Ein Magazin aus Facebook- und Twitternachrichten, opulent präsentiert: Die Flipboard-App für das iPad berauscht die Netzgemeinde - und könnte die Zukunft unseres Medienkonsums darstellen.
In Technologieblogs und bei Twitter stapeln sich die Begeisterungsmeldungen: Von der "Zukunft der Nachrichten" ist die Rede, vom "Magazin meiner Freunde". Flipboard, eine neue kostenlose App für das iPad, trifft offenbar den Nerv der Internetnutzer.
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Trailer für die Flipboard-App: Kostenlos mit eingeblendeter Werbung. (© Screenshot: YouTube.com)
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Das Prinzip des Mini-Programms ist einfach: Flipboard sammelt aktuelle Twitter- und Facebook-Nachrichten von Freunden sowie, wenn gewünscht, Inhalte ausgewählter Nachrichtenseiten.
Das alles wird optisch opulent als digitales Echtzeit-Magazin präsentiert: Das Urlaubsvideo des besten Kumpels steht so neben dem empfohlenen Artikel zur Ölpest im Golf von Mexiko. Flipboard, so die ersten Kommentatoren, trägt dem Informationsverständnis der internetaffinen Generation Rechenschaft, das sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Wenn eine Nachricht wichtig ist, wird sie mich schon finden.
Das Resultat dieser Empfehlungskultur war bislang ein eher unübersichtlicher Nachrichtenfluss. Dieser erhält nun eine abgeschlossene, im Wortsinn handliche Form. "Die zeitlosen Prinzipien des Gedruckten können soziale Medien weniger laut und der Allgemeinheit besser zugänglich machen", beschreibt Flipboard-Chef Mike McCue sein Konzept.
Neugier sorgt für Absturz
Die Verlage dürften diese Entwicklung, so sie anhält, mit Sorge verfolgen. Mit Hilfe des iPads wollen sie auf dem digitalen Medienmarkt endlich ordentliches Geld verdienen - mit eigenen Inhalten. Flipboard hingegen bedient sich fröhlich im ganzen Netz.
Die neue App fürs iPad zeigt zwar keine Volltexte, sondern nur Textauszüge und Bilder, bevor sie auf die eigentlichen Artikel verlinkt. Da um die fremden Inhalte herum aber Werbung platziert wird, rechnen Beobachter bereits mit Klagen von Verlagen.
Die iPad-Nutzer scheint das vorerst kaum zu stören. Am Donnerstag, kurz nach dem Start, war die Zahl der Zugriffe auf die App so hoch, dass Flipboard immer wieder abstürzte.
Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.
- Wozu noch Journalismus? Papier ist geduldig, der Leser ungeduldig 27.05.2010
- Apples Flachcomputer im Test iPad: Faszination und Schwäche 26.05.2010
- Webcams als Diebstahlschutz Mann erwischt Einbrecher aus 8000 Kilometer Entfernung 23.11.2011
- Tablet-PCs im Vergleich Alle gegen eines 22.11.2011
- Die SZ kommt aufs iPad Wer die Süddeutsche Zeitung mag, wird diese App lieben 28.10.2011
- Little Britain Unheimliches "i" vor dem Tod 15.10.2011
- Burlesque-Star mag nicht nur 30er-Jahre-Stil Dita Von Teese steht auf moderne Technik 14.10.2011
(SZ vom 23.07.2010/joku)
Die Netzneutralität ist sicherzustellen, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass unsere Regulierungsbehörden dafür sorgen, dass die Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Netzzugang garantiert ist. Ähnlich wie Strom-, Schienen-, Gasleitungs- und andere Netze wird auch das Datennetz (=die Netzinfrastruktur) dem Markt offenstehen. Die Frage der Bandbreite ist aber eine andere, und da wird der, der viel zahlt, auch in Zukunft mehr bekommen als der, der wenig zahlt. Die Contentprovider zur Kasse zu bitten... glaube nicht dass das was wird. Wird m.E. beim Endkunden hängenbleiben, wie bisher.
Apps wie diese sind kein altruistisches Geschenk an den ipadverwender, sie sind ein Geschäftsmodell. Welches dahinter steht, weiss ich nicht (Werbung, plus der Verkauf erhobener Daten vermutlich, aber wer weiss das schon genau). Das ist halt ein Zwischenhändler, der Ware umverpackt. Und umverpacken (und mit Werbung garnieren) kann er nur im Umfang der Rechte, die er an der Ware hat. Manches darf er, anderes nicht. Tut er's doch, wird ihm irgenwer auf die Finger klopfen. Ein Beispiel aus dem richtigen Leben: versuchen Sie mal, kostenlose Parfum(produkt)proben umzuverpacken und zu verkaufen: das ist bestenfalls auf dem Flohmarkt eine gute Idee. Wenn Sie das ganze dann noch mit Werbung für Drittprodukte bedrucken...
@Leser222:
"Diese app, wie viele andere auch, kostet erstmal Geld und lebt parasitär in der Infrastruktur der Netzprovider und der Contentprovider."
Ich hoffe, Du weisst, was Du mit solchen Aussagen meinst - die Netzbetreiber fangen gerade weltweit eine Diskussion an, ob man Contentanbieter zur Kasse bieten müsste, wenn sie mit ihren Inhalten über die Netze der Provider Geld verdienen (Stichwort Netzneutralität). Ich persönlich finde das in höchstem Maße gefährlich und vermessen (und bin damit nicht allein), denn abgesehen davon, dass Anschluss ans Netz Geld kostet und eigentlich klar sein sollte, dass damit eine gewisse Bandbreite inklusive sein sollte, unabhängig davon, ob es Privatvergnügen oder teuer finanzierte Inhalte sind, läuft eine solche Entwicklung früher oder später auf ein Zweiklassennetz hinaus, in dem große Anbieter (wie z.B. Google) die Leitungen/Bandbreite aufkaufen und entsprechend performant sind und kleinere, freie Angebote (bildblog, wikileaks, netzpolitik, andere private Blogs (ja, auch da gibt es Perlen)) plötzlich quasi vom Netz ausgeschlossen sind, weil sie nicht die finanziellen Möglichkeiten haben...
Die Diskussion fängt in Deutschland gerade erst an, mit einigen interessanten Aussagen von Obermann im Manager Magazin hat die Deutsche Telekom wohl gerade Stellung gegen die Netzneutralität eingenommen.
kann ich langsam nicht mehr hören. In dieser Branche sind über lange Zeit Renditen von bis zu 20% eingefahren worden, so etwas gibt es sonst in fast keinem legalen Geschäft. (http://bit.ly/9iHeY8 ) Ausgerechnet einige der lautesten Lamentierer unter Ihnen vermelden aber nach wie vor gute bis sehr gute Geschäftsergebnisse (gerade eben zb. Springer http://bit.ly/abcqRB). Wer saftige Verluste macht sind SZ Verlag, FAZ und viele andere, aber die machen diese Verluste doch nicht wegen google, Apple und Co.?
Der Grund ist, dass ihnen das Anzeigengeschäft von anderen (Monster, mobile etc) abgenommen worden ist und das sie dieses nie zurückgewonnen haben _obwohl_ sie die Herren über den "Marken-Content" sind. Die Argumentation, dass google parasitär Inhalte verwertet ist für mich nicht überzeugend, wenn man weiß, dass es ein leichtes wäre google auszusperren. Das ist eine eindeutige win-win-Situation die google traffic und Relevanz bringt und den Verlagen ebenfalls. Das google dabei erheblich mehr verdient hat doch mit seiner quasi-Monopolstellung als Suchmaschine zu tun und der Konzentration des Traffic und viel weniger mit dem Zeitungs-Content. Da loben sich die Verlage für eine Leistung die sie nur zu einem verschwindenden Anteil erbracht haben.
@Portman: die (Zeitungs-) Inhalte sind sog. Erfahrungsgüter (Shapiro/Varian: "information rules") die man erfahren muss um ihren Wert zu kennen, d.h. Geld vorher verlangen wird immer schwieriger. Ich würde nicht darauf setzen, dass der Untergang von ein paar Medienmarken die Konsumenten zum Umdenken bewegt. Ich kenne auch keinen Wirtschaftswissenschaftler der argumentiert, dass der alleinige Verkauf von kurzfristig relevanten Inhalten außerhalb von relativ kleinen Nischen eine Zukunft hat. Es sind zunehmend kollaterale Geschäftsmodelle und gerade da legt flipboard eine der ersten Interpretation vor, mit der das iPad hält was Apple versprochen hat. Bedenklich ist nur, dass zu den Kapitalgebern mal wieder kein Verlag gehört. (http://bit.ly/bsvPrQ) unzulässig finde ich auch die automatische Gleichsetzung von Journalismus mit Verlagen in der heutigen Form. Was ein Verlag morgen leistet ist meiner Ansicht nach noch gar nicht entschieden.
@Leser222: könnte sein das Sie recht haben und das nur ein weiteres Tamagotchi ist. Wenn ich Verleger wäre würde ich aber nicht drauf wetten wenn währenddessen mein Unternehmen Millionen Verluste macht während andere Milliardengewinne machen.
Es freut mich, dass wir hier tatsächlich eine angenehme Diskussion zu Stande bringen. Vielen Dank auch an Johannes - es ist leider immer noch sehr selten, dass sich ein Journalist an einer Diskussion zu seinem Artikel beteiligt.
Ich gebe gerne zu, dass mein Kommentar ein wenig polemisch und vielleicht auch über's Ziel hinausgeschossen ist - sobald in einem Artikel eines Printmediums auf 'Verlage' hingewiesen wird, die etwas 'mit Sorge verfolgen', oder 'Beobachter', die 'mit etwas rechnen', klingt das für mich immer ein bisschen zu sehr nach 'wir haben ein echtes Problem damit, aber anstatt es selber zu sagen, legen wir die Sorgen lieber unseren Kollegen in den Mund'. So ganz ist meine Sorge in diesem Fall noch nicht verflogen, aber ich gebe zu, dass Johannes' Artikel zum größten Teil angenehm neutral formuliert ist.
Über den Artikel hinaus denke ich aber, dass es sich lohnt, das Thema Leistungsschutzrecht aktiver anzugehen und auch "die Süddeutsche" bzw. einzelne Journalisten der SZ dazu zu bringen, aktiv und öffentlich dazu Stellung zu nehmen. Johannes schreibt, dass er 'an anderer Stelle im Netz' dazu bereits etwas geschrieben hat, was ich leider auf die Schnelle noch nicht gefunden habe, aber ich suche noch... (kopfzeiler?). Einige seiner anderen Texte über die Zukunft des Journalismus lassen mich aber aufhorchen und vermuten, dass ich hier jemanden angehe, der 'im Prinzip' auf meiner Seite steht...
Was das eigentliche Thema hier (Flipboard) anbelangt, denke ich, dass die Jungs vielleicht technisch über's Ziel hinausgeschossen sind (Missachtung von RSS), im Prinzip aber die Verlage immer noch unterstützen, indem sie Teasertexte veröffentlichen und die Leser dazu bringen, auf die Webseite zu gehen. Der große Vorteil von Flipboard ist ja auch, dass es eben keinen Adblocker hat, der ja inzwischen gefühlt auf 80% aller Webbrowser aktiviert ist.
Ich habe zumindest in meinen zwei Tagen Flipboard-Nutzung schon lange nicht mehr so viel Werbung gesehen, aber es stört mich kaum, schließlich muss ich nicht lange nach etwas zwischen bunten, blinkenden Bildern suchen, sondern bin bereits genau da, wo ich hinwollte.
Und als letztes: @Harpagonos: Wie kommst Du darauf, dass Apple Artikel inhaltlich zensiert? Man kann zu Apple's rigoroser AppStore-Politik ja stehen, wie man will (ich bin nicht glücklich darüber), aber ich habe noch nichts davon gehört, dass sie irgendetwas von FlipBoards Inhalt zensieren oder kürzen...
hm, was war jetzt an meinem Beitrag schlecht? Unwahr? Gelogen?
Ich kann nichts finden und verstehe deshalb das Minus nicht. Will der Minusman oder die Minuswoman damit seiner / ihrer Auffassung Ausdruck verleihen, dass es ganz toll ist, wenn es keine richtigen Journalisten mehr gibt? Das ruhig alle Verlage pleite gehen sollen solange Apple, Google usw. sich dumm und dusselig verdienen?
Das zwar Inhalte die eigentliche Ware des Internet sind aber alles umsonst angeboten werden soll? Klären Sie uns auf Minusman / Minuswoman - ich schlafe vor Spannung schon ein ...
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