Neuer Speicherdienst von Kim Dotcom Mega-Angriff auf die Unterhaltungsindustrie

Vor einem Jahr nahm das FBI Megaupload im Kampf gegen Online-Piraterie vom Netz. Jetzt hat der umstrittene Internetunternehmer Kim Dotcom mit dem Speicherdienst Mega einen Nachfolger vorgestellt. Die Film- und Musikindustrie kann sich auf etwas gefasst machen.

Von Pascal Paukner

Natürlich sah es aus, als würde gleich jemand in den Krieg ziehen. Mit großen, symbolträchtigen Auftritten kennt sich Kim Dotcom ja aus. Auf Fotos posiert der 39-Jährige gern mit teuren Autos und gut aussehenden Frauen. Seine Villa ist angeblich die teuerste in ganz Neuseeland. Seine Auseinandersetzungen mit der Justiz bieten Stoff für mehrere Spielfilme. Und seinen bürgerlichen Namen Schmitz hat er durch Dotcom ersetzt.

Auch am Sonntagmorgen während der Pressekonferenz zum Start des neuen Internetdienstes Mega sollte alles perfekt inszeniert sein. Als neuseeländische Ureinwohner verkleidete Darsteller tanzten deshalb zu einem Lied, das sich leicht als Kriegsgesang interpretieren lässt.

Kim Dotcom, der aus Kiel stammt, hat für den Start seines neuesten Projekts den symbolträchtigsten Tag ausgesucht, den seine Vita hergibt. Am 19. Januar des vergangenen Jahres durchsuchte eine Spezialeinheit der neuseeländische Polizei in einer Razzia sein Anwesen im neuseeländischen Coatesville, nahm Dotcom und seine Helfer wegen des Verdachts auf Copyright-Verletzungen fest und große Teile seines Eigentums in Beschlag. Es war gleichzeitig das Ende für eine der größten Webseiten im ganzen Internet: Megaupload.com.

Eine halbe Million Nutzer innerhalb weniger Stunden

Ein Jahr ist die Razzia nun her, viel ist passiert, vor allem auf Twitter. Dotcom entdeckte das 140-Zeichen-Medium nach seiner Freilassung als Verlautbarungsorgan. Er hat dort Hunderte Tweets veröffentlicht. Den Wichtigsten aber, hat er erst an diesem Samstagabend abschicken können: Um 18.47 schreibt Dotcom: "In dieser Minute vor einem Jahr wurde #Megaupload von der US-Regierung zerstört. Willkommen auf Mega.co.nz."

Was folgt, ist ein Nutzeransturm. Der neue Speicherdienst ist stundenlang nicht erreichbar, weil die Server den Anfragen nicht standhalten. 100.000 Nutzer sollen sich allein in den ersten 60 Minuten registriert haben. Stunden später berichtet Dotcom von mehr als einer halben Million angemeldeter Nutzer. Das sind enorme Zahlen für eine wenige Stunden alte Website.

Diese Zahlen sind nur zu verstehen, wenn man weiß, wie erfolgreich der Vorgänger, Megaupload, war. Der wurde an Spitzentagen von 50 Millionen Menschen benutzt. Die Daten, die über die Server geschickt wurden, verursachten zeitweise vier Prozent des weltweiten Internetverkehrs. 50 Petabyte - das sind 51.200 Terabyte - sollen dort gespeichert gewesen sein. Als Megaupload vom Netz genommen wurde, registrierten das Internetprovider in ihren Traffic-Protokollen auf der ganzen Welt. Verständlich, dass viele nun wissen wollen, wie es weitergeht.

Verschlüsselung als Grundprinzip

Es spricht vieles dafür, dass Mega den Erfolg von Megaupload noch übertreffen wird. Während die alte Plattform nur eine von mehreren vergleichbaren Angeboten im Netz war, steckt in Mega eine Idee, die das Teilen von Daten im Netz verändern könnte. Lädt der Nutzer eine Datei hoch, wird diese noch vor dem Hochladen auf dem Computer des Anwenders verschlüsselt.

Auf dem Server kommt ein Objekt an, von dem niemand außer dem Nutzer und von ihm autorisierte Personen wissen, ob es sich um ein urheberrechtlich geschütztes Video, ein illegal kopiertes Musikstück oder ein digitales Kochrezept handelt. Weder für den Internetprovider, noch für die Polizei, noch - und das ist der juristische Kniff an der Geschichte - für Kim Dotcom soll ersichtlich sein, was hochgeladen wurde. Der Gedanke dahinter ist einfach: Was Dotcom nicht weiß, kann ihn nicht ins Gefängnis bringen. Sollten auf seinen Servern Piraterie stattfinden, kann sich Dotcom darauf berufen, er könne davon nichts wissen. Das soll ihn vor den Strafverfolgern schützen.