Streit um Wikileaks PayPal gibt Spenden frei

Die Anhänger der Enthüllungsplattform Wikileaks können im Streit mit PayPal, Mastercard und Visa einen Etappensieg feiern: Das Online-Zahlungssystem PayPal gibt gesperrte Spenden an Wikileaks frei.

Der Online-Zahlungsdienst PayPal hat nach massiven Protesten der Wikileaks-Anhänger beschlossen, eingefrorene Spenden an die Enthüllungsplattform auszuzahlen. In der Nacht zum Donnerstag attackierten Wikileaks-Unterstützer auch die Website des Kreditkartenunternehmens Visa und legten diese zeitweise lahm.

Angela "Teflon" Merkel

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PayPal-Justiziar John Muller erklärte im Firmenblog: "Wir verstehen, dass die Entscheidung von PayPal zum Gegenstand einer größeren Geschichte geworden ist, bei der es rund um die Aktivitäten von Wikileaks auch um politische und juristische Debatten und um die Meinungsfreiheit geht."

Das Spendenkonto sei allein wegen der Verletzung der Geschäftsbedingungen gesperrt worden. Grundlage sei ein Brief des US-Außenministeriums an Wikileaks, wonach das Internet-Projekt im Besitz von Dokumenten sein könnte, die unter Verletzung von US-Gesetzen beschafft worden seien.

Die zu den wichtigsten Spendensammlern von Wikileaks zählende Wau- Holland-Stiftung will nach eigenen Angaben rechtlich gegen die unangekündigte Sperrung ihres Kontos bei PayPal vorgehen.

Die Stiftung bezifferte die Höhe der zeitweise eingefrorenen Spenden auf rund 10.000 Euro. Nach massiven Hackerangriffen auf die Internet-Präsenz von Mastercard war in der Nacht zum Freitag auch Visa das Ziel von sogenannten DDOS-Angriffen ("Distributed Denial of Service"). Dabei wird ein Web-Server mit Unmengen von Daten geflutet und dadurch blockiert. Beide Kreditkarten-Firmen hatten angekündigt, keine Zahlungen an die Enthüllungsplattform mehr zuzulassen.

Aktivisten der "Anonymous"-Bewegung, die sich zu den Hackerangriffen bekannte, kündigten die Attacke auf Visa eine Stunde vorher über den Kurzmitteilungsdienst Twitter an. Nach Informationen des Blogs "Redspin", das sich mit Themen der Netzsicherheit beschäftigt, beteiligten sich zeitweise mehr als 1700 Personen an den Angriffen.

Der Internet-Dienst Twitter sperrte das Profil mit den Mitteilungen von "Anonymous". Daraufhin richtete die Gruppe ein neues Profil ein, mit einem Link zum Chat-Dienst IRC - über den dezentral organisierten "Internet Relay Chat" wurde nach Informationen in einschlägigen Blogs auch die Software für die DDOS-Angriffe verbreitet.

Der in Schweden ansässige Online-Zahlungsdienst Flattr teilte am Donnerstag mit, dass er weiter Spenden an Wikileaks überweisen werde. Solange es kein Gericht gebe, das die Aktivitäten von Wikileaks für illegal erkläre, werde man die Spenden der Flattr-Nutzer weiterreichen, sagte Vorstandschef Linus Olsson der Zeitung Sydsvenskan. Mit Flattr können Internet-Nutzer auch kleine Beträge an Web-Projekte spenden.