IT-Sicherheit Eichhörnchen sind gefährlicher als Hacker

Schäden durch Eichhörnchen sind genau registriert. Anders als die Angriffe von zweibeinigen Hackern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Von Menschen keine Spur: Für die Angriffe auf Internetkabel und Stromnetze sind meist Tiere verantwortlich.

Von Hakan Tanriverdi, New York

Eichhörnchen sind eine größere Gefahr für die digitale Infrastruktur als Hacker. In knapp 630 dokumentierten Fällen weltweit haben die Nager nach Angaben der Webseite cybersquirrel1.com Kabel zerbissen und Stromnetze lahmgelegt. Hacker hingegen hätten nur in einem Fall für Aussetzer gesorgt, und zwar im berüchtigten Stuxnet-Angriff, mit dem die USA angeblich das iranische Atomprogramm um Jahre verzögert haben sollen. Eichhörnchen sind der Webseite zufolge für den Großteil der 48 stromfreien Stunden verantwortlich gewesen, die im Dezember 2015 durch Tiere verursacht wurden.

Zugegeben, diese "Statistik" wirkt wie ein Witz, erfüllt jedoch einen Zweck: auf die massive Gefahr für kritische Infrastrukturen hinzuweisen. Seit Jahren warnen hochrangige Mitarbeiter von Geheimdiensten, Politiker und Anbieter von IT-Sicherheitsprodukten vor Angriffen auf Atomkraftwerke, Banken, Eisenbahnnetze oder Krankenhäuser. In Deutschland wurde deswegen ein - Experten zufolge unzureichendes - IT-Sicherheitsgesetz erlassen.

Ebenfalls gefährlich: Ratten, Schlangen, Waschbären

Die Betreiber der Webseite erklärten im Interview mit dem US-Magazin The Atlantic, seit Jahren werde davor gewarnt, dass kritische Infrastrukturen einem enormen Risiko ausgesetzt seien, "aber es gibt keine dokumentierten Fälle, in denen diese Angriffe wirklich stattgefunden haben". Außer eben durch Eichhörnchen - oder Ratten, Schlangen, Waschbären und andere Tiere. Von Hackern sei (noch) keine Spur.

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Vor ein paar Wochen fiel in der Ukraine während der Weihnachtsfeiertage für Hunderttausende stundenlang der Strom aus. Nach Angaben von IT-Sicherheitsexperten führe die Spur nach Russland. Auch in Deutschland soll infolge eines Hackerangriffs ein Stahlwerk beschädigt worden sein. Diese Fälle sind nicht auf der Webseite zu lesen, da sie nicht als voll aufgeklärt gelten.

Die Angst vor Cyberattacken ist ein Hype-Thema

Wie sehr das Thema Cyberattacke derzeit zum Hype verkommt, zeigte sich wieder in der vergangenen Woche während einer IT-Sicherheitskonferenz in Israel. Dort sagte Yuval Steinitz, dass Israel derzeit von einem solchen Angriff heimgesucht werde: "Der Virus wurde bereits identifiziert und die richtige Software vorbereitet, um diesen zu neutralisieren". Die Nachricht verbreitete sich weltweit, schließlich ist Steinitz Energieminister des Landes. Doch im Nachhinein stellte sich heraus, dass lediglich ein einzelner Mitarbeiter eine mit Schadsoftware infizierte E-Mail erhalten hatte - mitnichten ein Cyberangriff also.

Auf der Webseite werden die Orte, an denen die Tiere einen "Cyber-Angriff" "verübt" haben, rot markiert. Aktuell scheint es so, als ob die Tiere vor allem Europa und die USA ins Visier nehmen. Doch das liegt wohl daran, dass die Macher der Webseite sich auf Nachrichten und auf die Archiv-Funktion des Internets verlassen. Diese deckt aber nicht alle Teile der Welt gut genug ab. Deshalb haben die Betreiber in sozialen Netzwerken um Hilfe gebeten, um weitere Punkte markieren zu können.

Israel ist zur Zeit noch attackenfrei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eichhörnchen schneller zuschlagen werden als tatsächliche Hacker, ist sehr hoch.

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