Apple: Jobs präsentiert neue Software Wolkig - statt heiter

"Wir lieben dich!", rufen ihm Fans zu, als Steve Jobs auf die Bühne kommt. Der Auftritt des Apple-Chefs in San Francisco soll eine Kampfansage sein: Der Datendienst iCloud soll Apple wieder von den Rivalen absetzen, das neue Betriebssystem Lion das Microsoft-Konkurrenzprodukt Windows vor allem über den Preis schlagen.

Von Thorsten Riedl

Es war höchste Zeit für den Gegenschlag. Am Montagabend trat Apple-Chef Steve Jobs auf die Bühne des Moscone-Konferenzzentrums in San Francisco. Erst sein zweiter Auftritt, seit er sich krank gemeldet hat. Doch wer ein neues iPhone oder ähnlich Bahnbrechendes erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Dabei kommen die Rivalen mit ihren Produkten näher. Software zu Billigpreisen soll den Vorsprung vor Konkurrenten wie dem Softwarekonzern Microsoft oder der Suchmaschine Google halten. Zudem zeigte der ausgemergelte Jobs vor 5000 Fans einen Online-Dienst, der herkömmliche Computer überflüssig machen soll. Eine Kampfansage.

Seit dem iPod-Musikspieler, dem iPhone-Handy oder dem iPad-Tabletcomputer erwarten Technikfreunde Großes, wenn Apple-Mitgründer Jobs spricht, zumal er gerade eine Auszeit nimmt. Ursache dafür ist wohl sein Krebsleiden. Ein Rückkehrdatum hat er auch fünf Monate nach der Krankmeldung noch nicht genannt.

Von der Krankheit gezeichnet ließ der 56-Jährige am Montagabend meist andere sprechen. Analysten sahen das als Zeichen für die Schwere seines Leidens. Die Aktie von Apple fiel. "Wir lieben dich", rief ein Fan zu Beginn der Veranstaltung. Alle Welt hofft auf Produkte, die wie iPod, iPhone oder iPod das Zeug haben, die Spielregeln ganzer Industrien zu ändern.

Doch neue Geräte standen dieses Mal bei der Produktschau nicht im Vordergrund. Jobs ließ Software für Mac-Computer und die mobilen Geräte zeigen. Wenige Tage, nachdem Microsoft sein Betriebssystem Windows 8 gezeigt hat, stellte die Apple-Mannschaft um Jobs die eigene Software namens Lion vor. Sie soll schon ab Juli zu haben sein, deutlich vor dem Konkurrenzprodukt aus Redmond, und nur einen Bruchteil kosten. Apple nannte als Preis 24 Euro. Microsoft verlangt aktuell für Windows mehr als das Dreifache.

iCloud: Daten von allen Geräten zugänglich

Der Computerhersteller aus Cupertino will die Kunden zudem enger an sich binden mit Angeboten aus der Internet-Wolke. Apple reagiert damit auf entsprechende Produkte von Amazon und Google, die schneller am Start waren. Die Wolke, englisch Cloud, steht im Jargon für das Internet. Daten wie Dokumente, Fotos oder Musik sollen bei dem Dienst namens iCloud auf Netzrechnern von Apple gespeichert werden und von überall zugänglich sein.

Bisher waren die Daten meist auf einem Gerät gespeichert: Lagen etwa Lieder nur auf der Festplatte eines Computers, musste die Musik erst auf den Speicher von Telefon oder Tabletcomputers kopiert werden. Nun liegen die Daten im Netz und sind auf allen Geräten zugänglich. Natürlich nur, wenn sie das Logo mit dem angebissenen Apfel des Unternehmens haben.

Schon jetzt werfen viele Fachleute Apple vor, den Kunden einen goldenen Käfig anzubieten. Erlaubt ist nur, was dem Apple-Management gefällt. Analysten gehen trotzdem - oder gerade deswegen - von einem neuen "Milliarden-Dollar-Markt" für Apple aus durch die Cloud-Dienste aus.

Suche nach dem digitalen Mittelpunkt

Weil die Inhalte nur mit Apple-Geräten zugänglich sind, soll das Kunden davon abhalten, zu Rivalen zu wechseln. Das Unternehmen ist dafür bekannt, komplexe Themen auch für technische Laien zugänglich zu machen. Auch das könnte einen Vorsprung gegenüber Amazon und Google sichern, deren Cloud-Angebote in den Staaten schon seit Wochen zu nutzen sind.

Jobs erklärte nicht nur den direkten Rivalen den Kampf. Er stellte auch die Zukunft von PC-Herstellern in Frage, die im Moment ohnehin darunter leiden, dass die Kunden lieber zu einem iPad greifen statt zu einem neuen Computer. Vor zehn Jahren sei Apple davon ausgegangen, der Rechner zuhause werde "das digitale Drehkreuz für das digitale Leben". Nun sagte Jobs: "Dieses Modell ist Vergangenheit." Geht es nach ihm, reichen künftig iPhone, iPad oder iPod. "Der digitale Mittelpunkt wandert jetzt in die Wolke." Kosten für den iCloud-Basisdienst: keine.