Gadgets für die Badehosen-Figur

Jawbone Up und Fitbit One im Test /
Von Thorsten Riedl
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Misst fast alles, was sich messen lässt: das Fitbit One

(Foto: Fitbit)

Frühling. Höchste Zeit einen Blick auf die Waage zu werfen und im Zwiegespräch mit sich selbst die Frage zu stellen, ob das alles seine Richtigkeit hat. Schließlich beginnt bald die Bikini- und Badehosen-Saison. Seit kurzem bieten kleine, technische Helfer ihre Unterstützung beim Vorhaben, was sowohl den Gadget-Fan in mir begeistert, als auch mein Gesundheitsbewusstsein fördert. Sogar mein Controller-Gen wird angesprochen, denn inzwischen habe ich unzählige Daten über mich gesammelt, die es auszuwerten gilt. So habe ich in den vergangenen Wochen Tag und Nacht meinen Körper vermessen, habe Dinge erfahren, die ich nie wissen wollte - und bin doch so schlau als wie zuvor.

Seit vier Wochen teste ich einen Jawbone Up und einen Fitbit One, zwei kleine Geräte, die früher vielleicht als Schrittezähler durchgegängen wären, aber doch so viel mehr können. Fiel es mir am Anfang schwer, mich zwischen beiden zu entscheiden, so war am Ende ein Sieger doch schnell gekürt. Denn eines der beiden Gadgets ist nach der kurzen Zeit schon den Weg alles Irdischen gegangen. Trotz expliziter Warnung des Herstellers. Und ich allein trage Schuld daran.

Beim Fitbit One handelt es sich um einen kleinen Stick, halb so groß wie ein Schokoriegel ... nein, wie eine Karotte etwa. Er lässt sich unbemerkt in der Hosentasche tragen, an einem Gürtelclip oder nachts in einem Armband, das beiliegt.

Miss alles, was sich messen lässt

Das Up von Jawbone, ja, genau, eigentlich für Kopfhörer und Lautsprecher bekannt, geht einen anderen Weg: Das Gerät wird ausschließlich am Armgelenk getragen - und das möglichst 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das Ziel der beiden Fitnesshelfer ist nämlich das gleiche: Die Träger sollen einen tiefen Einblick in ihre Gewohnheiten bekommen - und auf diese Weise schädliche erkennen und eliminieren. Getreu dem Motto von Archimedes: Miss alles, was sich messen lässt, und mach alles messbar, was sich nicht messen lässt.

Beide protokollieren von sich aus die Schrittfrequenz sowie die Schlafphasen. Das One erkennt zudem Stockwerke, das allerdings eher unzuverlässig. Gut hat das Messen des gegangenen Weges funktioniert. Obschon ich beide Geräte nicht kalibriert habe, stimmte die Entfernung bis auf einige Meter. One und Up lagen am Ende des Tages jeweils nur einige Dutzend Schritte auseinander.

Über das Smartphone beim Up und eine Web-Seite beim One lassen sich weitere Daten eintragen: das Gewicht beispielsweise, die Stimmung oder die täglichen Mahlzeiten, Kalorien inklusive. Das Up hat eine wunderbare App für Android und iPhone, eine für das iPad fehlt. Das One dagegen unterstützt ebenso beide Systeme, allerdings bislang nur wenige Geräte und bietet eine eher rudimentäre App - die von einem überzeugenden Web-Angebot ergänzt wird. Da schwächelt das Up.

Beide lassen sich mit anderen Fitness-Anwendungen verbinden, beispielsweise mit der Laufsoftware Runkeeper. Großer Unterschied zwischen Up und One: Das One wird angenehm problemlos über Bluetooth synchronisiert. Weil der Stick die neueste Version der Funkverbindung nutzt, hält sich der Stromverbrauch sowohl beim Stick als auch beim Handy in Grenzen. Für die Verbindung mit dem Computer liegt ein Bluetooth-Dongle bei.

Das Up dagegen verbindet sich ausschließlich mit dem Handy, und das ungewöhnlicherweise über den Kopfhörereingang. Man muss einen kleine Kappe abnehmen an einem Ende des Armbands, das Up in das iPhone stecken, dann geht die Synchronisierung flugs. Auf die zwei empfohlenen Steckverbindungen am Tag habe ich es beim Up aus Bequemlichkeit aber nie gebracht. Das war beim One kein Problem.

Armband aus Silber

Das Tragen des Armbands hat mich weniger gestört als gedacht, weder tags noch nachts, wobei ich das letzte Mal etwas Vergleichbares vor 25 Jahren am Arm hatte. Und das war aus Silber. Pubertät eben.

Das One verschwindet in der Hosentasche. Während es einige Daten wie zurückgelegte Schritte oder Stockwerke auf einem kleinen Display anzeigt, fehlt dem Up eine solche Anzeige. Bei beiden gibt es nur einen Knopf. Beim Up lässt sich damit vom Tages- zum Nacht-Modus umschalten. Begeistert beim Up hat mich die Möglichkeit, die Schlafphasen zu überwachen. Das macht zwar auch das One, allerdings weckt das Up morgens in einem frei wählbaren Zeitfenster, möglichst nicht in der Traumphase.

Es gibt auch einen Modus für ein Nickerchen. Dann überprüft das Up, das der Träger nicht in den Tiefschlaf fällt, und weckt ihn zuvor. Beides soll dafür sorgen, ausgeruhter aufzuwachen und hat hin und wieder auch funktioniert, denn beide Gadgets vibrieren lediglich, und das eher kurz, es gibt keinen Ton. Obschon ich morgens relativ leicht aufkomme, habe ich den Alarm beider Gadgets mehrfach "überfühlt". Ohne zweiten Wecker ging es also nicht. So weit, so gut:

Beide Geräte sind nicht der Weisheit letzter Schluss, aber technisch recht weit gereift. Nur: Was tun mit den Daten? Nun weiß ich, dass Menschen meines Alters im Schnitt nur 6344 Schritte am Tag zurücklegen. Ich schaffe locker das Doppelte.

Die Software des Up gibt von sich Tipps, wie die Leistung zu steigern ist, eher profan aber, beispielsweise morgens mal zu Fuß zum Büro zu gehen. Das One spart sich das, zeigt nur kurze Nachrichten wie "Halt mich" auf dem kleinen Display, die das Herz des Gadget-Freaks höher schlagen lassen (sollen).

Hübsche Grafiken

Ohne Trainingsplan sind beide nutzlos. Da helfen auch zumindest mir die virtuellen Abzeichen nichts, die sich beim One verdienen lassen, ein Heißluftballon zum Beispiel für 2000 gemeisterte Stockwerke. Aber was gemessen wird, muss eben kontrolliert werden, um Sinn zu ergeben. Die Seite tictrac.com eignet sich dafür. Hier lassen sich allerlei Daten eintragen, teils automatisch, teils via App oder Web, und in hübschen Grafiken miteinander vergleichen.

Schlafe ich schlechter, wenn ich tagsüber mehr getwittert habe? Gehe ich längere Strecken, wenn ich weniger maile? Hypothesen nur, tictrac.com liefert den grafischen Beweis.

Das One und das Up helfen also für sich genommen wenig beim Ziel, die Badehosenfigur aufzupolieren. Man muss einige Zeit in die Auswertung der Gadget-Daten investieren. Mir war das auf Dauer zu aufwändig. Immerhin haben mich die kleinen Geräte aber dazu animiert, wieder regelmäßig zu joggen - ohne besagte Gadgets (aber mit anderen).

Jeder sollte vor dem Kauf für sich abwägen, ob er der Typ für einen solchen Helfer ist. Immerhin kostet jedes der Geräte 100 Euro oder mehr. Bald werden Smartwatches für wenig mehr Geld zu haben sein, mit vergleichbaren Funktionen und noch mehr. Seit kurzem gibt es das Nike FuelBand auch in Deutschland, ein Fitnesstracker, der ebenso die Zeit anzeigt. Somit entfällt ein Gerät am Arm. Von Fitbit gibt es nun auch ein Armband. Beim nächsten Mal würde ich definitiv das nehmen.

Mein Fitbit One nämlich hat, vergessen, einsam und allein in einer Hosentasche, die Wäsche bei 90 Grad nicht überstanden - trotz explizierter Warnung in der Bedienungsanleitung. Für mich der einzige Trost: Ich scheine nicht der einzige schusselige Gadget-Freak zu sein.