Neue Datenschutzbestimmungen Was Spotify mit den privaten Daten seiner Nutzer vorhat

Wer Musik hören will, muss längst keine CD mehr kaufen. Jetzt beeinflussen Streaming-Dienste auch die US-Charts.

(Foto: Afp)

Der Musik-Streamingdienst will künftig Fotos, Adressbücher und Standort seiner Nutzer erfassen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Caspar von Au

Wo bist du? Was machst du? Mit wem unterhältst du dich? Der Musik-Streamingdienst Spotify ändert seine Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen. Die Nutzer sollen einwilligen, dass das Programm auf private Fotos, Adressbücher und den Standort zugreifen kann. Ein Nein akzeptiert das Unternehmen nicht.

Was ist Spotify?

Spotify ist ein schwedischer Streamingdienst, über den die Nutzer kostenlos oder gegen monatliche Gebühr Musik über das Internet anhören können. Nach Angaben des Unternehmens können die Nutzer aus mehr als 30 Millionen Liedern wählen.

Wer nutzt den Dienst?

Etwa 75 Millionen Menschen weltweit. 20 Millionen von ihnen bezahlen für den Dienst. In Deutschland kostet die Premium-Version zehn Euro pro Monat.

Was habe ich davon, wenn ich dafür bezahle?

Für die zahlenden Nutzer fällt die Werbung weg, die Spotify sonst zwischen Liedern immer mal wieder einstreut. Weiterhin können sie den Dienst auch mobil unbegrenzt nutzen, die Musik wird in besserer Qualität abgespielt, und man kann sie sogar herunterladen und offline anhören.

Was ändert sich durch die neuen Datenschutzbestimmungen?

"Mit Ihrer Zustimmung erfassen wir Informationen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät gespeichert haben. Dazu gehören Kontakte, Fotos oder Mediendateien", heißt es in den neuen Datenschutzbestimmungen von Spotify. Außerdem will das Programm künftig Standort und Geschwindigkeit der Fortbewegung wissen.

"Für Nutzer stellt sich die Frage: Warum brauchen die Zugriff auf meine Fotos und meine Kontakte?", sagt Sebastian Ertel von Datenschutz Nord. "Für diese Daten sehe ich momentan keinen Anwendungsbereich."

Was bezweckt der Dienst mit den Änderungen?

Spotify will seinen Nutzern "das beste Musikerlebnis" bieten. Die erhobenen Daten würden dem Unternehmen helfen, das Erlebnis für jeden Nutzer individuell zu verbessern und künftig speziell abgestimmte Produkte zu entwickeln, heißt es in einer Stellungnahme von Spotify. Die Geschwindigkeit, in der sich die Nutzer bewegen, interessiert das Unternehmen angeblich, weil sich die Musik in einer neuen Funktion des Programms dem Lauftempo anpasst. "Change the way you run forever" - verändere für immer deine Art zu laufen, fordert Spotify seine Nutzer in einer Werbung auf.

Klärt endlich auf!

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Der erfreuliche Nebeneffekt für Spotify: Die erhobenen Daten kann das Unternehmen direkt zum Beispiel an seine Werbepartner weiterverkaufen, die ihrerseits ihre Werbung individuell an die Nutzer anpassen können. Das gelte allerdings nur für die Umsonst-Nutzer des Dienstes, behauptet Spotify. Die Werbepartner erhielten anonymisierte Nutzerdaten nur von diesen. Die Daten der zahlenden Nutzer würden nicht weitergegeben. Rechtsanwalt Ertel bezeichnet das als "Augenwischerei". "Wenn Daten gesammelt werden, weckt man auch Begehrlichkeiten", sagt er.

Kann man den Bestimmungen widersprechen?

Nein - beziehungsweise: Ja, man kann widersprechen, allerdings nicht, wenn man Spotify weiterhin nutzen möchte. Nutzer haben bis zum 19. September Zeit, sich die neuen Richtlinien durchzulesen und ihnen zuzustimmen. Tun sie das nicht, müssen sie künftig auf Spotify verzichten.

Sind sie mit dem Datenschutzrecht vereinbar?

Prinzipiell sei dieses "Friss-oder-Stirb-Prinzip" zulässig, weil Spotify keine Monopolstellung innehabe, sagt Ertel. "Es kommt darauf an, ob das schwedische oder das deutsche Datenschutzrecht in diesem Fall gilt." Das sei momentan noch unklar. Nach deutschem Recht müsse der Nutzer freiwillig entscheiden können, welche Daten das Unternehmen von einem erhebt. "Wenn ich auf freiwilliger Basis etwas einwillige, dann muss ich auch die Möglichkeit haben, es zu widerrufen."

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Offen bleibt die Frage, ob sich Spotify mit diesen neuen Richtlinien einen Gefallen tut. In einigen Internetforen und in Beiträgen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter haben viele Nutzer verkündet, den Musik-Streamingdienst nicht mehr zu nutzen. Sie hätten mit Bekanntwerden der neuen Bestimmungen ihren Account umgehend gelöscht.