Neues Bezahlsystem Beim Zahlen mit dem Selfie bitte Blinzeln nicht vergessen!

Touristen in Frankfurt. Bald gibt es noch mehr gute Gründe, sich mit dem Handy selbst zu fotografieren. An der Kasse zum Beispiel.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
  • Mastercard lässt Kunden bezahlen, indem sie sich selbst fotografieren, statt eine PIN einzugeben.
  • Kunden hinterlegen ein Foto von sich in der App, den Rest erledigt Gesichtserkennungssoftware.
  • Das Unternehmen will "Selfie Pay" in 15 Ländern einführen.
Von Sophie Burfeind

Das Selfie hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt. Erst waren es nur ein paar Jugendliche, die sich mit dem Smartphone vor dem Spiegel knipsten, mittlerweile rücken für ein Selfie auch Barack Obama oder Angela Merkel ganz selbstverständlich mit den Köpfen ihrer Gäste zusammen. Letztere tat das vor einigen Tagen auch mit einem Frittenverkäufer in Brüssel, als sie Fritten mit europäischer Soße kaufte. Immer deutlicher zeigt sich aber auch, dass diese Fotos nicht so harmlos sind, wie sie scheinen: Weltweit starben im vergangenen Jahr mehr Menschen bei der Aufnahme eines Selfies als durch eine Hai-Attacke.

Trotzdem breitet sich das Selfie weiter im Leben der Menschen aus, nun erobert es den täglichen Konsum. Das Kreditkartenunternehmen Mastercard hat angekündigt, das sogenannte azuerst in Großbritannien und im Sommer in 14 weiteren Ländern einzuführen. Das berichtete die Financial Times. Wer also künftig mit seiner Mastercard an der Kasse steht, um ein Paar Turnschuhe zu bezahlen, muss sich nicht mehr an eine lästige Geheinzahl (PIN) erinnern. Er macht einfach schnell ein Selfie. Damit weist er sich als Besitzer der Kreditkarte aus. Das Ganze funktioniert auch online.

Nur das Blinzeln dürfe man dabei nicht vergessen, mahnt das Unternehmen. Die Bewegung soll sicherstellen, dass nicht ein Dieb einfach ein Foto vor die Kamera hält. Das Bezahlen mit Selfies funktioniert mit einer Gesichtserkennungssoftware - dazu muss der Kunde in einer App von Mastercard zunächst ein Foto von sich hinterlegen. Bei jeder weiteren Zahlung mit der Kreditkarte gleicht ein Algorithmus das geschossene Bild mit dem hinterlegten Selfie ab.

Bedenken von Datenschützern

Datenschützer äußerten Bedenken, dass ein Unternehmen Bilder seiner Kunden speichert. Mastercard entgegnete jedoch, dass keine Fotos gespeichert würden, sondern nur ein Code. Und überhaupt, dies sei weniger verlockend für Hacker, als wenn alle Daten auf einem Smartphone gespeichert würden.

Mastercard will es im Übrigen nicht bei Selfie-Pay belassen. Das Unternehmen arbeitet auch an Bezahlungsmöglichkeiten per Fingerabdruck oder Iris-Scan, am innovativsten aber ist dieses Konzept: Der Kunde identifiziert sich mit seinem Herzschlag. Dazu muss er ein Mastercard-Armband tragen.

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Das Unternehmen arbeitet aus zweierlei Gründen an neuen Bezahlsystemen: Erstens, um die hohen Kosten zu senken, die entstehen, wenn Abbuchungen abgebrochen werden, weil von Betrug ausgegangen wird. Und zweitens, weil die Konkurrenz von Unternehmen wie Apple mit dem Bezahlsystem Apple Pay und Samsung in diesem Bereich immer größer wird.

In welchen 14 Ländern man in ein paar Monaten mit Selfie zahlen kann, ließ das Unternehmen offen. Möglicherweise sieht aber auch in Deutschland das Szenario an der Supermarktkasse bald so aus: Der Verkäufer fragt: "Bar, Karte oder Selfie?" und reicht einem dann den Selfie-Stick. Noch wahrscheinlicher würde er aber "Pelfie" (von "to pay") sagen. Schließlich sagt man auch "Bifie", wenn man auf dem Selfie einen Bikini trägt, "Footsie", wenn der Fokus auf den Füßen liegt, und "Drelfie", wenn man betrunken ist.