Internet-Konferenz in Berlin Wo die Re:publica lohnt

Am Mittwoch startet in Berlin die Internet-Konferenz Re:publica. Ein kurzer Überblick über die spannendsten Veranstaltungen.

Von Johannes Kuhn

Re:publica-Homepage: "Die Leute. Die Technik. Die Veranstaltungen."

(Foto: Screenshot: re-publica.de)

Ich musste ein bisschen schmunzeln, als ich nach den Berichten zur ersten Re:publica 2007 gesucht habe. " Easy. Alles wirkt so easy. Die Leute. Die Technik. Die Veranstaltungen. Die Atmosphäre.", hieß es damals beispielsweise bei jetzt.de. Während Thilo Baum die fehlenden Katzenblogger bemängelte, gab es anderswo viel Lob für die Möglichkeit, per SMS Vorträge direkt auf einer Leinwand kommentieren zu können (meines Wissens gab es diese Funktion auch im Jahr darauf). Und natürlich fanden auch Debatten über Selbstreferentialität statt, die sich letztlich in sich selbst verloren.

Mit der steigenden gesellschaftlichen Relevanz des Internets sank in den vergangenen Jahren auch der Selbstbezug - inzwischen ist das ehemalige Bloggertreffen eher eine Konferenz für netzpolitische Themen, nicht selten aber auch einfach eine Vorstellungsplattform für Aktivisten- und (von Intention und Niveau her betrachtet: leider) auch Unternehmensprojekte. Eine subjektive Auswahl von lohnenswerten Debatten und Vorträgen.

[] Creative Internet Business: Made in Germany (Mittwoch, 11 Uhr, Stage 2) Während sich in Sachen Aktivismus immer mehr tut, sind Debatten über den Start-up-Standort Deutschland meist eher zum Weinen (ziehen wir jetzt mal den Berlin-Hype ab). So wird auch diese Diskussion, bei der Politik, Risikokapitalgeber und Start-up-Gründer an einem Tisch sitzen, keine Lösung des Problems bringen. Aber womöglich Erklärungen.

[] Tatort Urheberrecht (Donnerstag, 19 Uhr, Stage 6) Marcel Weiß diskutiert mit dem Tatort-Autor Knut Böser über die Vergütung von Urhebern in der digitalen Welt. Ob der Dialog danach etwas zivilisierter wird oder wieder offene Briefe verschickt werden?

[] Dark Side Of Action (Donnerstag, 17:30 Uhr) Hackergruppen und digitale Aktivisten sind inzwischen so allgegenwärtig, dass sie längst als Akteure bei politischen und gesellschaftlichen Veränderungen anerkannt sind. Von außen ist dabei die Schattenseite kaum zu erkennen: Die Beteiligten sind häufig hohem Druck und Versagensangst ausgesetz. Ein Gespräch soll das Tabu Depression in der Hackerkultur brechen.

[] Der digitale Dorfplatz: Privat oder öffentlich? (Donnerstag, 19 Uhr, Stage 3) Wer gibt die Rahmenbedingungen für das Netz als Kommunikationsort vor? Plattform-Betreiber wie Facebook oder Twitter? Länder, indem sie Regeln für den Einsatz dieser Dialogwerkzeuge setzen? Oder die Nutzer, indem sie sich genau diesen Einflüssen zu entziehen lernen? Diskussion in großer Runde, inklusive Vertreter des Bundesinnenministeriums.

[] Iranian internet between Freedom and Isolation (Donnerstag, 19:30 Uhr, Stage 3) Daten können Geschichten erzählen - auch über Internetzensur und -kontrolle in Iran. Sollten sich Web- oder Grafikdesigner mit politischen Themen auseinandersetzen? Und wenn ja, wie?

[] Made in My Backyard (Freitag, 10 Uhr, Stage 2) "Do it yourself" bekommt im Zeitalter der Kollaborations-Wirtschaft und im Hinblick auf die langsam wachsende Bedeutung von 3-D-Druckern eine ganz neue, womöglich bahnbrechende Bedeutung. Und weil die gesellschaftlichen Folgen einen geisteswissenschaftlichen Überbau brauchen, bringt Bas van Abel (Ko-Autor von "Open Design Now") Mass customization und Marx zusammen.

[] Copyriots! Der Kampf der Kulturen (Freitag, 11:15 Uhr, Stage 2)

Ob es wirklich zu Ausschreitungen kommen wird? Immerhin will die Gema einen Vertreter zu dieser Diskussion entsenden. Regisseur und tape-tv-Gründer Conrad Fritzsch, Sängerin Roxanne De Bastion, Filmkomponist Hans Hafner und Konrad von Löhneysen (Bundesverband der Musikindustrie) komplettieren das Feld. Auch hier gilt es erst einmal die Dialogphase zu erreichen.

[] Resisting Surveillance State and ist network effects (Freitag, 12:30 Uhr)

Der Kontrollverlust, den jeder Internet-Nutzer bezüglich seiner Datenspuren erfährt, hat inzwischen ein geradezu bedrohliches Ausmaß angenommen. Promi-Hacker Jacob Appelbaum und Kunst-Hacker Dmytri Kleiner versuchen, Wege aus dem Dilemma zu zeigen.

[] The revolution around the corner (Freitag, 15 Uhr, Stage 7)

Das Internet der Dinge, das bislang dumme Geräte miteinander kommunizieren lässt (weit jenseits des bekannten Beispiels "denkender Kühlschrank"), nimmt langsam Form an. Martin Spindler erklärt hoffentlich, was funktionieren wird und was Wolkenkuckucksheim ist.

[] Crowdfunding

Mit der co:funding findet sich auf der Re:publica eine Subkonferenz zum Thema Crowdfunding. Die Finanzierungsform mag in Deutschland noch in den Kinderschuhen stecken, dürfte aber in den kommenden Jahren deutlich wichtiger werden.

Disclaimer: Ich kenne einige der Teilnehmer an den Debatten und Vorträgen persönlich, habe aber auch Slots mir bekannter Personen ausgelassen. Bei der Re:publica werden auch Mitarbeiter des Süddeutschen Verlags Vorträge halten, bei den Vorgestellten ist keiner dabei.