Fehlermeldung 451 Diese Zahl warnt Sie ab sofort vor Zensur im Internet

404-Fehlerseiten kennt jeder - jetzt kommt ein neuer Code hinzu. Wer "451" liest, der weiß: Diese Webseite ist nicht freiwillig offline.

Von Simon Hurtz

Bei 233 Grad Celsius verbrennen Bücher. (*) Guy Montag weiß das genau. Denn immer wenn irgendwo ein Buch gefunden wird, rückt er aus, zückt seinen Flammenwerfer und legt es in Asche. Das ist sein Job, schließlich ist er Feuerwehrmann.

Vor rund 60 Jahren entwarf Ray Bradbury diese Dystopie einer Gesellschaft, in der es als Verbrechen gilt, Bücher zu besitzen oder zu lesen. Im Laufe der Handlung entdeckt die Hauptfigur Guy Montag seine Liebe zur Literatur und beginnt, das System aus Zensur und Überwachung zu hinterfragen. Der Roman heißt "Fahrenheit 451". Bei dieser Temperatur - die 233 Grad Celsius entspricht - geht Papier in Flammen auf.

451 als Warnung vor Zensur

Wie Orwells "1984" wird auch Bradburys "Fahrenheit 451" heute gerne benutzt, um vor Überwachung und Zensur durch totalitäre Regime zu warnen. Bald könnte der Zahlencode auch auf Millionen Computer- und Smartphone-Displays auftauchen - immer dann, wenn Internet-Nutzer Inhalte abrufen wollen, die aufgrund von Gerichtsentscheiden blockiert werden.

Die zuständige Internet Engineering Steering Group hat 451 offiziell als Fehlercode akzeptiert. Die Gruppe erarbeitet freiwillige Standards für das Internet. Seitenbetreiber und Internet-Provider können die drei Zahlen von nun an verwenden, um Nutzer darauf hinzuweisen, dass sie ihnen bestimmte Informationen nicht anzeigen dürfen, weil sie von Gerichten dazu gezwungen wurden. Dabei kann es sich um Urheberrechtsverstöße, Verletzungen der Privatsphäre oder auch um staatlich angeordnete Zensur handeln.

Es gibt mehr als 60 unterschiedliche HTML-Statuscodes

Bislang diente dafür die Fehlernachricht "403 Forbidden". Wenn ein Client, also das Gerät eines Nutzers, über das HTTP-Protokoll Daten von einem Server anfordert, dafür aber die Zugriffsberechtigung fehlt, sieht der Nutzer diesen Code. Die neue Fehlermeldung "451 Unavailable For Legal Reasons" beschreibt also genau genommen nur einen Spezialfall der 403-Nachricht. Der Vorteil: Die Nutzer erfahren auch den Grund, warum sie bestimmte Inhalte nicht sehen. Außerdem können Aktivisten automatisiert nach solchen Fällen suchen und sie in Datenbanken ordnen, um Zensur sichtbar zu machen.

Alle HTTP-Anfragen werden mit dreistelligen Statuscodes beantwortet. Die häufigste Rückmeldung ist "200" - die bekommt ein Nutzer aber nie zu sehen, denn sie meint schlicht: Alles okay, die gewünschte Information wird ausgeliefert. Die Fehlermeldung 404 ist dagegen ebenso bekannt wie unbeliebt. Wer auf eine URL zugreifen will, die der entsprechende Server nicht kennt, landet auf einer 404-Seite.

Bradbury hasste das Internet

Tim Bray ist einer der Erfinder der Auszeichnungssprache XML. Bereits 2012 hatte der Software-Entwickler vorgeschlagen, 451 in die Liste der mehr als 60 HTTP-Statuscodes aufzunehmen. Ein Internet-Provider hatte den Zugriff auf das Downloadverzeichnis The Pirate Bay geblockt und stattdessen eine 403-Fehlernachricht ausgeliefert, die auf einen unautorisierten Zugriff hinweist. Tatsächlich sei der Grund aber ein Gerichtsurteil gewesen, das die Filesharing-Seite für britische Nutzer sperrte. Nun hat die Internet Engineering Task Force in Brays Sinne entscheiden.

"Fahrenheit 451"-Autor Bradbury war übrigens kein Fan der globalen Digitalvernetzung. Er empfand das Internet als "ablenkend, bedeutungslos und irreal". Der New York Times erzählte er 2009: "Yahoo wollte eines meiner Bücher im Netz veröffentlichen. Wissen Sie, was ich denen erzählt habe? Zur Hölle mit Ihnen", sagte Bradbury. "Zur Hölle mit Ihnen und zur Hölle mit dem Internet."

Autor von "Fahrenheit 451" Ray Bradbury ist tot

Sein größter Erfolg blieb die düstere Zukunftsvision "Fahrenheit 451", doch Ray Bradbury hörte nie auf zu schreiben. Ob Science-Fiction, Märchen oder Horror, ob Drehbuch, Essay oder Roman - der Amerikaner wurde nach eigener Aussage jeden Morgen von der Inspiration geweckt und schuf ein vielfältiges Werk. Nun ist er im Alter von 91 Jahren in Los Angeles verstorben.

(*) Der exakte Wert lässt sich nicht so genau festlegen. Bradbury bezog sich auf die Temperatur, bei der sich Papier selbst entzündet. Dabei spielen Faktoren wie die Dicke und das Material eine Rolle. Früher ging man von einer Temperatur von ungefähr 450 Grad Fahrenheit aus, tatsächlich scheint sie um rund 30 Grad höher zu liegen. Bei Slate gibt es dazu eine gute Erklärung.