Deutscher Computerspielpreis Wenn schon Kommerz, dann richtig

Das konnte nicht gutgehen: Im Münchner Haus der Kunst wurde der Deutsche Computerspielpreis der Bundesregierung und zweier Branchenverbände verliehen - gemeinsam mit dem Kommerz-Award "Lara".

Von Mirjam Hauck

Vor zwei Jahren setzten die Bundesregierung und vier Verbände der Spielewirtschaft den Deutschen Computerspielpreis in die Welt. Das gemeinsame Kind sollte der Öffentlichkeit zeigen, wie kreativ und künstlerisch wertvoll Spiele sein können - jenseits böser und allzu medienpräsenter Ballerspiele. Mittlerweile hat sich die Elternschaft zerstritten, zwei Verbände sind ausgestiegen. Ersatz hat man bei G+J Entertainment Media gesucht und gefunden. Ein Verlag, der seit ein paar Jahren den Games-Award "Lara" ausrichtet.

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So präsentierten nun Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Marcel Huber, und Peider Bach, der Geschäftsführer des Verlages, am Mittwochabend die Preisverleihung im Münchner Haus der Kunst. Während Neumann und Huber die künstlerische und pädagogische Qualität der deutschen Produktionen lobten, freute sich Verlags-Mann Bach einfach, dass er seinen Kommerz-Award in diesem staatstragenden Ambiente vergeben durfte.

Doch zunächst wurde die deutsche Pädagogik gewürdigt und hochdotierte Preise unter anderem für das beste Kinderspiel, Jugendspiel, Serious Game und Nachwuchskonzept verliehen. Um an das Preisgeld zwischen 35.000 und 75.000 Euro zu kommen, musste man entweder ein Spiel mit einer schrägen, leicht debil wirkenden Grafik und Spielidee (Bestes Kinderspiel: The Kore Gang, bestes Nachwuchskonzept: Tiny & Big - Grandpa's Leftover) entwerfen oder sich dem Themenbereich Klimawandel und Energiepolitik zuwenden (Bestes Jugendspiel und bestes deutsches Spiel: A New Beginning, bestes Serious Game: Energetika).

Energetika, ein Spiel, bei dem in einem fiktiven Land umweltverträgliche Kraftwerke gebaut werden müssen, empfahl Neumann denn auch sogleich Kanzlerin Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen. Der pädagogische Ansatz des Deutschen Computerspielpreises macht sogar vor Parteifreunden nicht halt.

Gänzlich frei von diesem Zeigefinger-Gestus waren dagegen viele Lara-Nominierungen: Shooter wie Call of Duty: Black Ops oder Fallout: New Vegas, die von Jugendlichen auch gar nicht gespielt werden sollen. Beiden Spielen fehlt die Jugendfreigabe. Eine der undotierten Auszeichnungen bekamen die kommerziell sehr erfolgreichen Spiele allerdings nicht. Das wollte man wohl dem Partner aus der Politik dann doch nicht zumuten. So ging die Lara für das beste internationale Computerspiel an das eher harmlose Strategiespiel Starcraft II: Wings of Liberty.

Den Preis für das beste internationale Konsolenspiel bekam Assassin's Creed: Brotherhood aus dem Hause Ubisoft. Es war bestimmt ein großer Zufall, dass im Haus der Kunst zeitgleich zur Veranstaltung Artwork des Spiels ausgestellt und Ubisoft-Chef Yves Guillemot der Ehrenpreis für sein Lebenswerk überreicht wurde.

Diesen Preis überreichte auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Geehrte freute sich sichtlich über die Auszeichnung aus der Hand des Ministers. Das sei dem erfolgreichen französischen Unternehmer auch gegönnt, doch Neumann hat sich und der Idee des Deutschen Computerspielpreises damit keinen Gefallen getan.

Wenn schon der Kommerz Einzug in die Preisverleihung gefunden hat, sollten die Verantwortlichen so ehrlich sein und auch die pädagogisch weniger wertvollen Spiele aus Deutschland würdigen. Eine Anregung dafür gab es auch gleich im Programmheft: Auf der letzten Seite warb das Unternehmen Crytek aus Frankfurt für seinen Ego-Shooter Crysis 2.