Internet-Währung Bitcoin Kampf ums Kapital

Hier kann mit Bitcoins bezahlt werden: ein Lokal in Berlin

(Foto: Getty Images)

Das Finanzsystem kämpft gegen die Krise. Jetzt soll das Internet alles besser machen. Der Kurs der umstrittenen Digitalwährung Bitcoin ist über Wochen enorm gestiegen - und nun wieder einmal abgestürzt. Die Geschichte eines großen Experiments, das zur Konkurrenz für Euro, Dollar und Yen werden soll.

Von Varinia Bernau, Andreas Jalsovec, Moritz Koch, Pascal Paukner und Nakissa Salavati

Als die Blase platzt, bestellt sich Jens Schmelkus gerade seine zweite Apfelschorle. "Das war fällig", sagt der 24-Jährige. "Wenn da einer 10.000 Euro reinschmeißt, dann zappelt alles." Er starrt auf den Computerbildschirm. Zahlen, Balkendiagramme, Linien. Es geht nach unten. Niemand schmeißt rein, alle nehmen an diesem Abend raus. 266 Dollar war ein Bitcoin am Nachmittag noch wert. Nun hängt die Kurve bei 180 Dollar. Und es wird noch schlimmer.

Innerhalb weniger Stunden ist der Kurs der Bitcoins am Mittwochabend um mehr als 50 Prozent abgestürzt. Wieder einmal. Wie viele solcher Crashs Schmelkus schon erlebt hat, weiß er nicht genau. Dabei trifft ihn solch ein Kurssturz jedes Mal. Schmelkus studiert Luft- und Raumfahrttechnik in München. Und er ist Minenbesitzer.

Rund um die Uhr läuft bei ihm ein Spezialcomputer, der in einem komplizierten Prozess verschlüsselte Zahlen mit unverschlüsselten Zahlen bombardiert. Macht er das so lange, bis beide Zahlenkombinationen übereinstimmen, dann ist ein Bitcoin entstanden. Mining heißt das. Digitales Geldschürfen.

Keine Kontrolle, keine Bürgschaft

Schmelkus' Computer steht am Anfang. Am Anfang einer virtuellen Münze, für die keine Bank bürgt und die keiner Kontrolle unterliegt. Die im Netz geschaffen und gehandelt wird. Die es erst seit drei Jahren gibt - und deren Kurs in den vergangenen Wochen einer Berg- und Talfahrt glich.

Schmelkus' Computer steht aber auch am Anfang einer Geschichte, die viel über unsere Gesellschaft erzählt. Von verlorenem Vertrauen in Banken und Staaten. Von der Suche nach Verlässlichkeit. Und vom Glauben an die Technik.

Kaum war in Zypern die Teilenteignung vermögender Bankkunden vereinbart worden, sprangen an den Märkten für das virtuelle Geld die Preise in die Höhe. Ein Zufall? Wohl kaum. Vor allem Spanier, so scheint es, haben ihre Guthaben umgeschichtet. Schließlich könnte ihr Land das nächste sein, das in der Krise untergeht. Während in Zypern entsetzte Sparer auf die Straße ziehen, steigen in Spanien Google-Suchen nach Bitcoins rapide an. Zugleich werden die Apps für Smartphones, die den Handel mit Bitcoins vereinfachen, in Spanien so oft heruntergeladen wie kaum eine andere.