Copyright-Debatte Fünf Fragen zum Urheberrecht, die unsere Gesellschaft beantworten muss

Der Streit zwischen Künstlern und jenen, die Kunst nutzen, eskaliert. Wir brauchen eine Friedensinitiative. Und ein neues Urheberrecht - denn die digitale Revolution ist eine Realität, die nicht verschwinden wird.

Von Dirk von Gehlen

Die Gesundheitspolitiker in Berlin atmen auf. Sie haben den zweifelhaften Status, das unbeliebteste politische Thema des Landes zu bearbeiten, an diejenigen abgetreten, die sich mit Fragen des Urheberrechts befassen.

Kein Spitzenpolitiker, so erzählt man sich in Berlin, äußere sich gerne zu den Themen des korrekt als Immaterialgüterrecht beschriebenen Fachbereichs. Die Gefahr ist zu groß, sich auf beiden Seiten des digitalen Grabens unbeliebt zu machen. Dort haben sich zwei Gruppen verschanzt, die eigentlich dringend aufeinander zugehen sollten. So ist ein Kulturkampf aufgeflammt, der hart und konfrontativ geführt wird. Die Metapher des Kriegs macht die Runde, manche mahnen sogar schon zur "Abrüstung".

Auf der einen Seite stehen dabei jene, die ihre digitale Lebensrealität auf das Urheberrecht übertragen wollen - juristisch nicht immer ganz sattelfest. Auf der anderen Seite positionieren sich seit ein paar Wochen Drehbuchautoren, Kreative und Künstler, für die eine "Reform des Urheberrechts" nur ein Euphemismus für dessen Abschaffung ist. Sie fühlen sich durch die Forderungen, die vor allem durch den Einzug der Piraten in die Parlamente ein Gewicht bekommen haben, existenziell bedroht.

Seitdem der Autor und Musiker Sven Regener in einem Radiointerview wütend losschimpfte, werden offene Briefe und ebenfalls öffentliche Antwortschreiben verschickt. Dabei ist die deutsche Debatte vor allem eins: verspätet. Im Netz ist seit mehreren Jahren unabwendbare Realität, was einige Akteure offenbar erst jetzt ausdiskutieren wollen.

Das Internet hat die Menschen bereits heute in die Lage versetzt, digitalisierte Inhalte schneller und günstiger als jemals zuvor zu verbreiten: identisch und nahezu kostenfrei. Diese Revolution ist keine Parteien-Forderung, sie ist Realität. Die Einsicht in diese Realität sollte Grundlage jeder Debatte sein, die nicht bloß Lobby-Gelärm sein will, sondern sich auf die Suche nach einer konstruktiven Lösung macht. Dabei kommt man an diesen fünf zentralen Fragen nicht vorbei: