Fahrerlos durch die Straßen Google soll Roboter-Taxis entwickeln

Fahrzeuge, die ganz von alleine durch die Straßen fahren: Schon länger arbeitete Google gemeinsam mit anderen Autoherstellern an solchen Robotor-Autos. Jetzt plant der Internetkonzern nach einem Medienbericht aber wohl plötzlich ein eigenes Modell - und einen automatisierten Taxi-Dienst.

Einsteigen, Türe zu, losfahren - ganz ohne Fahrer hinter dem Lenkrad. Schon seit mehreren Jahren testet der Internetkonzern Google gemeinsam mit großen Autoherstellern selbstfahrende Wagen. Aber jetzt will er offenbar ein eigenes Modell entwickeln: Ein Google-Auto.

Der Journalist Amir Efrati schreibt auf dem Blog von Jessica Lessin, beide arbeiteten lange beim Wall Street Journal, dass Google bereits Gespräche mit verschiedenen Herstellern von Autoteilen wie Magna International oder der Continental AG führe. Sie sollen ein Auto ganz nach den Plänen von Google herstellen, berichteten Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Bisher sei allerdings noch kein Deal geschlossen, Google sei noch immer auf der Suche nach weiteren möglichen Partnern, heißt es auf dem Blog von Lessin. Die Franfurter Allgemeine Zeitung schrieb dagegen schon am Mittwoch, dass der weltweit zweitgrößte Autozulieferer Continental kurz vor dem Abschluss einer Kooperation mit Google als auch IBM stehe, um "neue Lösungen für das automatisierte Fahren zu finden".

Google plant aber wohl nicht nur die automatisierten Fahrzeuge an Endverbraucher zu verkaufen, sondern auch einen Taxi-Service: Nach den Informationen von Efrati prüft der Konzern die Entwicklung von Roboter-Taxis, die ihre Mitfahrer auf Nachfrage direkt abholen und an den gewünschten Ort bringen. Google preist die Idee anscheinend damit an, dass so weniger Autos gebraucht werden und die Anzahl der Unfälle durch die fahrerlosen Wagen sich reduzieren würde. Im vergangenen Jahr hat die Firma wohl bereits verschiedene amerikanische Städte herausgesucht, in denen sich solche Robotor-Taxis vor allem anbieten würden. Ob Google solche einen Service dann wirklich selbst betreiben oder an jemand anderen abgeben würde, ist noch unklar.

Denn in diesem Gebiet ist Google bisher ziemlich unerfahren. Zwar kündigte Google-Mitgründer Sergey Bin schon im vergangenen Jahr an, dass bis 2017 jeder ein automatisch fahrendes Auto kaufen könne. Doch wenn Google nun ein eigenens Modell plant, kommen eine Reihe ganz neuer Aufgaben auf den Konzern zu. Der Verkauf von Fahrzeugen an Privatpersonen wäre weit entfernt von Googles eigentlichem Geschäftsfeld, dem Verkauf von Werbeanzeigen. Es sei deshalb "äußert kompliziert", sagte eine Insider.

Viel Geld steht auf dem Spiel. Das zeigt Googles bisheriger Fuhrpark: Der Konzern hat bereits eine kleine Flotte an Toyotas, die mit Kameras, Radars und eigener Google-Software ausgestattet sind - ein Auto kostete das Unternehmen in etwa 150.000 US-Dollar, berichtet Efrati auf seinem Blog. Das Projekt läuft bei Google-Mitgründer und Vorstandschef Larry Page daher unter der Kategorie "Moonshoot", auf Deutsch Mondflug. Darunter versteht der CEO Projekte, die ein hohes finanzielles Risiko in sich tragen - aber bei Erfolg eben so hohe Erträge einbringen können.

Googles Pläne für selbstfahrende Autos passen in das Bild, das sich bereits am Donnerstag abgezeichnet hatte: An diesem Tag berichteteten verschiedene Technologie-Blogs wie AllThingsD oder TechCrunch übereinstimmend, dass die Firma 250 Millionen US-Dollar in den Taxidienst Uber investiert hat. Mit Hilfe von Uber können Privatpersonen anderen Menschen Taxidienste anbieten. Über eine Handy-App bestellen die Nutzer das Auto, auch die Bezahlung erfolgt direkt via App. Den Dienst gibt es seit 2009, neben zwei Dutzend US-Städten ist er mittlerweile auch in Berlin, München, Zürich und London aktiv.

Das Engagement bei Uber zeigt, dass Google es ernst meint mit seinen Plänen. Irgendwann fahren dann vielleicht nicht mehr nur vereinzelt die schwarzen Google-Autos für den Kartendienst Maps durch die Straßen - sondern auch Roboter-Taxis.