Computeranimation im Film "Wie zu viel Botox"

Dank besser werdender Computeranimation gleichen künstliche Figuren in Kinofilmen immer mehr den realen Vorbildern. Doch das wird zum Problem: Zu real wirkt plötzlich falsch.

Computeranimation hat der Filmindustrie in den vergangenen Jahren ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Künstliche Figuren gleichen immer mehr den echten, auch die simulierten Landschaften werden immer realer. Doch allmählich zeigt sich, dass genau das für die Branche zum Problem werden könnte. Denn wenn die animierten Darsteller gar zu menschlich wirken, fühlt sich der Zuschauer offenbar unwohl. Wenn es zu real wird, sieht er nicht mehr die Ähnlichkeiten, sondern vor allem die Abweichungen. Den Effekt bezeichnen Experten als "Uncanny Valley" (deutsch: unheimliches Tal).

Zu real? Szene aus dem Kinofilm "Mars Needs Moms".

(Foto: AP)

Der Theorie nach fühlen wir uns zu künstlichen Figuren hingezogen, wenn sie uns entfernt ähneln. Ein Teddy oder eine Puppe gilt als "niedlich". Und die Zuneigung steigert sich, je menschlicher das Objekt aussieht - oder eben die animierte Kinofigur. Doch irgendwo scheint es eine Grenze zu geben. Wenn es allzu menschlich erscheint, stößt es uns ab. Animierte Filme wie "Toy Story", "Shrek" und "Ratatouille" erzielten große Erfolge und waren längst nicht nur beim jüngeren Publikum beliebt.

Der Streifen "Avatar - Aufbruch nach Pandora", für den die Macher computeranimierte Szenen mit real gedrehtem Material vermengten, wurde gar zum großen Kassenschlager. Mit dem 3D-Film "Mars Needs Moms", der in Deutschland unter dem Titel "Milo und Mars" Ende April in die Kinos kommen soll, gingen die Walt-Disney-Studios technisch noch einen Schritt weiter. Der große Erfolg ist zumindest bisher allerdings ausgeblieben. Bei einem Produktionsbudget von 150 Millionen Dollar (104 Millionen Euro) hat der Film seit der Premiere in den USA am 11. März erst 34 Millionen (23 Millionen) eingespielt.

Dass "Mars Needs Moms" vom Publikum weniger gut angenommen wurde als andere animierte Filme, mag viele Gründe haben - das Timing, die Konkurrenz, der 3D-Zuschlag an der Kinokasse und nicht zuletzt der Inhalt. Nach der Uncanny-Valley-Theorie könnte der ausgebliebene Erfolg aber auch damit zu tun haben, dass den Machern die Animation schon etwas zu gut gelungen ist. Die Gesichtszüge der Hauptfiguren hätten "ganz einfach unecht gewirkt", sagt der 41-jährige Doug McGoldrick aus Chicago, der sich den Film mit seinen beiden Töchtern angesehen hat. Leblos und wie aus Plastik seien ihm die Charaktere erschienen, sagt er, "als hätten sie viel zu viel Botox verwendet oder so etwas".