Julian Assange chattet beim Guardian Todesangst und Ufo-Akten

Wikileaks-Kopf Julian Assange beantwortet Fragen von Lesern des "Guardian" - und macht Verschwörungstheoretiker mit einem Hinweis auf Ufos neugierig.

Der Andrang war so groß, dass die Server des Guardian mehrmals in die Knie gingen: Die Ankündigung, Wikileaks-Chef Julian Assange würde User-Fragen beantworten, hatte sich am späten Vormittag im Netz wie ein Lauffeuer herumgesprochen.

Angela "Teflon" Merkel

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Mehr als 600 Fragen gingen für den Australier ein, der derzeit von Interpol gesucht wird und sich in Großbritannien aufhalten soll. Zuvor hatte es Verwirrung gegeben: Ein US-Domainverwalter hatte keine Anfragen mehr auf die Adresse wikileaks.org weitergeleitet, da derzeit Hacker die Seite massiv attackieren.

Wikileaks hatte am vergangenen Sonntag begonnen, 250.000 Geheimdepeschen von US-Botschaftsangehörigen zu veröffentlichen.

Die wichtigsten Aussagen des Wikileaks-Kopfes (das komplette Transkript des Guardian finden sie hier)

Assange über ...

... seinen Einfluss auf das Weltgeschehen: "Ich habe immer daran geglaubt, dass das Wikileaks-Konzept die Welt verändern wird(...) Ich dachte, es würde zwei anstatt vier Jahre dauern bis wir in unserer wichtigen Rolle anerkannt würden, wir sind also noch etwas hinter dem Zeitplan und haben noch sehr viel Arbeit vor uns."

... seine persönliche Sicherheit: "Die Drohungen gegen unser Leben sind eine verbürgte Tatsache, wir sorgen jedoch für die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, soweit das zumindest möglich ist, wenn man es mit einer Supermacht zu tun hat."

... zu der Abschaltung einiger Wikileaks-Server durch den US-Konzern Amazon: "Seit 2007 haben wir einige Server absichtlich an Orte gestellt, von denen wir ahnten, dass sie ein Meinungsfreiheits-Defizit hatten. Damit wollten wir die Realität hinter der Rhetorik zeigen. Amazon war einer dieser Fälle."

... den Vorwurf, er streiche den Ruhm für den Mut seiner Informanten ein: "In den vergangenen Jahren war eines unserer Ziele, uns um die Quellen zu kümmern, die echte Risiken bei jeder journalistischen Enthüllung auf sich nehmen und ohne die Journalisten nichts wären. Wenn es wirklich so ist, wie das Pentagon glaubt, dass der junge Soldat Bradley Manning (Er soll die Dokumente zu Afghanistan und Irak, sowie die Botschaftsdepeschen an Wikileaks gegeben haben und sitzt derzeit in Militärhaft; Anm. d. Red.) hinter einigen unserer jüngsten Enthüllungen steckt, ist er ohne Zweifel ein beispielloser Held."

... Ufo-Enthüllungen: "Sehr viele seltsame Typen schreiben uns E-Mails über Ufos oder darüber, dass sie beim Gespräch mit ihrer Exfrau über einer Topfpflanze bei einer Gartenparty herausgefunden hätten, der Antichrist zu sein. Jedoch haben diese unsere Veröffentlichungsregeln nicht erfüllt, die da lauten:

1. Die Dokumente dürfen nicht selbst verfasst worden sein;

2. Es muss sich um Originale handeln.

Jedoch ist anzumerken, dass in den noch zu veröffentlichenden Teilen des Geheimdepeschen-Archivs tatsächlich von Ufos geschrieben wird."

Auf die Kritik eines ehemaligen britischen Diplomaten ging Assange nicht ein. Als dieser ihm schilderte, warum Vertraulichkeit für seine Arbeit unabdingbar gewesen sei und ihn fragte, weshalb der Wikileaks-Chef beim Scheitern diplomatischer Anstrengungen bei der nächsten internationalen Krise nicht persönlich verantwortlich gemacht werden sollte, antwortete Assange: "Wenn Sie Ihren langen Leserbrief auf die eine Frage kürzen würden, die Sie eigentlich stellen wollten, würde ich ihr gern meine Aufmerksamkeit schenken."

Update, 6. Dezember: Im Teaser war ursprünglich von einem "Hinweis auf Außerirdische" die Rede. Dies war irreführend, wir haben ihn entsprechend geändert und bitten, dies zu entschuldigen (siehe auch Bildblog.de).