Strategie-Krise bei Microsoft Endspiel für Steve Ballmer

Steve Ballmer ist angezählt: Der Microsoft-Chef ist bei seinen Mitarbeitern unbeliebt, bringt sein Unternehmen im Mobilgeschäft nicht auf die Beine und muss nun sogar erleben, wie Firmengründer Bill Gates als sein möglicher Nachfolger gehandelt wird. Die kommenden Monate dürften über seinen Verbleib im Unternehmen entscheiden.

Von Johannes Kuhn

Für Microsoft-Chef Steve Ballmer sind es keine einfachen Zeiten: Am 12. Dezember kam heraus, dass das Unternehmen den Chef der Telefon-Abteilung austauscht - offenbar aufgrund der schlechten Verkaufszahlen des Mobilbetriebssystems Windows Phone 7.

Microsoft-Chef Steve Ballmer: "Seine Fixierung auf die Vergangenheit scheint ihn blind für die Technologie-Nutzung im Jahr 2014 zu machen", urteilte jüngst Forbes.

(Foto: Bloomberg)

Dann landete Ballmer auch noch in einer Umfrage auf Rang drei der unbeliebtesten Chefs der IT-Branche - nur Yahoo-Interimsvorstand Tim Morse und Xerox-CEO Ursula Burns erreichten niedrigere Zustimmungswerte. Pikant dabei: In der Umfrage des Online-Jobportals Glassdoor hatten nicht Experten oder die Allgemeinheit, sondern die Mitarbeiter der entsprechenden Unternehmen anonym über die Fähigkeiten ihres Chefs abgestimmt.

Dass lediglich noch 35 Prozent seiner Angestellten Ballmer ein gutes Zeugnis ausstellen, passt nur auf den ersten Blick nicht ins Bild. Zwar konnte Microsoft in den vergangen Quartalen Gewinnzuwächse verbuchen, allerdings ist das Unternehmen stark vom PC-Windows, dem Office-Paket und der Xbox abhängig.

Im wichtigen Mobilmarkt ist es Microsoft hingegen noch nicht gelungen, Fuß zu fassen. Einer aktuellen Gartner-Analyse zufolge lag der Anteil an Smartphones mit Windows-Betriebssystem im dritten Quartal bei schlappen 1,5 Prozent nochmals 1,2 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Auf dem Tablet-Markt konnte Microsoft mit Windows 7 zumindest zulegen, allerdings bislang nicht über zwei Prozent hinauskommen.

Nun muss dies erst einmal nichts heißen: Vor einigen Wochen stellte Nokia seine ersten Smartphones mit Windows Phone 7 vor, dem in Branchenkreisen durchaus geschätzten Microsoft-Mobilsystem. 2012 sollen weitere Modelle folgen. Noch wichtiger: Im kommenden Jahr steht die Veröffentlichung von Windows 8 an, dessen Oberfläche auch für die Installation auf Tablet-Computern ausgelegt ist. Mit der Integration der Gestensteuerung Kinect in Windows sowie dem weiteren Ausbau der Xbox 360 zur Plattform für Heimunterhaltung stehen zudem weitere vielversprechende Veröffentlichungen an.

Fixiert auf die Vergangenheit?

Einzig: All diese Projekte sind bereits öffentlich bekannt, dennoch sinkt der Aktienkurs weiter - was nicht zuletzt dem Vorstandsvorsitzenden angelastet wird. Die Aktionäre bestätigten Ballmer zwar jüngst im Amt, doch der Rückhalt ist eher mangelnden Alternativen als dem Vertrauen in die strategischen Fähigkeiten des 55-Jährigen geschuldet. "Viel zu oft scheint Ballmer zu bestreiten, dass sich gerade ein Wandel vollzieht - oder zumindest, dass er so schnell passiert", urteilte das US-Wirtschaftsmagazin Forbes, "seine Fixierung auf die Vergangenheit scheint ihn blind für die Technologie-Nutzung im Jahr 2014 zu machen."

Matt Rosoff, Autor des Portals Business Insider, skizzierte schon einmal eine Untergangsphantasie, in der dem Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Washington nach und nach das Kerngeschäft um Windows und das Office-Paket wegbricht.

Gates dementiert Rückkehr-Gerüchte

Auch wenn solche Szenarien auf Spekulationen beruhen: Die Microsoft-Probleme dürften auch Firmengründer Bill Gates Kopfschmerzen bereiten. Anfang der Woche vermeldete das US-Magazin Fortune unter Berufung auf einen nicht genannten Vorstand eines IT-Unternehmens, Gates überlege, Ballmer in die Wüste zu schicken und sich selbst wieder auf den Chefsessel zu setzen.

Das Gerücht hielt sich allerdings nicht lange: In einem Interview erklärte Gates, seine Arbeit für die karitative Bill & Melinda Gates Foundation sei eine Vollzeitaufgabe, die er "für den Rest des Lebens" wahrnehmen werde.

Nicht, dass er damit einen Traumjob abgelehnt hätte.