Megaupload-Gründer veröffentlicht Musikvideo Kim Schmitz macht in Kirmespop

Jetzt singt der Mann auch noch! Kim Schmitz legendärer Hochstapler und Internetunternehmer hat am Freitag ein Musikvideo ins Netz gestellt. Er ruft darin zum Kampf gegen die US-Regierung auf. Es ist ein plumper Versuch, progressive Netzaktivisten für eigenen Zwecke zu vereinnahmen.

Von Pascal Paukner

Kim Schmitz scheint es blendend zu gehen. Zwar haben im vergangenen Januar die neuseeländischen Behörden Schmitz' Unternehmen Megaupload wegen des Verdachts auf Urheberrechtsverletzungen im großen Stil vom Netz genommen. Zwar saß Schmitz danach wochenlang im Gefängnis und durfte erst gegen die Zahlung einer Kaution wieder nach Hause. Zwar hat die USA kürzlich seine Auslieferung beantragt. Dennoch: Es scheint Kim Schmitz blendend zu gehen. Vielleicht sogar ein bisschen zu gut.

Anders ist nicht zu erklären, was der 38-Jährige jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Am Freitagmorgen stellte Schmitz die Webseite Kim.com ins Netz. Was dort zu sehen ist, ist ein Angriff auf die amerikanische Regierung, der selbst für Schmitz' Verhältnisse ungewöhnlich ist. "The Truth will come out", steht da dick, fett und in Versalien. Weiter unten der Vorwurf, die Obama-Regierung habe dem Internet den Krieg erklärt, indem sie Megaupload abgeschaltet habe. Und im Anschluss die suggestive Frage, ob man bei der Präsidentschaftswahl für Obama stimmen wolle. 1600 wollen das 4600 nicht. Man fragt sich, was das aussagen soll.

Und es ist nicht alles: Im Zentrum der Kampagne steht ein eigens produziertes Musikvideo, in welchem Schmitz selbst auftritt und die Parolen vorgibt. "Hollywood kontrolliert die Politik!" und "Der Krieg ums Internet hat begonnen!", ruft der selbsternannte Netzaktivist ins Mikrofon.

Anspruchsloser Kirmespop

Schmitz' Absichten sind durchsichtig, wie Dirk von Gehlen auf jetzt.de richtig analysiert: "Dieses politisch aufgeladene Werbevideo eines Geschäftsmanns wird vor allem deshalb keine Bedeutung erlangen, weil Kim Schmitz nicht im Ansatz verstanden hat, worum es im in der aktuell laufenden Urhebrrechtsdebatte eigentlich geht", schreibt von Gehlen.

Auch über die musikalische Bedeutung des Werks muss man gar nicht erst sprechen. Nur so viel: Es ist ähnlich anspruchslos wie Kirmespop, der zwar regelmäßig im Ohr hängen bleibt, da aber nur stört. Wer nach erstmaligem Hören nicht panisch den Browser geschloßen hat, kann sich das Stück immerhin kostenlos herunterladen.

Copyright-Hinweis auf der Seite

Unterlegt ist das Video mit Videoaufnahmen der Proteste gegen das Urheberrechtsabkommen Acta. Mit Kriegsbildern und Szenen einer Rede des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King. Später ist der gebürtige Kieler selbst zu sehen, in der Märtyrerolle vor Gericht. Jemand singt: "We will make history." Das ist plump, befremdlich, anmaßend. Auf YouTube schreibt ein Kommentator: "Wir sollten Kim unsere Bewegung nicht unterwandern lassen. Der Kampf um die Informationsfreiheit ist wertvoller als er."

Am Ende des Songs fordert Schmitz die Hörer auf, das Video frei im Netz zu verbreiten. Ganz auf sein Urheberrecht verzichten will er aber nicht: Auf der Promo-Webseite zum Song steht ein Copyright-Hinweis.