Reality-TV-Star Hermione Way "Silicon Valley liefert Hollywood die Inhalte"

Schauspielerin Hermione Way: "Es stört mich nicht, dass alles sehr männlich geprägt ist"

(Foto: OH)

Für Videobloggerin Hermione Way war immer klar: Als Geek musst du ins Silicon Valley. Jetzt ist die 27-Jährige dort und spielt die Hauptrolle in einer Reality-Soap, die von Randi Zuckerberg produziert wird und das wahre Leben der Geeks zeigen will. Siebter Teil der Serie über Kaliforniens Hightech-Standort.

Protokoll: Matthias Kolb, San Francisco

Wenn es um das Silicon Valley geht, dann ist die Rede von Innovationen, technischem Fortschritt und den immergleichen Unternehmen: Apple, Google und Facebook. Doch die Besonderheit des 77 Kilometer langen Streifen, der im Norden Kaliforniens von San Francisco durch das Santa-Clara-Tal runter nach San José führt, machen erst die zahlreichen Start-ups und deren Gründerinnen und Gründer aus.

In einer kleinen Artikelserie lassen wir acht Persönlichkeiten aus der Hightech-Region zu Wort kommen - Unternehmer und TV-Sternchen, Amerikas erfolgreichsten Immobilienmakler und einen Deutschen, der an einem "Start-up-Kompass" tüftelt, der Gründern vorhersagt, ob ihre Projekte durchstarten oder scheitern werden. Bereits zu Wort kamen: David Sacks, Chef des sozialen Netzwerks Yammer, Cameron Teitelman, Leiter des StartX-Gründerzentrums der Uni Stanford, Soujanha Bhumkar, Gründer des Start-ups Cooliris, Björn Lasse Herrmann, Gründer des Start-up-Kompasses, Amy Andersen, Chefin der Dating-Agentur Linxdating und Ken Deleon, Amerikas erfolgreichsten Immobilienmakler. Heute stellen wir die 27-Jährige Hermione Way, TV-Star und Gründerin, vor.

Ich bin in England geboren und habe zuvor in London als Videobloggerin gearbeitet. Ständig habe ich von diesem Ort namens Silicon Valley gehört. Mir war klar, dass ich nicht am zweit- oder drittbesten Ort für Technikfreaks sein konnte, ich musste zur Nummer Eins. Für mich war das fast wie eine Pilgerreise nach Mekka für einen Muslim: Als Geek musst du ins Silicon Valley. Dabei ist das Besondere hier die Geisteshaltung. Alle sind sehr ehrgeizig und glauben daran, dass sich mit Technik alles verbessern lässt. Die Leute sind sehr offen, sie geben Tipps und teilen ihr Wissen, weil sie überzeugt sind, dass durch mehr Wissen die Welt voran kommt.

Ich bin überzeugt, dass das Silicon Valley zurzeit der spannendste und sexieste Ort der Welt ist. Nerds sind die neuen Rockstars, es ist cool, ein eigenes Start-up zu haben und Unternehmer zu sein. Hier gibt es lauter junge Leute mit tollen Ideen, die die Welt verändern und Riesenprobleme lösen wollen. Und dabei verdienen sie auch noch einen Haufen Kohle.

Zurzeit arbeite ich als Videobloggerin für "The Next Web" und ich bin eine von sechs Hauptpersonen in "Start-ups: Silicon Valley". Das ist die erste Reality-TV-Show über das Valley, die seit November im Kabelsender BravoTV läuft und von Randi Zuckerberg produziert wird, der Schwester von Facebook-Gründer Mark. Viele Szenen wurden in der Stadtvilla gedreht, in der ich in San Francisco mit meinem Bruder Ben und sieben anderen Gründern wohne.

Hollywood-Stars nutzen Tools aus dem Valley

Ich finde es unfair, dass viele Blogger die Show mit den Worten "Zu viel Party, zu wenig Programmieren" abtun und nicht ernst nehmen. Es ist eine Fernsehshow, also sieht man junge Leute beim Feiern und natürlich geht es um Klatsch. Aber die Zuschauer lernen viel über die Hightech-Szene: Mein Bruder und ich haben den kompletten Prozess eines Start-ups durchlaufen - von der Idee bis zum Produkt. Wir haben vor den großen Investoren unser Projekt vorgestellt, alles vor der Kamera.

Was mich besonders fasziniert, ist die Annäherung von Hollywood und Silicon Valley. Alle Promis investieren gerade in Start-ups: Ashton Kutcher, Leonardo DiCaprio, Lady Gaga. Ebenso wichtig ist der "content": Silicon Valley liefert Hollywood die Inhalte. Seit der Film "Social Network" über Facebook in den Kinos war, laufen die Dreharbeiten für mindestens sechs TV-Sendungen über das Valley. Letzten Monat war ein Freund von mir in Palo Alto am Set, wo die Biographie von Apple-Gründer Steve Jobs verfilmt wird - mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle. Der dritte Faktor ist Kommunikation: Die Hollywood-Stars nutzen die Werkzeuge, die im Valley erfunden werden, um mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben: Twitter, Facebook, Youtube.

Es stört mich nicht, dass in Nordkalifornien alles sehr männlich geprägt ist. Wie alle 27-Jährigen hier bin ich überzeugt, dass ich die nächste milliardenschwere Firma gründen kann. Aber zugleich glaube ich, dass ein Baby das tollste Start-up der Welt ist. Ich weiß nur nicht, wann ich ich meine Karriere unterbrechen soll. Konzentriere ich mich erst auf die Firma, was 5 bis 10 Jahre dauern kann? Dann bin ich vielleicht schon unfruchtbar! Es ist ein Dilemma für jede Frau.