Wenn begründete Kritik zu diffusem Ressentiment wird: In der Diskussion um Google und Facebook prallen analoges Denken und die digitale Welt aufeinander. Es ist an der Zeit, dieses Missverständnis aufzulösen.
Am Donnerstag stand Ilse Aigner in ihrem Ministerium in Berlin und sprach zur Presse. Die Ministerin für Verbraucherschutz trug schwarz und überbrachte die Todesnachricht für ihre Facebook-Mitgliedschaft. "Ich war ein großer Fan von Facebook", sagte Aigner. "Aber der Datenschutz auf der Seite entspricht nicht den deutschen Gesetzen." Folglich werde sie ihr Profil löschen. Sobald sie ihre 4300 digitalen Freunde über das Ende informiert habe.
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Im Netz gefangen? Bei der Debatte um die Digitalisierung vergessen wir oft, dass das Internet ein zwar technischer, aber doch vor allem ein Fortschritt ist. (© iStock)
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Facebook ist ein soziales Netzwerk, also eine Internetseite, auf der sich Menschen aus der ganzen Welt miteinander austauschen könne. Sie teilen ihre privaten Fotos, Texte und Freundschaften einem Zirkel aus Bekannten mit.
Wer welche Daten sehen darf, welche Informationen in den Besitz von Facebook übergehen und welche Details Facebook dauerhaft speichern oder an weitere Unternehmen weitergeben darf, das sind die wichtigsten von vielen Streitpunkten zwischen dem amerikanischen Konzern und Datenschützern in aller Welt.
Facebook und Google im Zentrum der Kritik
Facebook steht deshalb zusammen mit dem Internetkonzern Google an prominentester Stelle in der Kritik, wenn es um Datenschutz und Privatsphäre von Nutzern geht. An den Konflikten, die die beiden Unternehmen derzeit durchstehen müssen, lässt sich das Aufeinanderprallen von analogem Denken und digitaler Welt exemplarisch beschreiben.
Dem Berliner Pressetermin am Donnerstag waren Gespräche zwischen Aigner und Richard Allan vorausgegangen. Der ehemalige Politiker aus Großbritannien vertritt das amerikanische Unternehmen auf dem europäischen Markt. Die Gespräche mit Allan hätten ihre Skepsis dem Unternehmen gegenüber vergrößert, sagte Aigner.
Und tatsächlich sind das, was in der Presse als Datenschutzskandal bei Facebook und bei Google beschrieben wurde, auf den ersten Blick unangenehme Geschäftspraktiken, die Übles erahnen lassen, was die Wertschätzung der Kunden und ihrer Daten in den beiden Unternehmen betrifft.
Erstaunlich detailliertes Psychogramm
Eine unvollständige Zusammenfassung nur der größten Datenpannen in den letzten Monaten: Facebook-Nutzer konnten in den Unterhaltungen anderer Facebook-Nutzer mitlesen. Daten sollen ohne Zustimmung der Surfer von Facebook an Werbekunden und Kooperationspartner weitergegeben worden sein.
Facebook soll auch von Menschen, die auf der Plattform gar nicht registriert sind, nicht auffindbare, aber dauerhaft gespeicherte Profile anlegen. Facebook soll jede einzelne Aktion eines Nutzers speichern, auch solche, bei denen das schwer vorstellbar ist, zum Beispiel Suchen auf der Webseite, die zu keinem relevanten Ergebnis führen.
Aus all diesen Daten kann man ein erstaunlich detailliertes Psychogramm einzelner Personen basteln. All die kleinen, durch Probleme der Technik verursachten Probleme und die großen Skandale, die durch eine Firmenstrategie ohne jeden Sinn für Datenschutz entstanden sind, haben in den letzten Monaten das Image des einst sympathischen Startup-Konzerns ruiniert. Mittlerweile befasst sich der amerikanische Kongress mit den Problemen, und Facebook-Boss Mark Zuckerberg muss öffentlich Abbitte kundtun, zuletzt in der Washington Post.
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Medienkompetenz spielt doch immer eine Rolle. Viel interessanter finde ich die Frage, warum immer nur der digitale Datenhunger der Konzerne, seltener aber staatlicher Organisationen thematisiert wird. Bei den letzten vier Absätzen könnte man "Unternehmen"/"Konzern"/"Anbieter"/"Google"/"Facebook" auch gut durch "Staat" austauschen. Der Schutz der Daten der Bürger gegenüber Interessen von Polizei, Justiz und Wirtschaftspolitik kommt auch medial zu kurz. Bei Google und Facebook kann der Konsument immer noch entscheiden, ob er das Produkt nutzen will oder nicht. Bei Entwicklungen wie Vorratsdatenspeicherung, Störerdatei oder RFID im Ausweis wachsen Strukturen, die irgendwann auch zu Begehrlichkeiten führen. INDECT ist nur ein Beispiel dafür.