Sicherheit im Internet Nerv mich nicht!

Ahnungslos und bequem? Um Internetsicherheit sollten sich auch Nutzer kümmern.

(Foto: Bloomberg)

Ständig mault der Virenscanner, ewig läuft das Windows-Update: Internetsicherheit ist mühsam. Doch Ahnungslosigkeit und Bequemlichkeit sind keine Entschuldigung.

Von Robert Gast

Der Mann mit dem Schnauzer zieht an seiner Zigarette, während er sein Cabrio betont lässig durch den Verkehr schlängelt. Die Dauerwelle der Begleiterin auf dem Beifahrersitz flattert im Fahrtwind. "Die Unfallgefahr nimmt mit steigender Blutalkoholkonzentration immer mehr zu", sagt die sonore Stimme des Sprechers. Als Fernsehzuschauer konnte man sich derartigen Szenen Jahrzehnte lang kaum entziehen: Die Sendung "Der 7. Sinn" klärte Generationen von Autofahrern über die Gefahren des Straßenverkehrs auf - 2005 stellte sie der WDR schließlich ein.

Heute bräuchte es eine vergleichbare Sendung für das Digitale, findet der Informatik-Professor Norbert Pohlmann von der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Wie nötig Aufklärung in Sachen Internetsicherheit ist, haben die vergangenen Monate gezeigt. Gleich mehrmals sind Tabellen mit Millionen E-Mail-Adressen und Kennwörtern aufgetaucht. Kriminelle haben sie vermutlich direkt auf den Computern der Anwender abgegriffen, oder vertrauensselige Nutzer auf manipulierten Webseiten ihre Zugangsdaten eingeben lassen.

Computerexperten warnen vor einer nie da gewesenen Schwemme von Betrugsversuchen im Internet: Der Virenschutz-Anbieter Symantec bezeichnet das Jahr 2013 in seinem jährlich erscheinenden Report gar als Jahr der "Mega-Hacks": Acht Fälle von Datenklau im großen Stil seien öffentlich geworden, vor allem zum Jahresende hin waren die Hacker aktiv. Weltweit sollen im vergangenen Jahr 552 Millionen digitale Identitäten gestohlen worden sein. Das ist ein enormer Zuwachs: 2012 wurde laut Symantec gerade mal ein Fall bekannt, bei dem mehr als zehn Millionen illegal abgegriffene Paare von Zugangsdaten auftauchten.

Ein Warnschuss

Klar: Längst nicht jede Kombination aus E-Mail-Adresse und Kennwort öffnet eine digitale Pforte - viele der Kennwörter sind veraltet oder geben Zugang zu wenig brisanten Internetdiensten. Für Millionen Internetnutzer sind die Meldungen vom großen Datenklau daher hoffentlich vor allem eines: ein Warnschuss. Denn im Netz grassiert noch immer eine besorgniserregende Form der Arglosigkeit. Mehr als die Hälfte der Internetnutzer verwenden dieselben Passwörter für mehrere Dienste, ermittelte etwa 2013 eine Umfrage des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Eine Cambridge-Studie hatte 2012 bereits den häufigsten Zugangscode von 32 Millionen Nutzern der Spiele-Website "Rockyou" ermittelt. Es war die Ziffernkombination "123456".

"Wir müssen immer wieder erkennen, dass die Bürger als Internet-Nutzer noch nicht die Kompetenz haben, die notwendig ist, um sich angemessen im Internet zu bewegen", sagt Pohlmann. Vor ein paar Jahren hat er zusammen mit einem Kollegen ein Buch geschrieben, in dem er Laien die Grundbegriffe der Internetsicherheit erklärt. Weil es sich nur wenige Tausend Mal verkaufte, hat es der Informatiker zum kostenlosen Download auf seine Homepage gestellt. "Es sind wir, die Benutzer, die auf Phishing-Angriffe reinfallen", sagt er.