Golden Records der Voyager 120 Bilder, zwei Dutzend Lieder und ein paar Geräusche

Eine "goldene Schallplatte" der Nasa von 1977

(Foto: AFP)

Vor 40 Jahren schoss die Nasa mit ihren Voyager-Sonden auch zwei goldene Schallplatten ins All. Jetzt soll die Botschaft digitalisiert werden.

Von Michael Moorstedt

Genau jetzt rasen zwei von Menschen gemachte Raumfahrzeuge durch das Nichts zwischen den Sternen. Gestartet sind die beiden Voyager-Sonden vor 40 Jahren, eine am 20. August und eine am 5. September 1977. Mit an Bord waren auch zwei goldene Schallplatten, die eine Botschaft ins All trugen: Auf den Golden Records ist zu hören, wer wir sind und wie wir leben, was wir lieben und wie wir leiden.

Genau 40 Jahre später wird nun versucht, diese Botschaft neu zu formulieren. Dieses Mal jedoch digital, gesendet über die Parabolantennen des Deep Space Network an den Bordcomputer der Raumsonde New Horizons, die irgendwo rund um den Pluto unterwegs ist. Es sollen ein paar Hundert Megabyte sein, die in die Ewigkeit hochgeladen werden.

Das ist eine schöne Idee. Schließlich fliegt an Bord der Sonde außer der Asche des Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh vor allem eine Menge Müll mit: eine Sonderbriefmarke, ein paar extra geprägte Münzen und nebenbei noch eine CD mit den Namen von einigen Hunderttausend Internetnutzern, die für dieses Privileg vor dem Start an einer Nasa-Promotion-Aktion teilgenommen hatten.

Momentan läuft eine Crowdfunding-Kampagne, um für die neue Botschaft Geld einzusammeln. Im Jahr 2019, wenn die Sonde ihre nächste Mission ausgeführt haben wird, könnte man die Nachricht dann hochladen, so der Initiator Jon Lomberg. Der ist, muss man wissen, nicht irgendein Fantast, sondern war bereits Teil des Teams, dass die ursprüngliche Schallplatten entworfen und produziert hat.

Walgesänge und prasselnder Regen

Auf den alten Voyager-Platten können interstellare Nutzer 120 Bilder, knapp zwei Dutzend Lieder und paar Geräusche vorfinden, die nach Ansicht der Macher das Leben auf der Erde treffend beschreiben. Darunter Walgesänge, prasselnder Regen, der Kuss einer Mutter oder die vertonten EEG-Wellen eines Menschen, der an seinen Liebsten denkt - sie hören sich an wie das Knistern einer Wunderkerze.

Heute geht es ein bisschen weniger poetisch zu: Bislang bittet Jon Lomberg die Besucher der Website Oneearthmessage.org nur um einen Gedanken, der ihnen zum Dasein auf unserem Planeten einfällt. Später sollen auch Bilder, Audio- und Videodateien oder 3-D-Scans hochgeladen werden können. So viel mehr wäre heutzutage möglich als noch vor 40 Jahren. Schließlich hat man mit dem Internet doch eigentlich das perfekt dafür geeignete Medium, um das ständige Brodeln und Tosen des menschlichen Daseins auf dieser Welt einzufangen.

Jon Lomberg verfolgt ein hehres Ziel. Nicht mehr ein exklusiver Rat von Experten soll die Nachricht ins Nichts komponieren. Sondern so viele Menschen wie möglich. Doch wer garantiert, dass man so überhaupt eine vernünftige Botschaft erhält? Auf seiner Website jedenfalls finden sich neben Wörtern wie Liebe, Frieden oder Hoffnung auch die Einreichungen "Bier", "Yolo" und "Katzen". Die Erde ist, wenn der Zustand des Internets im Jahr 2017 irgendeine Art von Aussagekraft hat, wohl eher ein bemitleidenswerter als ein einladender Ort.

Beispiele, bei denen eine solche Crowdsourcing-Aktion schiefgingen, gibt es reichlich: Da war etwa der Vater, der im Internet den Namen seiner ungeborenen Tochter ermitteln wollte, und von "Kanye West" über "Lady Gaga" auch viele andere, hier nicht druckfähige Vorschläge bekam. Und da war zuletzt das stolze Forschungsschiff des britischen Umweltrats NERC, das von der Netzgemeinde getauft werden sollte. Es war ja eigentlich gut gemeint, der Steuerzahler sollte zumindest ein bisschen mitbestimmen dürfen. Doch das Netz-Plebiszit fiel auf den Namen Boaty McBoatface und wurde deshalb ignoriert.

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Das ist das Problem des Crowdsourcing - die Urheber verlieren die Kontrolle über ihre Idee. Irgendwo existiert bestimmt ein Axiom, das besagt, dass der billige Witz zu verlockend, der naheliegende Einfall zu geistreich erscheint, als dass die Nutzer sie nicht in die Tastatur hacken könnten.