldienste gibt es jedoch Zweifel: Mobile Zahlungsmöglichkeiten spielen im Vergleich zu Kreditkarten-Transaktionen keine Rolle, Techniken wie berührungslose Kreditkarten oder die Nahfeld-Technik in Smartphones (NFC) setzten sich nicht durch. "Der Hype der vergangenen Jahre ist niemals zur Realität geworden", sagt Jim Bramlett vom Finanzanalyse-Unternehmen Novantas. Zudem seien die Margen gering, weil die Kreditkartenfirmen meist die Infrastruktur stellten und dafür kräftig zulangten - auch, um die neuen Konkurrenten nicht zu groß werden zu lassen.

Lockt eine neue Milliardenübernahme?

Und so gibt es eine weitere Interpretation, die von Insidern zu hören ist: Ebay könnte gerade versuchen, den potentiellen Kaufpreis für Paypal in die Höhe zu treiben. Die derzeit gezahlten Übernahmepreise sind gigantisch (hier ein Überblick...). Ein Zahlungsdienst könnte für einige Tech-Giganten interessant sein. Gerade Google scheiterte in der Vergangenheit immer daran, mit einem entsprechenden System Fuß zu fassen.

Paypal könne für das Unternehmen aus Mountain View der fehlende Link sein, glaubt ein Branchenkenner. Es wäre das perfekte Werkzeug, um nachzuweisen, dass ein Kunde einen Offline-Kauf aufgrund einer Google-Anzeige getätigt hat. Das würde den Wert dieser Werbung extrem in die Höhe treiben.