Google hat sein Programm für gemeinnützige Zwecke geöffnet. Seit 2007 gibt es Google Earth Outreach - eine Plattform, auf der Umwelt- und Wohlfahrtsverbände eigene Anwendungen und Karten entwickeln und veröffentlichen können. Sie wurde von der Programmiererin Rebecca Moore ins Leben gerufen, die kurz zuvor mit Hilfe einer animierten Karte erfolgreich gegen Abholzungen nahe ihres kalifornischen Zuhauses protestiert hatte und nun das Projekt leitet.
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Mithilfe von Googles Keyhole Markup Language (KML) können Nutzer relativ einfach Bilder, Karten, Videos und andere Informationen Schicht um Schicht auf die Satellitenbilder legen. Aus dem All kann sich der Betrachter immer näher an die Erdoberfläche zoomen und am Boden bisweilen durch dreidimensionale Animationen fliegen, in denen beispielsweise Gebirge und Flusstäler plastisch werden.
Suche nach neuen Minen
Nur die Unschärfe mancher Satellitenbilder setzt dem Erlebnis oft noch eine Grenze. Doch auch das soll sich ändern: "Bald ersetzen Bilder des neuen Geo-Eye-1-Satelliten die alten von Landsat. Statt 15 Meter Auflösung werden dann 0,5 Meter erreicht", freut sich der Geowissenschaftler Mulligan. Dann lassen sich weltweit sogar einzelne Bäume aus der Ferne betrachten.
Mit den neuen Bildern dürften sich auch die Möglichkeiten für die Indios vom Volk der Surui weiter verbessern. Mit Hilfe von Google Earth überwachen sie ihr Territorium im brasilianischen Bundesstaat Rondonia.
"Die Indios gehen die Bilder auf der Suche nach neuen Minen und Rodungen Zentimeter für Zentimeter durch", sagt Vasco van Roosmalen von der Organisation Amazon Conservation Team, die zusammen mit Google Earth Outreach die Indianer berät und technisch unterstützt. Entdecken die Surui etwas Verdächtiges, bekommen sie von Google neuere und höher aufgelöste Bilder der Gegend zugeschickt.
Patrouille im Regenwald
Mit den Koordinaten verdächtiger Stellen patrouillieren die Surui anschließend ihren Regenwald und sorgen dafür, dass eingedrungene Holzfäller oder Goldsucher von den Behörden aus dem Schutzgebiet gewiesen werden.
Eine erfolgreiche Verknüpfung von Hightech und der traditionellen Beziehung der Indianer zu ihrem Wald: Sattgrün hebt sich im Satellitenbild das Reservat der Surui von den riesigen Kahlschlägen außerhalb seiner Grenzen ab.
Und auch der Botaniker Julian Bayliss kann noch einen Erfolg vermelden. Wegen des Artenreichtums am Mount Mabu stellte Mosambik das am Computer entdeckte Gebiet nun unter Schutz.
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(SZ vom 28.07.2009)
OB-Kandidatin Nallinger
So wie ich's verstanden habe (aber ich habe auch nur den Artikel gelesen), schauen die Surui es sich erst auf Google Earth an, bekommen dann bei Bedarf Bilder mit höherer Auflösung und gehen dann - falls sich der Verdacht erhärtet hat - wirklich los (= Patrouille). Das wäre zwar immer noch keine richtige "Patrouille" (= Kontrollgang), sondern eben ein Aufklärungsgang, aber dem Wortsinn näher... :o)
...eine Geländeanalyse als "Patroille" zu bezeichnen... das impliziert eher Echtzeitüberwachung i.S.V. "Wildererjagt per Satellit" und geht (zumindest mit Google-Earth) nicht.
MfG,
SvD
... der auch am Anfang erstaunt war, wenn es an der Tür klingelte, auf G-E aber keiner zu sehen war ...
Google Earth ist ein erstaunliches Instrument, und sicher sind die Einsätze von denen im Artikel berichtet wird (z.B. das Regenwald-Screening durch Indiostämme) lobenswert.
Bei der Vermutung, das diese Technologie irgendein Gleichgewicht zwischen Umweltausbeutern und schützenden Einheimischen mitsichbringt, wäre ich aber doch ein wenig vorsichtig.
Erstere sind gewiss besser ausgerüstet und können die Software womöglich noch nutzen, um geignete Ausplünderungsgebiete zu orten, während die Indio-Stämme immer auf die freundliche Unterstützung der Google-Corporation angewiesen zu sein scheint.
Aber immerhin....
dass bald eine Auflösung von 0,5m erreicht werden kann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass in großen, meist ländlichen Teilen von Deutschland - aber auch USA - seit 2000 kein Satellit mehr vorbeigekommen ist, während Metropolen auf dem Stand von 2006 sind. Vielleicht erst mal hier nachbessern, bevor wir jetzt noch länger auf die neuen tollen 0,5m Bilder warten...