QR-Code auf Grabsteinen Death sells

Im Internetzeitalter ist es nur logisch, auch den Kontakt ins Jenseits zu digitalisieren. Mittels QR-Code auf dem Grabstein des Verstorbenen. Rund 100 Euro kostet die posthume Kommunikation.

Von Caspar Schlenk

Ausschnitt eines QR-Codes

(Foto: dpa)

Schon lange vor der Erfindung des Internets haben die Menschen versucht, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Die wilden Völker tanzten wild ums Feuer. Später versuchten selbst zivilisierte Menschen, durch Gläserrücken mit den Toten zu sprechen. Es ist ein zeitloses Thema für den spirituell angehauchten Teil der Bevölkerung - gemeinhin als Spinner bekannt. Death sells, mit dem Tod kann man Geschäfte machen.

Im Internetzeitalter ist es nur logisch, auch den Kontakt ins Jenseits zu digitalisieren. Schließlich sehen viele Jugendliche ihr Gegenüber nicht mehr, wenn sie über Facebook oder Twitter kommunizieren. Warum also nicht mit den Toten simsen? Und das tun viele. Eine einfache Google-Suche zeigt: "Mit Toten sprechen" bringt vier Millionen Treffer, und damit vierzigmal mehr Resultate als der (lebende) FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle. Im Portal gutefrage.net fragt einer etwa: "Gibt es wirklich Leute, die mit Toten sprechen können?"

Videos des Verstorbenen

Die Dänen haben zwar den "Draht nach oben" noch nicht vollkommen digitalisiert, aber sie sind der Verbindung etwas näher gerückt. Neuerdings können Hinterbliebene einen sogenannte QR-Code auf den Grabstein der Verstorbenen kleben lassen. Bisher gibt es das Quadrat mit den vielen kleinen schwarzen Punkten auf verpacktem, totem Fleisch im Supermarkt oder in Zeitungen (totes Holz) am Kiosk - nun kommt also Fleisch in Holz dazu. Wer üblicherweise den Code mit seinem Smartphone scannt, bekommt etwa ein Video zum Artikel.

Rund 100 Euro kostet die Grabstein-Variante. Auf dem Smartphone erscheinen Geschichten zur Person, Kinderbilder oder gar Videos. Die dänische Kleinstadt Holbaek hat bereits mehrere Chips gekauft, um beispielsweise an den früheren Bürgermeister zu erinnern. Denkbar wäre auch eine Weiterleitung zum Facebook-Profil des Toten. Mit der neuen Timeline ließe sich das Ereignis "Tod" gut visualisieren. Deutsche Datenschützer müssten aber noch prüfen, wie es um den Datenschutz der Toten bestellt ist.

Wieder einmal ist die Technik dem Menschen voraus, der Tote ist jetzt in der Pflicht, zu reagieren. Denn alle digitalen Medien funktionieren bekanntlich nur mit Interaktion. Das Kürzel QR steht übrigens auch für "Quick Response" - schnelle Antwort.