Soziales Netzwerk Facebook gleicht Nutzerdaten mit Werbekunden ab

Neue Einnahmequellen dringend gesucht: Für Werbezwecke gleicht Facebook künftig E-Mail-Adressen und Telefonnummern aus eigenen Datenbanken mit Kundendaten ab. Damit soll Werbung noch genauer platziert werden können.

Von Pascal Paukner

Das Vertrauen der Anleger ist futsch, jetzt wird das der Internetnutzer auf die Probe gestellt: Das soziale Netzwerk Facebook will ausgewählten Kunden zielgruppengerechtere Werbung als bisher verkaufen. Künftig soll es Werbekunden möglich sein, freiwillig Telefonnummern und E-Mailadressen an Facebook zu übermitteln, die das amerikanische Unternehmen dann mit den Daten auf seinen Servern abgleicht. Facebook könnte so von Interessen und Kaufabsichten erfahren, die die 950 Millionen Nutzer der Online-Plattform eigentlich von Facebook fernhalten wollten.

Anmelden bei Facebook? Das Vertrauen der Nutzer wird mit einer neuen Werbeform auf die Probe gestellt.

(Foto: Bloomberg)

Wer beispielsweise beim Buchhändler unter Angabe einer E-Mailadresse einwilligt, dass seine Daten an Dritte weitergegeben werden dürfen, könnte künftig Werbeeinblendungen dieses Buchhändlers auf Facebook angezeigt bekommen. Voraussetzung ist, dass der Händler die Daten an Facebook übermittelt, dort Werbung bucht und dass der Nutzer sich mit derselben Mailadresse bei Facebook angemeldet hat.

Das Unternehmen teilte mit, der Abgleich der Daten erfolge verschlüsselt, außerdem würden zu keinem Zeitpunkt Daten, die von Facebook erhoben wurden, an Dritte weitergegeben. Ab wann die neue Werbeform in Deutschland gebucht werden kann, sagte Facebook nicht. Amerikanische Blogs hatten in dieser Woche erste Testläufe des neuen Produkts dokumentiert. Der Start des Angebots ist in den USA für die kommende Woche geplant.

Das weltgrößte soziale Netzwerk kämpft seit Wochen um seinen Ruf. Nach dem missglückten Börsengang im Mai hat die Aktie des Internetunternehmens kontinuierlich an Wert verloren. Zuletzt wurde sie für unter 20 Dollar gehandelt. Das Marktforschungsunternehmen Emarketer hat jetzt für Facebook eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Man rechne für dieses Jahr nur noch mit einem Umsatz von 5,04 Milliarden Dollar, vor dem Börsengang waren die Forscher noch von einem Umsatz um die sechs Milliarden Dollar ausgegangen.

Hinter dem Vertrauensverlust der Anleger steckt die Befürchtung, Facebook könnte durch die zunehmende Popularität von Smartphones und Tablet-Computern ins Hintertreffen geraten. Im Gegensatz zu deutlich kleineren Konkurrenten wie Twitter verfügt Facebook noch nicht über ein funktionierendes Geschäftsmodell für das mobile Internet. Immer mehr Menschen nutzen soziale Netzwerke von ihren Handys oder Tablet-Computern. Kritiker befürchten, Facebook könne auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen, noch stärker als bisher auf die Daten der Nutzer zugreifen.