Echtzeit-Suche Google soll Gedanken lesen

Nach kryptischen Hinweisen im Google-Schriftzug stellt der Konzern seine neue Echtzeitsuche vor. Sie könnte das Netz verändern - und die Arbeit von Seitenmachern.

Seit Tagen machte sich Google einen Spaß daraus, seine Nutzer zu verblüffen: Am Dienstag verpuffte das vertraute blau-rot-gelb-grüne Google-Logo in kleinste Kugeln, wenn der Mauszeiger es berührte. Am Mittwoch erblasste es zu kühlem Grau; tippte der Nutzer ein Suchwort in die Maske ein, kehrte Buchstabe für Buchstabe die Farbe in den Schriftzug zurück. Schnell stand in der Netzgemeinde fest: Dahinter steckt mehr als übliche, "Doodle" genannten Abwandlungen des Schriftzugs, die zu diversen Feiertagen die Nutzer amüsieren sollen. So erstrahlte das Suchmaschinen-Logo schon einmal in Blindenschrift, ganz in Grün zum St-Patrick's-Day oder von Herzen umrankt zum Valentinstag.

Google hübscht sich auf

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Diesmal sei jedoch alles anders, so der Tenor der Tech-Blogs, denn Google stünde quasi vor einer Revolution. Am Mittwochmorgen bereitete der Konzern denn Spekulationen ein Ende: Google soll schneller werden, viel schneller. Mit der neuen Instant-Suche werden die Ergebnisse fortan live gestreamt und dem Nutzer schon während der Eingabe des Suchbegriffs angezeigt. Damit wird die Suche nicht nur schneller, sondern auch interaktiver - ob sie auch bessere Ergebnisse liefert, bleibt freilich abzuwarten.

"Die Vorteile für den Nutzer sind vielfältig", hieß es gestern auf dem offiziellen Google-Blog, "aber der wichtigste ist die Zeitersparnis. Unsere Tests haben gezeigt, dass Google Instant dem durchschnittlichen Suchenden zwei bis fünf Sekunden pro Suche erspart." Weiter heißt es in dem Statement, das möge auf den ersten Blick nicht allzu viel erscheinen, aber es läppere sich: "Wir schätzen, dass pro Sekunde Google Instant unseren Nutzern weltweit insgesamt elf Stunden Zeit erspart."

Die Suchmaschine berücksichtigt zudem auch den Wohnort des Nutzers, sofern sich dieser aus der IP-Adresse des verwendeten Computers ergibt. Ein Hamburger sieht daher als ersten Treffer das Wetter an seinem Wohnort, sobald er nur den Buchstaben "w" eintippt. Wenn auf der deutschen Google-Seite nach Angela Merkel gesucht wird, reicht die Eingabe der ersten vier Buchstaben des Vornamens aus, um Webseiten zur Bundeskanzlerin auf den Bildschirm zu bringen. Bislang hatte Google schon während der Eingabe Vorschläge für den kompletten Suchbegriff gemacht. Ermöglicht wird die neue Suchfunktion durch Hochleistungsserver von Google und die Web-Technik Ajax.

Der neue Dienst ist momentan nur für registrierte User in den USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritanien, Spanien und Russland verfügbar. Wer die neue Funktion schon einmal ausprobieren möchte, kann sich aber einfach auf google.com klicken - dort steht sie auch nicht angemeldeten Surfern zur Verfügung. Die schrittweise Einführung sei gewählt worden, um die notwendigen Ressourcen nach und nach aufbauen zu können, erklärte Google.

Um bestimmte Web-Angebote bei den Google-Treffern möglichst weit oben zu platzieren, haben Spezialisten ausgefeilte Techniken entwickelt. Dies beschäftigt inzwischen eine eigene kleine Branche, die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Mit der Google-Suche schon auf Buchstabenebene sehen sich die SEO-Experten gezwungen, ihre bisherigen Verfahren darauf abzustimmen. "Um in den Suchergebnissen sichtbar zu sein, könnte es für Websites wichtiger werden, sich optimal auf die kürzeren Bestandteile von längeren Schlüsselwörtern einzustellen", erklärte Adam Bunn vom britischen SEO-Unternehmen Greenlight. Bei Web-Angeboten mit bisherigen SEO-Verfahren könnte es aufgrund der Einführung von Google Instant einen Rückgang beim Traffic, also bei den Zugriffszahlen geben.