Kurioses Megaupload-Werbevideo Musikstars unterstützen Filesharing-Anbieter

Verkehrte Welt: Bei YouTube taucht ein Song auf, in dem Kanye West, Will.i.am, P. Diddy, Alicia Keys und andere Stars für den Filehoster Megaupload werben - einen Dienst, der ihre Songs kostenlos im Internet zugänglich macht. Hinter der PR-Aktion soll ein umstrittener deutscher Geschäftsmann stecken.

Von Kilian Haller

Es sind große Namen der Musikbranche wie Kanye West, Will.i.am, P. Diddy oder Alicia Keys, die derzeit mit einem neuen Werbespot für Gesprächsstoff im Netz sorgen: In einem Videoclip bekennen sich die US-Stars ausgerechnet zum umstrittenen Filehoster Megaupload, einem der Hassobjekte der Musikbranche.

Es ist aus drei Gründen kaum zu glauben, was da über den Rechner flimmert: Es ist erstens einfach unglaubwürdig, dass Topverdiener des Musikgeschäfts einen Service bewerben, auf dem Nutzer Dateien tauschen und damit auch Songs kostenlos verbreiten können. Zweitens erinnert das Lied qualitativ eher an den Quälgeist DJ Ötzi und seinen "Burger Dance" ("When I got to send files across the globe, I use Megaupload" reimt etwa Will.i.am). Drittens sind die genannten Musiker nur in zusammengeschnipselten, kurzen Szenen zu sehen - lediglich der verfremdete Gesang passt lückenlos in den Song.

Aber auch nach einer ausgiebigen Recherche gibt es keine Dementis, keine Beweise, dass es sich bei dem Werbecoup um ein Fake (also eine Fälschung) handeln könnte. Vielmehr scheint der Song aus einer mit Musik unterlegten Zusammenstellung von Videoclip-Ausschnitten zu bestehen, in denen P Diddy und Co. auf der Megaupload-Homepage den Filehosting-Dienst preisen.

Inzwischen scheint dieser ungewöhnliche Einsatz der Künstler auch die US-Musikindustrie zu beschäftigen: US-Medien berichten, dass die Universal Music Group (UMG) versucht haben soll, das Video von YouTube zu entfernen.

Rückkehr des "Kimvestors"

Megaupload bietet einen einfachen Service: User können Dateien hochladen und mit allen anderen im Internet teilen. Je populärer eine Datei ist, desto höhere Prämien bekommt derjenige überwiesen, der sie ins Netz gestellt hat. Einnahmen erzielt der Filehoster derzeit offenbar mit Werbeeinblendungen und kostenpflichtigen Premium-Accounts. Berichten zufolge soll das Unternehmen im Jahr 2010 auf diese Weise mehr als 200 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben.

Hinter Megaupload soll laut verschiedener Medienberichte ein ehemaliger Hacker stecken: Er ist in Kiel als Kim Schmitz geboren, lebt aber heute in Neuseeland und nennt sich Kim Dotcom. Der Mann hatte immer wieder mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen Aufsehen erregt - doch weder von der "Money Making Machine" Trendax, noch von der Organisation "Young Intelligent Hackers Against Terrorism" ist heute noch etwas zu hören. 2002 wurde Dotcom sogar zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt - wegen Insiderhandels mit Aktien. Im Video taucht Dotcom auch auf: Mit Kopfhörern und einem Mikrophon ausgerüstet will er sich in die Riege von Top-Musikern einreihen.

Im Netz wird die Aktion überwiegend positiv aufgenommen: Nur wenige diskutieren bei Twitter, ob es sich um eine Fälschung handeln könnte. Die meisten Nutzer reagieren auf die Sperrung des Songs mit Unverständnis und Solidarität gegenüber dem Filehoster. Ein Twitter-User schrieb in einer Anspielung auf das umstrittene SOPA-Gesetz, das derzeit in den USA diskutiert wird, die Aktion sei ein "klarer Beweis, dass die Musikindustrie keinen Button für Zensur in die Hand bekommen darf."

"Wir wollen, dass Kreative bezahlt werden"

Das Hacker-Magazin Torrent Freak ließ Kim Dotcom selbst zu Wort kommen: "Diese Kriminellen von UMG. Sie schicken illegitime Aufforderungen zum Löschen von Inhalten, an denen sie gar keine Rechte haben." Einem weiteren Torrent Freak-Artikel zufolge soll die Rechtsabteilung von Megaupload bereits eine Klage gegen den Musik-Giganten vorbereiten - damit würde der Jäger zum Gejagten werden. Die deutsche UMG erklärte am Montagabend, erst auf Anfrage von sueddeutsche.de von dem Video erfahren zu haben und deshalb keine Stellungnahme abgeben zu können.

Die Beteiligung der Musiker dürfte weniger ein Akt der Kritik an der Musikindustrie und ihrer teils rigiden Auslegung des Urheberrechts sein, sondern handfeste finanzielle Gründe haben. Bislang äußerte sich keiner der Beteiligten, ob für die Video-Empfehlung des Dienstes Geld geflossen sei. Kim Dotcom erklärte in einem aktuellen Interview lediglich, dass er Musiker in Zukunft an seinem Geschäftsmodell beteiligen wolle: "Wir wollen, dass Kreative bezahlt werden!".

Das Geschäftsmodell klingt allerdings äußerst dubios. So will der mutmaßliche Megaupload-Gründer die Nutzer des Dienstes dazu bringen, eine Software zu installieren, die Megaupload-Werbung auch auf anderen besuchten Webseiten einblendet: "Wie ein Ad Blocker - nur anstatt Werbung zu blocken, blenden wir unsere Werbung ein."