Personensuchmaschinen Die Nutznießer

Anbieter wie Yasni oder 123people durchkämmen das Netz nach Informationen über Personen. Sie finden selbst den, der sich noch nie im Internet bewegt hat.

Von Johannes Boie

Frau S. hat mit dem Internet wenig zu tun. Sie betreibt keine eigene Webseite, schreibt kein Online-Tagebuch, nutzt keine Foren und hat in der digitalen Welt noch nie ihren eigenen Namen hinterlassen. Der übrigens kein Allerweltsname ist, wie Maier oder Müller.

Im Gegenteil: Frau S. dürfte die einzige Person in Europa sein, die ihre Kombination aus seltenem Vor- und ungewöhnlichem Nachnamen trägt.

Doch obwohl sie ihren Namen noch nie im Netz angegeben hat - und auch keine Person der Zeitgeschichte ist, über die geschrieben und berichtet wird -, taucht er im Internet an vielen Stellen auf.

Wer Frau S. im Netz mit der populärsten Suchmaschine sucht, dem zeigt Google als wichtigsten Treffer sogar eine Internetadresse an, in der der Name von FrauS. enthalten ist. Diese Internetadresse gehört zu dem Internetangebot yasni.de und ist nach folgendem Muster aufgebaut: www.yasni.de/person/nachname/vorname/vorname-nachname.htm

"Indem Webseiten wie yasni.de den Namen von Privatpersonen in ihre Internetadressen aufnehmen, werden diese Seiten sehr leicht gefunden, wenn jemand bei Google nach dem entsprechenden Namen sucht", sagt Gerrit van Aaken, ein bekannter Webseiten-Programmierer und Blogger. Er sieht diese Technik negativ: "Da steht der Name von Leuten im Netz, die ihn nie reingeschrieben haben. Das riecht nach Datenkrake."

Tatsächlich muss nicht viel geschehen, bis der Namen irgendeines Menschen plötzlich in einer Yasni-Internetadresse auftaucht. "Es reicht aus, dass irgendjemand mal nach einem bestimmten Namen bei uns auf der Webseite gesucht hat", sagt Yasni-Chef Steffen Rühl. "Dann legen wir automatisch eine Seite mit dem entsprechenden Namen in der Internetadresse an."

Die Suche nach Namen zu ermöglichen, das ist das Geschäftskonzept der Yasni-Betreiber. "Wir sind eine Personensuchmaschine", beschreibt Yasni-Chef Rühl seine Webseite. Doch die Personenangaben bleiben in der Regel inhaltlich vage, enthalten lediglich Informationen, die von anderen Webseiten stammen, auf die zurückverwiesen wird.

Den Service von Yasni nutzten vor allem Personalmanager, die das digitale Leben von Bewerbern prüfen möchten, sagt Rühl. Obwohl die Informationen, die sich auf der Yasni-Webseite finden, oft völlig wertlos sind, erscheint sie regelmäßig weit oben in den Google-Ergebnis-Listen. Dementsprechend klicken mehr und mehr Menschen auf die Links, die aus Namen bestehen und die allesamt zu Webseiten wie yasni.de und ähnlichen Angeboten führen.

Dort warten Werbeanzeigen auf die Surfer sowie "Premium-Angebote", die versprechen, mehr verwertbare Informationen zu liefern. Damit verdienen die Webseiten-Betreiber ihr Geld. 20 Millionen Namen verwendet Yasni nach eigenen Angaben für dieses Geschäftsmodell. "Viel mehr gibt es in Deutschland auch nicht", sagt Rühl.

Etwas einfacher beschreibt Gerrit van Aaken das Geschäftskonzept der Firma: "Yasni verdient Geld mit den Namen unbeteiligter Menschen", sagt der Internetexperte. "Hier wird vom Namensrecht des Einzelnen Gebrauch gemacht", kritisiert auch Rechtsanwalt Udo Vetter, der als bloggender Jurist mit dem Netz vertraut ist.

Insbesondere bei seltenen Namen handelt es sich bei Yasnis Gebahren nach Vetters Meinung nicht um eine Bagatelle, sondern um den Missbrauch eines Namens. Wen das störe, der habe "gute Chancen, dass die Adresse mit dem eigenen Namen entfernt werden muss", sagt der Anwalt. Selbst Yasni-Chef Rühl verspricht: "Wir sorgen dafür, dass die Adresse bei Google nicht mehr auftaucht, wenn jemand ein großes Problem damit hat."

Offen bleibt aber, wie Menschen, die das Internet kaum nutzen, überhaupt davon erfahren sollen, dass ihr Name von Yasni oder ähnlichen Diensten zur Gewinnerzielung verwendet wird.

Programmierer van Aaken schlägt deshalb einen anderen Weg vor. Er fordert, dass Google die Seiten wie Yasni, zum Beispiel auch den österreichischen Anbieter 123people.com, "anders behandeln" müsse. "Wäre ich bei Google verantwortlich für die Suche, würde ich diese Seiten nicht bei den üblichen Suchergebnissen erscheinen lassen", sagt van Aaken.

Technisch wäre das ohne Probleme möglich. Google kann zum Beispiel rechtswidrige Seiten aus der eigenen Datenbank entfernen. Stefan Keuchel, Google-Pressesprecher, hält allerdings wenig von van Aakens Idee. "Da würden wir schnell den Vorwurf bekommen, dass wir Suchergebnisse zensierten."

Allerdings hat Google in der Vergangenheit schon oft die Methoden geändert, nach denen die Suchergebnisse bewertet wurden. Dabei wurden sogar Internetseiten aus der Such-Datenbank gelöscht, die wie Yasni zweifelhafte Techniken genutzt haben, um Surfer über Suchergebnisse auf die eigene Seite zu lotsen.

Würde Google yasni.de und ähnliche Seiten aus den Suchergebnissen entfernen, gelangten weniger Menschen zu den Personensuchmaschinen - deren Geschäftsmodell wäre gefährdet. Google aber könnte seinen Nutzern anstelle der Links zu Yasni und ähnlichen Seiten Treffer präsentieren, die wirklich weiterhelfen.

Was die Personensucher zu bieten haben, wird nur automatisiert aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen, oft ohne jeden erkennbaren Nutzen. So weit kommt man leicht auch mit einer gewöhnlichen Suchmaschinenanfrage.