Online-Dating Suche nach dem Matching-Partner fürs Leben

Egal ob schneller Sex oder ewige Liebe, Partnersuche über das Internet ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch es geht um mehr als individuelles Liebesglück: Die Algorithmen der Matching-Computer könnten auch die Scheidungsraten senken.

Von Christian Weber

Noch Zweifel, ob wir wirklich bereits im 21. Jahrhundert angekommen sind? Dann begeben Sie sich umgehend auf die Webseite www.secret.de. Dort empfängt eine etwas bemüht schmachtende Schöne mit venezianischer Maske und rät: "Lebe Deine Phantasie". Dann folgen "drei gute Gründe" für gerade diesen Anbieter: "Knisternde Erotik nach Deinen Regeln; lustvolle, diskrete Begegnungen; täglich neue Kontaktvorschläge." Darüber rattert im Sekundentakt ein Zähler, der angibt, wie viele Kontakte Secret seit dem Start am 1. Januar 2011 bereits gestiftet hat - bei Redaktionsschluss waren es angeblich 12.828.919.

Nun ist es nicht neu, dass Unternehmen gewerbsmäßig erotische Interessen und Seitensprünge vermitteln. Etwas überrascht ist man aber doch, wenn man erfährt, dass hinter Secret die Deutsche Telekom steht, ein Unternehmen, an dem der deutsche Staat immer noch beträchtliche Anteile besitzt.

Secret.de ist der Beweis, dass das Online-Dating in all seinen Spielarten in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Es ist ein epochaler Wandel. Nach einer Studie des Oxford Internet Institute aus dem Jahre 2011 haben sich bereits 30 Prozent aller Paare in 16 europäischen Ländern sowie Japan und Brasilien, die über einen Internet-Anschluss verfügen, über Online-Dating kennengelernt. Damit drängt sich die Frage auf, was die Verlagerung der Partnersuche in den Cyberspace mit den Menschen anrichtet. Gibt es neue, bessere Chancen, den richtigen Lebenspartner kennenzulernen. Oder werden dabei menschliche Beziehungen versachlicht?

Liebessehnsucht manifestiert sich oftmals unromantisch

Letzteres ließe sich vermuten, wenn man weiß, dass etwa Secret die Rotlicht-Ecke der Online-Partnerbörse Friendscout24 ist, die wiederum zur Scout24-Gruppe gehört - einer hundertprozentigen Telekom-Tochter. Diese betreibt noch einige weitere gut besuchte Börsen wie Immobilienscout24 oder Autoscout24. Wer gerade das Date unter Dach und Fach hat, kann also vom gleichen Portal aus nach einer Wohnung oder einem Job suchen, nach günstigen Smartphones oder gebrauchten Autos.

Die Entwicklung der Partnersuche in Zeiten des Netzes liefert den Kulturpessimisten also zumindest auf den ersten Blick eine Steilvorlage. Wo Partnerschaften auf ähnlichen Märkten wie Gebrauchsgegenstände angebahnt werden, muss sich deren Logik wohl auch auf die intimsten Beziehungen ausgedehnt haben. Tatsächlich manifestiert sich die Liebessehnsucht auf vielen Portalen recht unromantisch.

Wer sich etwa bei Friendscout24 anmeldet, kann in einer Suchmaske die Kennwerte für den neuen Wunschpartner eingeben, so als ginge es um einen Einkauf: Körpergewicht und -größe auf Kilogramm und Zentimeter genau, Augen- und Haarfarbe, Figur, bevorzugte Küche, Bildungsstand und Einkommen.

"Friss mich"

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