Neuerungen beim sozialen Netzwerk Wie die Monokulturen das Web schädigen

Man mag Mark Zuckerberg Chuzpe unterstellen, wenn er von einem Facebook-Universum träumt, das niemand mehr verlassen muss, weil er dort alles findet, was im echten Leben geschieht und zudem sein eigenes kleines Internet hat.

In Wahrheit ist es eine Wette auf die Marktmacht des eigenen Unternehmens: Wenn die Nutzer sich fast ausschließlich auf Facebook aufhalten, müssen sich alle Branchen, die mit dem Internet Geld verdienen wollen, dorthin begeben. Nicht nur mit Fanseiten und "Gefällt-mir"-Knöpfen, sondern mit eigenen Programmen, Facebook-Klonen des eigenen Web-Angebots. Und Facebook kann die Bedingungen diktieren, unter denen sie es tun.

Der gesunde Menschenverstand sagt, dass solch universellen Ambitionen meist scheitern müssen. Brauche ich wirklich eine komplette Online-Chronik meines Lebens auf den Facebook-Servern? Möchte ich wirklich meine Joggingstrecke automatisch aufzeichnen und veröffentlichen? Wird wirklich alles, was wir tun "sozial", wie Mark Zuckerberg es vorschwebt? Eigentlich wollten wir doch nur mit unseren Freunden in Kontakt bleiben, ein paar lustige Sprüche klopfen und Bilder hochladen.

Facebook wettet auf zwei Dinge: Auf der einen Seite soll unser digitales Nutzungsverhalten nun komplett auf das Spielfeld des Netzwerks verlegt werden. Auf der anderen Seite rechnet die Firma damit, dass wir unsere Alltagsaktivitäten freudig über diverse Facebook-Apps protokollieren und auf der Plattform speichern. Dies ist eine Wette auf eine fundamentale Veränderung des Nutzerverhaltens - wie einst Google darauf setzte, dass die Suche unser Ankerpunkt bei der Navigation im Netz wird.

Sollte der Konzern richtig liegen, wird es nicht nur für den Einzelnen schwieriger, auszusteigen und seine digitale Facebook-Identität hinter sich zu lassen: Das offene, dezentrale Web wird an Bedeutung verlieren - und damit auch die Wahlmöglichkeiten. Auch ein "Sieg" von Google Plus würde zu einem solchen Szenario führen, lagern wir doch schon unsere Suchanfragen, Kontakte, E-Mails, Kalender, Dokumente auf den Servern des Suchgiganten.

Wir haben die Wahl

Das Schöne ist: Wir, die Internetnutzer, haben die Wahl. Auf der einen Seite liegt der bequeme Weg über die Identitätsmonopolisten, der unser digitales Ökosystem nachhaltig schädigen könnte. Der andere Weg ist nicht ganz so komfortabel: Bei ihm verteilen wir unsere Daten auf verschiedene Dienste oder speichern und verwalten sie sogar selber über unseren eigenen Server in der heimischen Wohnung.

Wenn wir wollen, dass das Internet so offen und vielfältig wie bisher bleibt, sollten wir uns für die beschwerlichere Route entscheiden.