Suchmaschine Google gräbt tiefer

Suche nach Zensur: Google zeigt künftig Hintergrundartikel zum Thema

(Foto: Google)

Wer mit Google das Internet durchforstet, will schnell fündig werden. So lautet die Faustregel. Doch jetzt hat der Suchmaschinen-Konzern festgestellt: Zehn Prozent der Nutzer wollen statt schneller Suchergebnisse mehr Hintergrund. Deshalb baut das Unternehmen seine Suche um.

Von Pascal Paukner

Schnell ein paar Buchstaben in die Tastatur hämmern, die Enter-Taste drücken, eines der oberen Suchergebnisse anklicken: So ungefähr läuft eine Google-Suche in 90 Prozent aller Fälle ab. Wenn man es so will, ist das Geschäft vergleichbar mit der Fast-Food-Branche. In beiden Bereichen gilt der Leitsatz: Je schneller die Kunden wieder weg sind, desto zufriedener sind sie. Auch wenn es den Anschein haben mag, auch für Google ist das kein schlechtes Geschäftsmodell, denn die prominentesten Suchergebnisse sind zumeist Werbeanzeigen. Mit denen verdient das Unternehmen sein Geld.

Doch abseits des Massenmarktes suchen, das hat Google in einer Untersuchung jetzt herausgefunden, zehn Prozent der Nutzer nicht nur nach schnellen Informationen. Sie suchen nach Hintergrund, nach einer noch stärkeren Orientierung als sie Google mit seiner Hierarchisierung der Informationsflut ohnehin schon bietet. Sie sind, um im Bild zu bleiben, diejenigen, die im Fast-Food-Restaurant zu ihrem Hamburger auch noch einen Salat und einen Orangensaft bestellen. Um diese Kunden will sich das Unternehmen nun stärker bemühen.

Deshalb führt die Suchmaschine in diesen Tagen eine neue Funktion ein, die das Informationsbedürfnis der "Premium"-Kunden stärker befriedigen und zudem die schnelle Suche mit qualitativ hochwertigeren Suchergebnissen verbinden soll. Das neue Feature, das In-depth articles heißt, hebt in den Suchergebnissen besonders hochwertige Hintergrundartikel zum Thema hervor. Zumindest ist es das, was Google behauptet.

Auch ausgewählte Blogs kommen in den Index

Wie genau die Auswahl bei dem neuen Angebot vorgenommen wird, dazu äußert sich das Unternehmen nämlich nicht. In einem Blogeintrag heißt es nichtssagend, dass die Ergebnisse "basierend auf vielen Signalen, die nach hochqualitativen Inhalten suchen, algorithmisch gelistet" werden. Nur so viel ist bekannt: Neben weltbekannten Medienmarken wie dem Guardian, dem Wall Street Journal oder dem Magazin The New Yorker sollen auch ausgewählte Blogs in den Qualitätsindex aufgenommen werden.

Ob das Feature, das nun zunächst für englischsprechende Suchende eingeführt wird, eines Tages auch auf Deutsch zur Verfügung steht, ist unklar. Auf Anfrage wollte sich Google dazu nicht äußern. Vor dem Hintergrund der Debatte um das Leistungsschutzrecht ist allerdings anzunehmen, dass die Einführung einer solchen Funktion in Deutschland besonders umstritten wäre. Für Google ist sie dennoch von großer Bedeutung. Das Unternehmen passt seine Suche derzeit sukzessive an die neuen Suchgewohnheiten auf Smartphones und Tablets an. Damit verbunden sind neue Funktionen, welche Suchergebnisse noch stärker als bisher zusammenfassen.