Charthit durch Facebook Rage Against Weihnachten

Mit einem 17 Jahre alten Lied haben die US-Rocker Rage Against The Machine die britischen Charts gestürmt. Einer Facebook-Gruppe waren gecastete Dauersieger langweilig.

Vier Jahre lang war die prestigeträchtige britische Weihnachtshitparade so überraschend wie Omas Plätzchenrezept von 1935: Stets lagen am Ende die Sieger der Casting-Show "The X Factor" vorne, die immer kurz zuvor gekürt werden. Dieses Jahr hätte demnach der 18-jährigen X-Factor-Sieger Joe McElderry mit seinem Schmusehit "The Climb" den Weihnachtstitel holen müssen.

Doch es kam alles anders: Das britische Ehepaar Jon und Tracy Morter wehrte sich gegen den Einheitsbrei und startete über das Internet eine Initiative. In der Facebook-Gruppe "Rage Against the X-Factor" warben die beiden dafür, den Song "Killing in The Name" der US-Rockband Rage Against The Machine zu kaufen, um ihm zur Spitzenposition zu verhelfen.

Obwohl das Lied aus dem Jahr 1992 stammt, trafen die Morters damit einen Nerv: Mehr als 950.000 Mitglieder schlossen sich ihrer Gruppe an und begannen, wie wild die 17 Jahre alte Crossover-Hymne herunterzuladen.

Nach wenigen Tagen war in den Medien vom "Weihnachtsduell des Jahres" zwischen McElderry und den alternden US-Rockern die Rede. Simon Cowell, Chefjuror bei "X Factor", gab sich ob der neuen Konkurrenz für seinen Schützling entsetzt und bezeichnete die Kampagne als "Hass-Mob". Musiker wie Paul McCartney oder Dave Grohl hingegen stellten sich auf die Seite der Facebook-Initiative.

950.000 Downloads der beiden Titel

Zum Stichtag am letzten Adventswochenende hatten die Briten "Killing in The Name" 500.000 mal gekauft, "The Climb" lag 50.000 Verkäufe dahinter. "Ich kanns nicht glauben", sagte Kampagnen-Initiator Jon Morter, "Das Ergebnis zeigt: Wer Social Networking auf richtigem Wege nutzt, kann alles schaffen."

Rage-Against-The-Machine-Frontmann Zack de la Rocha sprach im Interview mit der BBC von einer "unglaublich organischen Graswurzel-Kampagne", durch die junge Briten "dieses ziemlich sterile Pop-Monopol" gestürzt hätten. McElderry gab sich als guter Verlierer, X-Factor-Jurymitglied Cowell gratulierte den Initiatoren der Kampagne per Telefon.

Rage Against The Machine wird einen Großteil der Einnamen einem Obdachlosenheim spenden. Doch der Wettkampf um die Weihnachtshitparade war nicht für alle ein Erfolg: Weil vor 14 Tagen die Quoten für einen Sieg der Band noch bei 1:100 standen, rechnen die englischen Wettbüros mit Verlusten von bis zu einer Million Pfund (etwa 1,12 Millionen Euro). "Dabei hatten wir überlegt, keine Wetten mehr auf den Sieger der Weihnachtscharts anzunehmen", zitiert die Boulevardzeitung The Sun den Sprecher eines Anbieters, "'X Factor' schien unschlagbar."